1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Thedinghausen

Das Ehepaar Grieme aus Blender pflegt einen alten Osterwasserbrauch

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Heiner Albrecht

Kommentare

Gerd Grieme schöpft das Wasser, hier gestellt für den Pressetermin. In Wirklichkeit macht er das – einem strengen Ritual folgend – in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag. Resi Grieme füllt Wasser aus dem Eimer, das vor sieben Jahren aus dem See geholt worden war. „Schmeckt wie frisch. Selbst probiert“, schwört der
Gerd Grieme schöpft das Wasser, hier gestellt für den Pressetermin. In Wirklichkeit macht er das – einem strengen Ritual folgend – in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag. © Heiner Albrecht

Blender – In vielen Ländern ist das Osterwasserschöpfen mit eigenen Traditionen verbunden. Dem Wasser werden heilende, belebende und reinigende Kräfte zugeschrieben.

Auch in Blender gehen einige Einwohner noch diesem Brauch nach, berichtet Gerd Grieme aus Blender-Seestedt. Er selbst hat zuletzt vor sieben Jahren Wasser aus dem großen Graben hinter seinem Haus geschöpft.

Und es steht noch was im Keller. Da ist sich Resi Grieme ganz sicher. „Wir schauen einfach mal“, sagt sie und öffnet die Tür, die nach unten führt. Luke auf und über fünf Treppenstufen geht es hinab in das Gewölbe des Vorratsraums der Griemes. Dort hinter einigen Flaschen und leeren Einmachgläsern steht ein weißer Plastikeimer mit einem Deckel drauf. „Hol den mal her, Gerd“, fordert Resi ihren Mann auf.

Welche Brühe da wohl zutage tritt? Keine Brühe, ganz im Gegenteil. Als Resi Grieme den Deckel abnimmt, sehen die Betrachter glasklares Wasser. „Komm, wir gehen nach oben. Ich probiere es mal“, sagt die Blenderaner Dame. Ganz glauben mag man daran ja nicht, aber sei’s drum. Aus der Küche werden eine Kelle und ein kleines Glas geholt. „Na, denn Prost.“ Resi riecht an dem Wasser und nimmt einen kräftigen Schluck. „Willst auch?“, fragt sie den Reporter. „Nö, nö.“ Resi Grieme lässt nicht locker und ein kräftiger Schluck landet im Magen des Berichterstatters.

Ganz normales Wasser. Schon komisch. Sieben Jahre nachdem es einem Graben entnommen wurde. Es hat geschmeckt wie Wasser eben schmeckt.

Jetzt ist das Interesse geweckt, wo die Flüssigkeit herkommt. Das Osterwasser gilt als ein Symbol der Schöpfung. Wasser allgemein stand im heidnischen Weltverständnis für Leben und Fruchtbarkeit. Diese Glaubensvorstellungen sind teilweise ins Christentum übernommen worden. Die meisten deutschen Bräuche rund um das Osterwasser gingen somit auf vorchristliche Traditionen zurück, erläutert der Blenderaner, als sie die Wiese in Begleitung eines Entenpärchens durchläuft.

Die Annahme, dass Osterwasser heilend wirkt, mündete zum Beispiel in der Tradition, Vieh am Ostermorgen in einen Bach zu treiben, um es vor Krankheiten zu schützen. Alternativ bespritzte man Vieh, aber auch Menschen mit Osterwasser. Es gab außerdem die Vorstellung, dass man jung und schön bleibt, wenn man sich am Ostermorgen im fließenden Bach wäscht.

Das mit der heilenden Wirkung kennt Gerd Grieme aus der eigenen Familie. „Mein Opa hatte damals Krätze. Nichts half, bis das Osterwasser zum Einsatz kam“, berichtet er von Eindrücken aus seiner Jugendzeit.

„Wichtig ist es, dass man beim Holen des Osterwassers nicht gesehen wird, damit die besondere Wirkung nicht verloren geht. Auch darf man nicht sprechen“, zählt Grieme wichtige Regeln auf.

Heute noch wird das Wasser in der Familie Grieme genutzt, wenn jemand zum Beispiel einen Hautausschlag hat.

Vor ihm liegt der Graben, der ordentlich Wasser führt. Das soll man trinken können und es soll eine heilende Wirkung haben. Dran glauben muss man schon. Der Magen des Verfassers hat sich jedenfalls noch nicht gemeldet.

Grieme führt vor, wie er am Ostersonntagmorgen das Wasser schöpft. Er stellt sich auf den kleinen Steg, den die Enkelkinder über den Graben gelegt haben. „Das Wasser muss gegen den Strom geschöpft werden“, betont er. Das sei eigentlich alles.

Die Griemes werden ihren Vorrat an Osterwasser jedenfalls in der kommenden Nacht auffüllen. Und dann soll das Getränk wieder für sieben Jahre im Keller verbleiben.

Resi Grieme füllt Wasser aus dem Eimer
Resi Grieme füllt Wasser aus dem Eimer, das vor sieben Jahren aus dem See geholt worden war. © Albrecht

Auch interessant

Kommentare