Nächsten Mittwoch öffentliche Führung

Archäologischer Sensationsfund in Holtorf

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So ähnlich könnte es ganz früher einmal ausgesehen haben.

Thedinghausen - Das hatte kaum jemand vermutet und kann durchaus als kleine Sensation gewertet werden. Der Hobbyarchäologe Gerald Neumann aus Grasberg entdeckte bei einem seiner Streifzüge durch die Region im Bereich Holtorf alte Scherben im Boden.

Neumann wusste die Fundstücke richtig einzuordnen und setzte damit eine Großaktion in Gang. Er war nämlich auf die Überreste einer alten germanischen Siedlung gestoßen, mit der sich derzeit Fachleute des niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung beschäftigen. 

„Details können wir noch nicht verkünden. Aber soviel steht fest: Hier war in den Jahrhunderten kurz nach Christi Geburt einmal ein kleines Dorf oder eine größere Hofstelle“, erläutert Projektleiterin Annette Siegmüller. Die Archäologin verweist in diesem Zusammenhang auf zahlreiche Fundstücke. So seien bereits Scherben von alten Gefäßen in Hülle und Fülle eingesammelt worden. „An einigen Scherben haften noch verhärtete Speisereste. Das lässt unter Umständen Rückschlüsse auf die Ernährung in dieser Zeit zu.“

Fundstücke aus Bronze und Eisen

Die alten Germanen in dieser Region scheinen durchaus entwickelt gewesen sein. Darauf deuten auch Fundstücke aus Bronze und Werkzeuge aus Eisen hin. Die Schlacke lässt vermuten, dass vor Ort sogar Eisen-Verhüttung stattgefunden hat. „Das wäre wirklich ein Kracher“, meint Kreis-Archäologin Dr. Jutta Precht. 

Die abgetragene Erde wird feinsäuberlich durchgesiebt.

Verschiedene Gefäß-Fragmente weisen Verzierungen auf. Auch Glasschlacken wurden bereits entdeckt. Andere Stücke können konkret Werkzeugen zugeordnet werden, beispielsweise eine Handmühle aus Basalt-Stein oder das eiserne Gegengewicht für einen frühgeschichtlichen Webstuhl. Was der Laie für ein Loch im Boden hält, wurde von den Fachleuten als alter Brunnen erkannt.

„Alles in allem kann man sagen, dass hier nicht nur Bauern, sondern auch Handwerker ansässig waren“, erklärt Imke Brand, eine weitere mit den Ausgrabungen und Erforschungen betraute Archäologin.

Untersucht wird übrigens nur ein kleiner Ausschnitt von rund 500 Quadratmetern in einem mehrere Hektar großen Sektor, der ziemlich rege besiedelt gewesen sein dürfte. Aus der Analyse dieses Teilstücks soll dann die ganze Siedlung so weit wie möglich rekonstruiert werden.

Millimeter für Millimeter durchkämmen die Mitarbeiter des historischen Forschungsinstitutes den Boden auf dem Ausgrabungsfeld nach Fundstücken.

Bei der Freilegung der Fundstücke – die meisten liegen rund einen halben Meter unter der Erde – wird akribisch vorgegangen. Quadratmeter für Quadratmeter wird per Hand, oftmals nur mithilfe einer Art Maurerkelle, abgesucht. Das abgetragene Erdreich wird gesiebt und auf historische Hinterlassenschaften untersucht. Größe Teile fallen sofort ins Auge und werden vorsichtig freigelegt.

Bei den Arbeiten kommt modernste Geo-Messtechnik inklusive digitaler Erfassung zum Einsatz.

Ein Sonderlob von den drei Archäologie-Damen erhält Matthias Röpke aus Morsum. Ihm gehört nämlich der Acker, auf dem eigentlich Mais wachsen sollte und der jetzt stattdessen feinsäuberlich zerlegt wird. „Wir sind auf die Mithilfe und die Genehmigung der Landwirte angewiesen“, stellt Jutta Precht fest. „Ohne eine Zustimmung dürften wir gar nicht graben.“ Landwirt Röpke sieht die ganze Sache gelassen. „Ist doch selbstverständlich, dass wir uns einem solchen Forschungsvorhaben nicht in den Weg stellen. Außerdem ist es doch hochinteressant.“

Die Archäologinnen Imke Brandt (links) und Annette Siegmüller (rechts) präsentieren hier zusammen mit Kreisarchäologin Jutta Precht die ersten Fundstücke, die allesamt aus den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt stammen dürften.

Rund vier Wochen werden die Grabungen noch andauern. Danach erfolgt in einem Fachinstitut noch einmal eine gründliche Reinigung der uralten Utensilien und eine aufwändige Analyse. Erst dann gibt es eine abschließende Bestandsaufnahme. Denn natürlich sind noch einige Fragen offen: Wie viele Menschen wohnten dort? Wann und warum hat sich die Siedlung aufgelöst? Welche Rolle spielte der seinerzeitige Weserverlauf (es könnte sogar die Aller gewesen sein) und einiges mehr.

Auch der interessierten Öffentlichkeit soll das Forschungsprojekt in Holtorf (Pepernweg) vorgestellt werden. Gelegenheit zum Blick in die Vergangenheit besteht am kommenden Mittwoch um 15 Uhr im Rahmen einer Führung.

sp

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