18-Jähriger manipuliert Gasleitung

Vor 20 Jahren: Hotel-Explosion in Thedinghausen reißt Menschen in den Tod

Der Braunschweiger Hof am Morgen nach der Explosion. Außer dem Hotel wurde auch ein großer Teil des Zentrums stark in Mitleidenschaft gezogen.
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Der Braunschweiger Hof am Morgen nach der Explosion. Außer dem Hotel wurde auch ein großer Teil des Zentrums stark in Mitleidenschaft gezogen.

Genau 20 Jahre ist es her, dass sich in Thedinghausen ein verheerendes Unglück ereignete. Am Montag, 24. Juli 2000, um 4.24 Uhr erschütterte eine gewaltige Gasexplosion die nächtliche Ruhe.

  • Vor 20 Jahren explodierte das Hotel Braunschweiger Hof in Thedinghausen
  • Drei Menschen starben bei der heftigen Gasexplosion
  • Die Explosion wurde vorsätzlich herbeigeführt

Thedinghausen - Das ehemalige Hotel Braunschweiger Hof, mitten im Zentrum von Thedinghausen gelegen, wurde nahezu komplett auseinandergerissen. Die Druckwelle riss zudem zahlreiche Mauern von Nachbargebäuden, überwiegend Geschäftshäuser, ein. Dächer wurden abgedeckt, Schaufenster gingen zu Bruch, Türen und Garagentore wurden eingedrückt und Gewächshäuser pulverisiert. Noch in mehreren Kilometern Entfernung ließ die Explosion die Fensterscheiben klirren, noch in einem Kilometer Entfernung barsten Scheiben.

Anschlag in Thedinghausen: Drei Menschen sterben bei Explosion

Viel schlimmer als der beträchtliche Sachschaden war, dass auch Menschenleben zu beklagen waren. Im Laufe des Tages barg die Feuerwehr die Leichen eines 71 und 65 Jahre alten Ehepaars aus Brilon im Sauerland aus den Trümmern. Zuvor hatten sie schon einen Mann aus der Schweiz tot aufgefunden. Seine 63 Jahre alte Frau wurde schwer verletzt gerettet. Die beiden anderen Gäste in dem Hotel, ein damals 50 und 51 Jahre altes Ehepaar aus Frankfurt/Main, überlebten das Unglück unverletzt.

Die Suche nach Überlebenden wurde dadurch erschwert, dass weitere Gebäudeteile einzustürzen drohten. Ein Bagger riss sie ein, um die Gefahr für die Retter zu beseitigen. Zeitweise kam auch eine Suchhundestaffel zum Einsatz.

Tödliche Explosion in Thedinghausen war Vorsatz

Nach umfangreichen Ermittlungen der Kriminalpolizei stand eine Woche nach dem Unglück fest, dass es sich nicht um eine „normale“ Gasexplosion gehandelt hatte, sondern dass die Gasleitung im Keller des Gebäudekomplexes geöffnet und manipuliert worden war.

Der Braunschweiger Hof firmierte damals unter dem Namen „Mythos Palace“. Neben dem Hotel betrieb der griechische Eigentümer ein Restaurant (griechisch-italienisch) und versuchte zudem, über einen Table-Dance-Club neue Kunden zu akquirieren. Zum Zeitpunkt des Unglücks beherbergte das 14-Zimmer-Hotel sechs Gäste.

Unmittelbar nach dem Unglück nahmen unter anderem Spezialisten des Bundeskriminalamtes die Ermittlungen auf. Schnell stellte sich heraus, dass die Explosion vorsätzlich herbeigeführt worden war. Die Sonderkommission Ikarus (benannt nach dem Namen der Table-Dance-Bar) wurde gegründet. Die Staatsanwaltschaft lobte eine Belohnung von 30 000 Euro für die Ergreifung der Täter aus.

Braunschweiger Hof Thedinghausen: Versicherungsbetrug als Motiv

Der Durchbruch kam Mitte Oktober. Nach umfangreichen Ermittlungen wurden der damals 45 Jahre alte Inhaber sowie ein 18-jähriger staatenloser Küchenhelfer verhaftet. Der junge Mann hatte im Auftrag seines Chefs die Hauptgasleitung manipuliert, wobei sich der Auftraggeber zum Zeitpunkt der Explosion in seiner Heimat Griechenland aufhielt. Tatmotiv war ein geplanter Versicherungsbetrug.

Knapp zwei Jahre nach der Explosion verurteilte das Landgericht Verden den Wirt wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft. Zudem wurde die Schwere der Schuld festgestellt, was eine vorzeitige Haftentlassung ausschloss. Der Küchengehilfe erhielt sechs Jahre Jugendstrafe. Die 3. Große Strafkammer sah es nach mehr als 40 Verhandlungstagen als erwiesen an, dass der völlig überschuldete Wirt aus Habgier seinen Angestellten angestiftet und den Tod von Gästen billigend in Kauf genommen habe. Ihm wurden zudem auch versuchter Mord in drei Fällen, Brandstiftung und Anstiftung zu diesen Taten zur Last gelegt.

Explosion in Thedinghausen: Verurteilter Wirt nicht mehr in Haft

Die beiden Angeklagten bestritten die Tat, sodass sich das Gericht ausschließlich auf Indizien stützte. Im September 2003 verwarf der Bundesgerichtshof die Revisionsanträge. Der verurteilte Wirt befindet sich nicht mehr in Haft. Im Oktober 2018 wurde die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt.  sp

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