Federvieh-Züchter beklagen sich

Thedinghausen: Aufstallung trifft Halter und Tiere

Landwirt und Hühnerzüchter Torben Peters klagt über Aufstallungspflicht
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Sorgenvoll blickt Landwirt Torben Peters in die Zukunft. Er hofft, dass die Aufstallungspflicht wegen der Vogelgrippe bald endet.

Lunsen – Gegen die vom Menschen verhängte Aufstallung von Geflügel können sich die gefiederten Zweibeiner nicht wehren. Züchter und Halter von Federvieh beklagen sich.

Weil im Landkreis Verden eine mit der Geflügelpest (Vogelgrippe) infizierte Wildente gefunden wurde, muss laut behördlicher Anordnung sämtliches Geflügel im Stall bleiben. Also muss der Mensch dafür sorgen, dass es dem Federvieh gut geht und es einigermaßen mit den verordneten Umständen leben kann.

Die Hühner, die sonst Auslauf gewohnt sind, bleiben derzeit eingesperrt.

„Für Wassergeflügel, das an den Auslauf und Bademöglichkeiten gewöhnt ist, ist es eine Qual, drinnen bleiben zu müssen. Wir haben für Ernie und Ilvie, unser Emdener Gänsepaar zwei Partyzelte aufgestellt“, erzählt Martina Weiß aus Wulmstorf, die mit Andreas von Hollen dieses Pärchen hält. „Der Stall für die Gänse wäre für einen längeren Aufenthalt nicht tragbar gewesen. Die Behausung ist ja so konzipiert, dass sie nur als Unterkunft für die Nacht dient, damit Fuchs, Marder & Co. kein Unheil anrichten. Mit den beiden Partyzelten, quasi die geforderte Überdachung von oben, gegen eventuelles Eindringen von Zugvögeln, ist den geforderten Vorschriften genüge getan. Außerdem können wir Stall und Gehege notfalls umstellen“, sagt Andreas von Hollen. Er macht sich trotzdem Sorgen, denn auch seine Hühner müssen im Stall bleiben. Er erzählt: „Bei einer Reduzierung des Bestandes auf lediglich die Tiere, die für nächstes Jahr den Zuchtstamm seiner Orpington-Hühner bilden sollen, ist dies über ein paar Wochen möglich. Der natürliche Drang, draußen zu scharren und ein Sandbad für die tägliche Hygiene zu nehmen, entfällt aber.“

Ähnlich ergeht es dem Rassegeflügelzuchtverein Thedinghausen mit seiner öffentlich zugänglichen Geflügelanlage. Eine unangekündigte Überprüfung des Veterinäramtes aus Verden hatte keine Verstöße festgestellt. Das Wasserziergeflügel darf wegen der Netzüberdeckung draußen bleiben, teilt Vorsitzender Günter Stubbe mit.

Auch die Legeleistung der Hennen ist geringer geworden.

Auslauf kann momentan Landwirt Torben Peters aus Lunsen seinen über 1 000 Legehühnern nicht bieten. Die Hühnerschar ist aufgeteilt auf drei Hühnermobile, die nicht auf der grünen Wiese stehen, sondern nun eng nebeneinander auf einer betonierten Fläche hinter den Viehstallungen.

„Die Aufstallung des Geflügels besteht ja auf der Grundlage einer Risikobewertung zur Vermeidung der Einschleppung oder Verschleppung der Geflügelpest“, sagt Torben Peters, der auf eine aufwendige Vorrichtung und Abdeckung des Auslaufs im Außenbereich nach oben gegen Einträge und auf eine gesicherte Seitenbegrenzung gegen das Eindringen von Wildvögeln verzichtet.

Zum Hintergrund: Vor einigen Jahren im Winter 2016/2017 hatte er damit schlechte Erfahrungen gesammelt. „Der riesige Aufwand und die schnelle Verdreckung hat uns vor allem aus hygienischen Gründen dazu veranlasst, die Hühner diesmal in ihren Mobilen zu lassen“, erzählt der Lunser.

Auf Beton stehen im Moment die mobilen Ställe der Hühne.

„Wer mit Geflügelpest nichts zu tun hat, der wundert sich vielleicht als Vorbeifahrender an der L 156 in Lunsen oder als unser Kunde, dass keine Hühner mehr auf den großen Wiesen ihren freien Auslauf genießen.“ Für seine Hühner muss er sich jetzt Beschäftigungsmöglichkeiten einfallen lassen. Bei einem Blick in ein Hühnermobil hört man munteres Gegacker. Dicht an dicht sitzen oder stehen dort die Leghühner. Der untere sogenannte Scharrbereich des Mobils ist jetzt mit einer dicken zusätzlichen Schicht Rindenmulch ausgelegt. Jeden dritten Tag schüttet Peters säckeweise Karotten in den Bereich. „Damit die Hühner picken können“, erklärt der Landwirt diesen Beschäftigungsersatz. Doch schon nach rund zwei Tagen ist von Möhren nichts mehr zu sehen. „Dann können Hühner noch nach den Resten scharren, bevor die nächste Ladung kommt“.

Als sehr aufwendig und mit zusätzlichen Kosten verbunden bezeichnet es der Landwirt, zumal die Möhren eigentlich nur in Kombination mit Öl von den Hühnern richtig verwertet werden können. Die Aufstallung zieht außerdem noch die Abnahme der Legeleistung mit sich. Wie wohl und wie fit ein Huhn sich fühlt, kann der Halter und Züchter am besten an der orange-roten Augenfarbe erkennen. Auch der Zustand des Gefieders lässt Schlüsse auf das Wohlergehen der Hühner zu. In einem Hühnermobil der Peters sind schon erste Federlücken zu erkennen. Ein Hinweis auf Federpicken. „Wird das Picken schlimmer oder es gibt sogar Kannibalismus, muss ich mich früher als geplant schon vor Februar von dieser Herde trennen“, sagt Peters und hofft, dass alles gut geht. Verkaufen darf der Hof Peters die Eier als sogenannte Freilandeier mit einer Frist bis zu zwölf Wochen nach der Aufstallung. Das läuft noch, auch über den eigenen Hofladen. „Wenn die Hühner länger aufgestallt bleiben, haben wir auch da Einbußen zu erwarten.“ Zu allem Überfluss ist auch noch sein Hofcafé coronabedingt geschlossen. Er hofft, dass die Verordnung nicht über den 31. Januar hinaus gilt.

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