Die Lücken und Fragen bleiben

Bürgerinitiative „Aktiver Lärmschutz Bassen“ löst sich nach 14 Jahren Kampf auf

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Der damalige harte Kern der Bürgerinitiative „Aktiver Lärmschutz Bassen“ – (v.li.) Prof. Dr.-Ing. Uwe Bracht, Dipl.-Ing. Udo Tennigkeit, Angelika Horstmann, Manfred Schriefer, Manfred Schimpff und Reinhard Brunkhorst – war zuletzt 2015 bitter enttäuscht von den Lärmmessungen an der Autobahn A1 in der Ortslage Bassen. Jetzt ist Schluss – die Bürgerinitiative hat sich aufgelöst. 

Bassen - Von Petra Holthusen. „Warum diese Lücken in der Lärmschutzwand gelassen wurden, erschließt sich uns einfach nicht.“ Heute ebenso wenig wie vor 14 Jahren, als die Bürgerinitiative „Aktiver Lärmschutz Bassen“ um Sprecher Manfred Schimpff den Kampf aufnahm gegen die aus ihrer Sicht fehlerhafte verkehrsbehördliche Planung zum sechsspurigen A 1-Ausbau.

Bis vors Oberverwaltungsgericht Lüneburg zogen die Bassener mit der Forderung, in ihrer Ortslage die zwei großen Lücken in der neuen Lärmschutzwand zu schließen – alles vergebens. Mit der Auflösung ihrer Bürgerinitiative erklären die Akteure den Feldzug gegen die Behörden jetzt auch offiziell für beendet.

„Über die Antworten aus den Ämtern könnte man ein Buch schreiben“, sagt Schimpff, „aber jetzt ist Schluss.“ Aufgelöst hat sich die Lärmschutz-Initiative dort, wo sie mit viel Zuspruch autobahnlärmgeplagter Einwohner 2004 gegründet wurde: im Bassener Gasthaus Segelken.

Bis zuletzt hatten Schimpff & Co. noch Anfragen im Niedersächsischen Landtag gestellt, die sich auf die Lärmmessungen Mitte 2014 bezogen. In dem Sommer hatten – angeordnet vom damaligen niedersächsischen Verkehrsminister Olaf Lies – erstmalige tatsächliche Messungen des Lärms an der A1 in Bassen stattgefunden. Aber zur bitteren Enttäuschung der Bürgerinitiative hatten die gemessenen Werte die zuvor für die Lärmschutzplanung nur errechneten Emissionswerte bestätigt – und damit die Auffassung der Landesstraßenbaubehörde, dass die Bassener nicht mit Autobahnlärm jenseits der Grenzwerte traktiert würden und demzufolge der gebaute Lärmschutz ausreichend sei. Das sehen Siedlungsbewohner bis heute anders. Die Bürgerinitiative hatte den Messbericht als „Nonsens“ bezeichnet und ganz massiv an den zu Grunde gelegten Winddaten gezweifelt: „Im Zeitraum der Messungen hat es keinen einzigen Mitwindtag nach den Kriterien der Lärmschutzrichtlinie gegeben.“ Ihr Vorwurf, die angegebenen Mitwindzeiten entsprächen nicht der Wahrheit, verhallte jedoch ebenso erfolglos wie in all den Jahren zuvor die vielen Gesuche bei Bundes- und Landespolitikern, der Schriftverkehr mit Behörden, öffentlichkeitswirksame Aktionen, eigene Gutachten und Klageverfahren vor Gericht.

Im Ansatz gescheitert war auch die offenbar hinter den Kulissen verfolgte Idee, die Gemeinde Oyten selbst könne die Lärmschutzlücken an der A 1 in Bassen durch eigene Wallaufschüttungen ausgleichen: Zum einen gab es Schwierigkeiten mit den dafür benötigten Grundstücken, zum anderen wären die finanziellen Dimensionen happig gewesen, so heißt es.

„Enttäuscht wurden und sind wir über die Verantwortlichen unserer Gemeinde“ aber in anderer Hinsicht, so Schimpff – denn „von Anbeginn der Planungen für den Neubau der A 1 hätte man die Lücken vor unserer Haustür verhindern können und müssen.“ Auch deshalb sollten nach dem Willen der Auflösungsversammlung der Bürgerinitiative die verbliebenen 1600 Euro von den Geldern, die Bürger für Rechtsbeistand und Klageverfahren der Lärmschutz-Kämpfer gespendet hatten, nicht an eine der Gemeinde zugeordneten Einrichtung weitergespendet werden. Einstimmig beschloss die Versammlung, die 1600 Euro der Bassener Tafel zukommen zu lassen, was inzwischen geschehen ist.

Was bleibt, ist laut Schimpff der rollgeräuschdämpfende offenporige Flüsterasphalt, „den wir anstatt der von uns geforderten geschlossenen Lärmschutzwand ,geschenkt' bekamen“ – den die Bürgerinitiative allerdings immer als lärmschutzuntauglich und unfallträchtig abgelehnt hatte. Und „wir haben in unserem Lebensraum auf jeden Fall für eine größere Sensibilität für Lärmschutz gesorgt“.

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