Frühere europäische Territorien und Verflechtungen werden am Erbhof deutlich

Das Wappen des Fürsterzbischofs

Das Wappen des Bremer Erzbischofs Johann Friedrich (1596-1634) über dem Portal des 1620 erbauten Schlosses Erbhof in Thedinghausen.
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Das Wappen des Bremer Erzbischofs Johann Friedrich (1596-1634) über dem Portal des 1620 erbauten Schlosses Erbhof in Thedinghausen.

Thedinghausen – Mit einem kleinen Festakt wurde kürzlich die Anbringung und Enthüllung des Wappens des Erzbischofs Johann Friedrich am Hauptportal des Thedinghauser Schlosses Erbhof gefeiert (wir berichteten). Diese Veranstaltung nahm auch Dr. Hans-Eckhard Dannenberg (Geschäftsführer des Landschaftsverbandes Stade) zum Anlass, eine wissenschaftlich-historische Abhandlung zu diesem Themenbereich zu verfassen und in der Zeitschrift „Heimat und Kultur zwischen Elbe Weser“ unter dem Titel „Das Wappen des Fürsterzbischofs“ zu veröffentlichen.

Mit Genehmigung des Autors veröffentlichen wir diesen Aufsatz.

„Anno 1620, vor 400 Jahren, ließ der Bremer Erzbischof Johann Friedrich, ein Herzog aus dem Hause Schleswig-Holstein-Gottorf, für seine Geliebte Gertrud Hermeling-Heimbruch in Thedinghausen das Schloss Erbhof errichten. Auf Reisen nach Italien, Frankreich und in die Niederlande hatte sich Johann Friedrich (1579-1634) eine umfassende Bildung und Weltläufigkeit erworben, die auch im Schloss Erbhof, einem prachtvollen Spätwerk der Weserrenaissance, ihren Ausdruck fand.

Seit 1596 hatte er den Bremer Erzbischofsstuhl inne, seit 1607 war er zudem auch Bischof von Lübeck. In Thedinghausen schuf sich Johann Friedrich in abgeschiedener Lage eine private Rückzugsmöglichkeit für Treffen mit seiner Maitresse Gertrud, der er – nach allem, was wir aus den Quellen wissen – in großer Liebe zugetan war. Tragischerweise starb Gertrud schon im März 1620, noch vor der Fertigstellung des Schlosses.

Daraufhin veränderte Johann Friedrich die Konzeption des Baues: Statt eines Gebäudes im Stil eines ländlichen Herrenhauses ließ er jetzt einen repräsentativen Bau im Stile einer fürstlichen Residenz errichten. Durch zwei Utluchten neben dem zentralen Treppenturm erhielt die Fassade eine imposante, dreifach gegliederte Form, und sie wurde mit Ornamenten, Säulen, Kartuschen und Friesen reich verziert. Das Schloss Erbhof ist heute eines der ältesten und am besten erhaltenen nicht-kirchlichen Bauwerke im Elbe-Weser-Dreieck.

Zierten bisher bereits etliche Sandstein-Medaillons mit Porträts des Liebespaares und das Wappen der Gertrud von Heimbruch – allesamt originale Zeugnisse aus der Bauzeit – die Fassade des Schlosses Erbhof, so fehlte bisher aber das erzbischöfliche Wappen Johann Friedrichs. Über dem Hauptportal, wo es einst angebracht, aber später im Laufe der Jahrzehnte verschwunden war (wann genau ist heute nicht mehr zu ermitteln), ließ es der Förderkreis Erbhof zu Thedinghausen nun aber wieder anbringen.

Bei dem Wappen handelt es sich um eine Neugestaltung aus Obernkirchner Sandstein, die der Bildhauer Raphael Strauch aus Willebadessen (Kreis Höxter) auf der Grundlage der überlieferten Informationen geschaffen hat. Umfangreiche Recherchen, unter anderem im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf, hatte Projektleiter Gerd Schröder, Vorsitzender des Förderkreises und ehemaliger Samtgemeindebürgermeister angestellt, um die originale Gestalt des Wappens zu rekonstruieren. Wissenschaftliche Beratung steuerten Dr. Bernd Kappelhoff, ehemaliger Präsident des Niedersächsischen Landesarchivs und der Forscher Christian Kammann (Stockholm) bei.

Die Symbolik des ‘neuen-alten’ Wappens bezieht sich auf Herkunft und Herrschaftsgebiete Johann Friedrichs. Die zentralen Wappenfelder zeigen beziehungsweise deuten an: einen goldenen Löwen, der in den Vorderpranken eine Streitaxt schwingt (Königreich Norwegen), goldene gekreuzte Schlüssel auf rotem Grund (Erzbistum Bremen), zwei blaue, rotbewehrte Löwen (Herzogtum Schleswig), ein silbernes Nesselblatt in rotem Feld (Herzogtum Holstein), ein schwarzes Bistumskreuz auf silbernem Grund (Bistum Lübeck), einen silbernen Schwan mit goldener Krone um den Hals (Herrschaft Stormarn), einen geharnischten Reiter, in der rechten Hand das Schwert schwingend, auf silbernem Pferde (Land Dithmarschen), schließlich ein goldenes Ankerkreuz in blau und zwei roten Balken in rot (Herrschaft Delmenhorst und Grafschaft Oldenburg). Die drei Helmzieren symbolisieren Schleswig, Norwegen und Holstein.

So drückt das Wappen von Erzbischof Johann Friedrich am Schloss Erbhof Thedinghausen nun wieder die europaweite Verflechtung aus, die in Mittelalter und früher Neuzeit die Landesherrschaften vieler weltlicher und geistlicher Territorien prägte.“

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