Fachplaner Sandrock gibt Rat ernüchternden Sachstandsbericht zu Sanierungsvorhaben

Blender See: Keine guten Nachrichten

Stefan Sandrock erläutert dem Gemeinderat den aktuellen Sachstand zum See
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Stefan Sandrock (Bioplan) erläutert dem Blender Gemeinderat den aktuellen Sachstand zum See.

Blender – Nach Fachvorträgen in einer Ratssitzung quittieren die Ratsmitglieder das Gehörte meist mit Tischklopfen oder Applaus. Doch Finger und Hände des Blender Gremiums blieben am Dienstagabend in der Gemeinschaftssportanlage in Intschede stumm, als Dr. Stefan Sandrock aus Nienhagen bei Rostock seinen Sachstandsbericht zum Thema Sanierung des Blender Sees beendet hatte.

Nicht weil die Damen und Herren des Gemeinderats besonders unhöflich sind, sondern weil ihnen das soeben Gehörte die Sprache verschlagen hatte. Und das führte unmittelbar zu allgemeiner Regungslosigkeit.

Denn vieles von dem, was Lokalpolitik und Verwaltung eigentlich auf Grundlage der Expertise des Instituts für angewandte Biologie und Landschaftsplanung aus Meck-Pomm anschieben wollten, um den See zu sanieren, funktioniert so nicht oder nur anders oder es würde sehr teuer, wenn man es wie gedacht durchzöge. Dabei hatte Sandrock aber auch Alternativen im Gepäck.

So war angedacht eine mehr als 750 Meter lange Dränageleitung am Westufer zu verlegen. Das hat sich angesichts der Grundstücksgegebenheiten aber als zu aufwendig erwiesen. Alternativ sollten laut Sandrock 22 Pegel gesetzt werden, um die Schwerpunkte des den See sehr belastenden Phosphoreintrags über das Grundwasser genauer zu lokalisieren. Im Anschluss sollten mit einem Minibagger Schlitze ausgekoffert werden, in die granuliertes Eisenhydroxid zur Bindung des Phosphors gestreut würde.

Von der Spundwand für den Zulauf aus Varste mussten sich die Ratsleute ganz verabschieden. Das ebenfalls nährstoffhaltige Wasser würde einen Weg um die Spundwand herum finden, hatte Sandrock von der Unteren Wasserbehörde aus Verden erfahren. Seine Idee: Lieber den Wasserstand um 15 Zentimeter anheben, um den Grundwasserzustrom zu minimieren. Ungeklärt sei aber dann, welche Auswirkungen eine solche Anhebung auf die umliegenden Bäume und die intensiv genutzten Wiesen hätte.

Die Entschlammung des Sees funktioniert auch nicht wie geplant, indem man den Schlamm neben den See auf den Acker kippt und trocknen lässt. Dagegen spricht laut Auskunft des Landkreises, dass diese Spülfelder recht hoch umwallt werden müssten, der Ackerboden zuvor abgetragen werden müsste und verhindert werden müsste, dass Wasser mit seinen Nährstoffen wieder zurück in den See fließt. Der Landkreis empfiehlt aufwendigere Schlammentwässerungsverfahren durch Fachfirmen. Dies alles würde die Ausbaggerung des Schlamms nebst Entsorgung von zurzeit geplanten knapp 350 000 Euro verdrei- oder gar vervierfachen, rechnete Stefan Sandrock vor. Eine Alternative wäre, das Ackerland zu erwerben und den Schlamm darauf zu belassen, um dort einen Wald wachsen zu lassen. Doch Ackerland sei teuer und überhaupt müssten die Landwirte damit einverstanden sein.

Von der ins Auge gefassten Stauung des Blender Hauptgrabens und Umleitung in den See riet Biologe Sandrock ebenfalls ab. Man würde sich damit nur jede Menge zusätzlichen Nährstoffeintrag in den See einhandeln.

Neu gegenüber der Machbarkeitsstudie von 2017/18, auf dessen Grundlage die Planung zur Sanierung erfolgte, und zusätzliche Kosten verursacht darüber hinaus eine jährliche Wasserpflanzenentnahme. Damals hätte es bis auf Seerosen noch nicht diese Vielzahl an Pflanzen gegeben. Hintergrund: Blender Bürger fischen nicht im Trüben, sondern entnehmen inzwischen jährlich das Gemeinde Hornblatt aus dem See.

Nach dem eingangs skizzierten großen Schweigen fand als erster Bürgermeister Andreas Meyer seine Fassung wieder: „Gute Nachrichten hören sich anders an“, brachte er seine Enttäuschung auf den Punkt. Und er sei ratlos, wie es weitergehe.

Sandrock sagte, er habe schon einmal mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gesprochen. Das ist der Fördermittelgeber (erhofft werden 90 Prozent der Kosten) für das Sanierungsprojekt. Erste Signale seien positiv, was die von Bioplan angedachten Alternativvorschläge anbelangt. Dann sind laut Bauamtsleiter Frank Bielefeld entsprechende Änderungsanträge zu stellen.

Die große Unbekannte sei der Aspekt der Entschlammung, bilanzierte Gemeindedirektor Harald Hesse. Wenn die eine Million Euro koste, verblieben bei der Gemeinde immer noch 100 000 Euro.

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