Gestern Thedinghauser Bauernkör mit interessanten Redebeiträgen

Die Bürokratie nervt alle

Eine Bauernkör ohne die leckeren Hedewigs geht gar nicht, von links: Landrat Peter Bohlmann, Referent Klaus-Dieter Schneider, Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse, Vorsteher Günter Esdorn und der Thedinghauser Bürgermeister Thomas Metz. Foto: albrecht

Thedinghausen - Die Bürgerei war für wenige Jahrzehnte bis 1908 ein selbstständiges Dorf, das letztlich in der heutigen Gemeinde Thedinghausen aufgegangen ist. Eine alte Tradition hat sich in diesem kleinen Fleckchen Erde aber gehalten. Die Bauernkör.

Gestern, am Fastnachtsdonnerstag, war es wieder soweit. In Littas Bauerndiele trafen sich Mitglieder der Bauernkör (Bewohner bestimmter Hofstellen/Häuser in der Bürgerei) und viele Ehrengäste. Früher wurde bei derartigen Treffen alles mögliche besprochen und beschlossen, bis hin zu einer kleinen Gerichtsbarkeit. Heute ist diese Zusammenkunft nur noch Traditionspflege. Und zum Brauchtum gehören unverzichtbar die Hedewigs (Rosinenbrötchen), die eigens für diese Veranstaltung in großer Zahl vom örtlichen Bäcker gebacken werden.

Wenngleich Bier und Kurze, anders als in alten Zeiten, zumindest beim morgendlichen Teil keine große Rolle mehr spielen, so gibt es dennoch Interessantes zu erfahren. Zwar geht es nicht mehr um Weiderechte oder Ähnliches, sondern ein Referent präsentiert allerlei Wissenswertes. Diesmal hatte Bauernkör-Vorsteher Günter Esdorn als „Büttenredner“ Klaus-Dieter Schneider eingeladen. Der Thedinghauser Archivar hatte die Aufzeichnungen von Prof. Wentzlaff-Eggebert im Gepäck, der mittlerweile hochbetagt in Jena lebt, dessen Vorfahren aber aus Thedinghausen stammen oder einen Bezug zu diesem Ort an der Eyter haben. So war sein Vorfahr Ernst Wiehe in den Jahren 1867 bis 1870 Erbauer der Thedinghauser Kirche.

Der notierte seinerzeit seine Eindrücke und befand, dass der Ort völlig abgeschieden von der restlichen Welt liege und angesichts vieler Hochwasser oftmals nur mit einem Kahn zu erreichen sei. Referent Schneider gelang immer wieder ein Brückenschlag in die heutige Zeit. So erfuhren die meisten Besucher erstmals, dass ein Wiehe-Schwiegersohn, ein Herr Fetterlein, Mitte des 19 Jahrhunderts im heute noch existierenden Gebäude des „Kleinen Café“ wohnte. Kleine Anekdoten, so vom Kampf der Pastoren gegen die Kirchenschläferei, rundeten den Vortrag ab.

Landrat Peter Bohlmann fand die alte Tradition der Bauernkör einfach schön, um dann hinzuzufügen: „Die Selbstverwaltung, wie sie früher vor Ort praktiziert wurde, hatte durchaus etwas für sich. Dagegen gibt es heute jede Menge, mitunter zuviel, Regelungen, Vorschriften und Bürokratie - vorgegeben aus Hannover, Berlin oder Brüssel.“ Wobei Bohlmann durchaus eine Lanze für Europa brach. „Bei der EU arbeiten zusammen nicht mehr Beamte als in zwei deutschen Großstädten.“

Bohlmann nahm auch den Bürger in die Pflicht. „Viele laufen zum Rechtsanwalt und zum Gericht, wenn ihnen beim Nachbarn etwas nicht passt - anstatt erst einmal das Gespräch zu suchen. Auch so etwas belastet die Behörden.“

Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse führte ergänzend aus: „Wir schütteln im Rathaus manchmal den Kopf, was es alles an Vorschriften gibt. Auf Platt ließ er wissen: „De Brandschutz deid us böse kniepen.“ Gleichzeitig brach er eine Lanze für das Niederdeutsche: „Platt zu sprechen hat auch etwas mit der Verbundenheit zur Heimat zu tun.“

Viel Wissenswertes über seine Person und seine berufliche Laufbahn steuerte schließlich der neue Gendarm Bernd Junker bei, der seinen Wechsel in die Thedinghauser Polizeiwache (statt nach Oyten) so begründete. „Rein statistisch ist hier die Welt noch in Ordnung.“

Ihren Abschluss fand die Bauernkör gestern Abend mit dem traditionellen Fipsen, ein einfaches, uraltes Kartenspiel - dieses Jahr im Hause Hagen Röpke am Allerweg.  sp

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