Neuer Vorsitzender will Neubürger gewinnen

Bauernkör: Horst Wendt übergibt an Günter Esdorn

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Wie angekündigt, gab Horst Wendt (rechts) sein Amt als Bauernkör-Vorsitzender nach fünf Jahren an jemand anderen weiter. Günter Esdorn übernimmt es. Sein Vorgänger gratulierte und wünschte alles Gute.

Thedinghausen - Per Handschlag wurde jetzt Günter Esdorn auf dem alljährlichen Planungstreffen des Thedinghauser Bauernkör-Vereins als dessen neuer Vorsitzender ernannt. Esdorn tritt die Nachfolge von Horst Wendt an, der nicht wieder kandidierte. Dies hatte er seinerzeit schon angekündigt, als er vor fünf Jahren das Amt von seinem Vorgänger Andreas Wilkens übernommen hatte.

Es waren nur ein paar Anwohner der sogenannten „Bürgerei“ zu dieser Zusammenkunft in „Littas Bauerndiele“ gekommen. Dabei wird jeweils die traditionelle Bauernkör-Veranstaltung in der Fastnachtswoche im Februar vorbesprochen.

Die Bedeutung, die die Bauernkör einmal hatte, gibt es zwar längst nicht mehr. Trotzdem möchte man die Jahrhunderte lange Tradition fortsetzen.

Aber das Interesse vor allem der Neubürger, die in die Bürgerei gezogen sind, oder auch das der Nachkommen der Alteingesessenen hält sich bisher leider in Grenzen.

„Das möchten wir ein bisschen ändern. Wir werden die Anwohner nicht nur einladen, sondern auch ansprechen, doch mit dabei zu sein“, kündigte der neue Vorsitzende Günter Esdorn bereits an.

Der alte Ortsteil Bürgerei war Kernzelle des Marktfleckens Thedinghausen. Die Bürgerei ist ein sogenanntes Haufendorf. Auf alten Landkarten erkennt man, wie sich die Höfe auf engstem Raum hinter dem schützenden Weserdeich aneinander reihten.

Zwar weiß man, wo die Bürgerei liegt, man weiß auch, welche Häuser zur Bürgerei gehörten, aber eine Ortschaft mit festen Grenzen ist die Bürgerei nie gewesen. Diese Besonderheit hängt mit der Zugehörigkeit zur Markgenossenschaft Thedinghausen zusammen.

Die Verwaltung der gemeinsamen Angelegenheiten, die Weide- und Feldbestellung, die Bestellung der Hirten und die Unterhaltung der Schulen oblag der Bauernkör, die alljährlich am Donnerstag vor Fastnacht auf dem Bauernbrink zusammentrat und sich aus den Besitzern der Höfe und Kötnerhöfe zusammensetzte.

Auf der Bauernkör wurden der Bauernmeister bestimmt und vereidigt, neue Hauswirte als Mitglieder aufgenommen und auch ein Richter gewählt, der mit Handschlag und Eid geloben musste, nach bestem Wissen und Gewissen und nach den hergebrachten Gewohnheiten der Bauernkör zu „hägen“, wie es damals hieß.

Am 8. Februar ist es wieder soweit

Jedes Mitglied der Bauernkör war verpflichtet, alles, was der Bauernschaft oder jedem Einzelnem zum Nachteil geschah und von ihm bemerkt wurde, „getreulich zur Bestrafung nach Bauernrecht“ anzuzeigen. Die Strafen waren meist geringe Geldbußen, die sogenannten Wrogen.

Mit Einführung in die Selbstverwaltung war eigentlich die Bauernkör ihrer Bedeutung enthoben. Was bis heute blieb, ist die Erinnerung. „Und die soll auch künftig bewahrt werden“, betont Günter Esdorn.

Am Donnerstag vor Fastnacht gibt es daher wieder das traditionelle Treffen – in diesem Jahr am 8. Februar um 10 Uhr in „Littas Bauerndiele“.

Dann setzt man sich mit einer Reihe geladener Gäste zusammen und spricht über Ereignisse des Tages und über die Vergangenheit. Es gibt während des Treffens einen Film über Thedinghausen aus dem Jahr 1981, den Mitglied Gerd Schröder präsentiert und dazu den geschichtlichen Hintergrund erläutert.

Es wird getrunken, und dazu lassen sich dann alle die frischen Hedewigs – Rosinenbrötchen – schmecken.

Der Nachmittag und der Abend gehören dem Fipsen, einem schlichten Kartenspiel, das nur hier in der Bürgerei gespielt wird. Es geht auch dabei wieder um Hedewigs. Gefipst wird dieses Mal direkt im Hause Esdorn beim neuen Bauernkör-Vorsitzenden. 

ha

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