Das Gegenteil von im Oma-Modus

Samtgemeindebürgermeisterwahl: Anke Fahrenholz (SPD) will die nächste Veränderung

Anke Fahrenholz wohnt heute ganz in der Nähe ihres Geburtsortes – beim früheren Kankenhaus.
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Anke Fahrenholz wohnt heute ganz in der Nähe ihres Geburtsortes – beim früheren Kankenhaus.

Samtgemeinde – Es fällt schwer sich vorzustellen, wie diese Frau von ihrem Enkel „Oma“ gerufen wird. Anke Fahrenholz ist schließlich erst 54 und sieht dazu deutlich jünger aus, wenn dieses Urteil erlaubt ist. Sie hat nur selbst recht früh eine Tochter bekommen, die sie allein erzogen hat.

Anke Fahrenholz ist zwar gerne Großmutter von zwei Enkelsöhnen und freut sich, dass die vier- und einjährigen Sprösslinge mit Tochter Jana und Schwiegersohn Thomas in Achim-Baden wohnen. Aber sie ist weder im Oma-Modus noch sehnt die gebürtige Thedinghauserin den Ruhestand herbei. Im Gegenteil: Die Thedinghauser SPD-Fraktionsvorsitzende will im September zur Samtgemeindebürgermeisterin gewählt werden.

Wenn es klappt, wäre das eine neuerliche Wendung in ihrem Leben. Das war sehr lange geprägt von der Feuerwehr. Mehr als 40 Jahre, etliche Jahre davon in leitender Funktion. Denn die frühere stellvertretende Ortsbrandmeisterin ihrer Heimatfeuerwehr Horstedt stand als Landesjugendfeuerwehrwartin rund 40 000 Mitgliedern vor. „Ich war die erste Frau“, sagt sie und blickt zurück auf große Camps und Tagungen, Seminare und Zeltlager – und ganz viele auswärts verbrachte Wochenenden. „Im Oktober stand der Terminplan für alle Wochenenden des nächsten Jahres“, erinnert sie sich. Und das hieß: reisen von der Küste bis in den Harz und noch weiter nach Südniedersachsen. Alles ehrenamtlich, versteht sich.

Hauptamtlich: Nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau studierte Anke Fahrenholz Technik und Sprachen in Hildesheim. Auslandssemester verbrachte sie in Spanien und in den USA. Nachdem sie ein Übersetzungsbüro in Bremen geleitet hatte, machte sie sich als Übersetzerin selbstständig und übte diesen Job 24 Jahre aus. Dank einer juristischen Zusatzausbildung konnte sie ihre Expertise als Übersetzerin auch am Landgericht in Verden einbringen.

Vor fünf Jahren dann der Wechsel zum Landkreis. Dort ist sie als Leiterin der Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe Bindeglied für alle möglichen Partner: Land, Ehrenamtliche, Landkreis und Gemeinden. Zudem arbeitet sie im Sozialamt als Ausbildungsleiterin.

Vor 16 Jahren begann die Sozialdemokratin ihr kommunalpoltisches Engagement. Neben dem Fraktionsvorsitz übt sie heute auch die ehrenamtlichen Posten der Samtgemeinde-Ratsvorsitzenden und der zweiten stellvertretenden Samtgemeindebürgermeisterin aus.

Doch nun soll es mehr sein. „Als klar war, dass Harald (Hesse, d. Red.) nicht mehr weitermacht, habe ich mich entschieden, für das Amt der Samtgemeindebürgermeisterin anzutreten.“

Anke Fahrenholz sieht sich „total verwurzelt“ in Thedinghausen. Zugleich habe sie aber auch schon etwas von der Welt gesehen durch Beruf und Ehrenamt in der Feuerwehr. Sie habe den Blick von innen und von außen auf die Gemeinde.

Weitere Pluspunkte neben ihrer Führungserfahrung: Sie wisse, wie in der Verwaltung gearbeitet werde, kenne durch ihren Job als Koordinatorin alle Bürgermeister und wenigstens auch die Ordnungsamtsleiter in den Kommunen des Landkreises. Sie sei aber auch nah dran am Menschen. „Ik kann mit Opi ‘n beeten Platt snacken, aber auch mit jungen Leuten umgehen.“

Zuverlässigkeit sei ihre vornehmste Tugend. „Bei der Feuerwehr muss man sich auch aufeinander verlassen können.“ Eine Schwäche sei, dass sie zu perfektionistisch sei. Wenn etwas aufwendig Geplantes nicht klappe, sei sie unzufrieden.

Sie sei auch in der Lage, notfalls allein für eine Überzeugung einzustehen. „Ich habe immer meine Meinung gesagt, das finden nicht alle Leute gut.“ So sei sie vor Kurzem die einzige Ratsangehörige gewesen, die sich an die Zusage des Rates an eine Frau gehalten habe, die in Thedinghausen eine Hundeschule errichten wollte und ein positives Lärmgutachten vorbringen konnte. Sie sei als Ratsmitglied nicht umgekippt, als sich Anwohner beschwert hätten. „Ich hatte ja mein Wort gegeben.“

Auf die Agenda als Samtgemeindebürgermeisterin möchte sie als Freundin guter Organisation gerne vorausschauender handeln. Nicht Getriebene sein von dem, was in Kürze ansteht, sondern möglichst schon auf Jahre hinaus planen. „Bei der Feuerwehr nennen wir das: vor die Lage kommen.“

Die 54-Jährige, die in einer Beziehung lebt, möchte sich für junge und alte Leute gleichermaßen einsetzen. Ihr schweben als Ideenblitze Treffpunkte wie ein Hochseilgarten im Adeligen Holz oder Dorfgemeinschaftshäuser vor. Es solle mehr in den einzelnen Mitgliedsgemeinden passieren. „Nicht immer für alles nach Thedinghausen fahren“, ist eines ihrer Ziele. So soll die geplante Freiwilligenagentur möglichst auch in Riede, Blender und Emtinghausen beheimatet sein.

Die Stärkung des ÖPNV und der Mobilität liegt Anke Fahrenholz ebenso am Herzen. Sie spricht von Ruftaxis und Sammelbussen, damit die Älteren möglichst lange zu Hause bleiben und sich wohlfühlen können. „Der Bürgerbus ist gut, aber meine Mutter musste von ihrem Haus immer noch einen Kilometer zur Haltestelle gehen“, nennt sie das Beispiel ihrer Mama, als diese noch in Horstedt wohnte.

Das schwer angesagte Thema Umweltschutz ist der leidenschaftlichen Badmintonspielerin und Radlerin, die gerne mit dem Fahrrad nach Verden zur Arbeit strampelt, nach eigener Aussage auch nicht fremd. „Ich habe schon vor 30 Jahren Benjes-Hecken gepflanzt.“ Damals, als sie noch eine ganz junge Frau war und noch lange keine Oma.

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