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Anke Fahrenholz ist seit 100 Tagen Thedinghauser Samtgemeindebürgermeisterin

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Von: Philipp Köster

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Stressiger, zeitintensiver Job, der „Spaß macht“: Anke Fahrenholz bilanziert ihre ersten Monate als Samtgemeindebürgermeisterin.
Stressiger, zeitintensiver Job, der „Spaß macht“: Anke Fahrenholz bilanziert ihre ersten Monate als Samtgemeindebürgermeisterin. © Köster

Thedinghausen – Der grüne Teppich ist ebenso verschwunden wie die schweren grünen Lederstühle im Stil der 1970er-Jahre und die alten Vorhänge. Auch den schwarzen Leder-Bürostuhl von Vorgänger Harald Hesse hat Anke Fahrenholz auf die andere Seite ihres Schreibtisches gestellt und gegen einen ergonomischeren Chefinsessel eingetauscht. Noch zur Probe.

„Leder ist nicht so meins.“ An den Wänden hängen Bilder von Sylt, Fuerteventura und Usedom und lassen ein bisschen Urlaubsstimmung aufkommen. An die Wand hinter dem kleinen Konferenztisch will die Verwaltungschefin noch ein großes Luftbild von Thedinghausen hängen.

100 Tage ist Anke Fahrenholz jetzt im Amt. Das Büro ist fast fertig eingerichtet. Und sie im Rathaus als Samtgemeindebürgermeisterin angekommen. „Ich fühle mich gut und habe Spaß an der Arbeit“, sagt sie. Auch wenn der Job herausfordernd sei. Die Vielfalt der Themen, in die sie sich reinfuchsen muss, sei immens. Damit zusammen hängt auch ihre Beanspruchung durch die Zugehörigkeit zu den verschiedensten Gremien kraft Amtes: Abwasserzweckverband, niedersächsischer Städtetag, Trinkwasserverband Syker Vorgeest, Hauptverwaltungsbeamten und -beamtinnenrunde, Trinkwasserverband Verden, Kommunalverbund, Baumpark-Stiftung, Bremen-Thedinghäuser Eisenbahn, um die wichtigsten zu nennen. Der Terminkalender ist eigentlich immer randvoll. Die 54-Jährige kommt locker auf eine 60-Stunden-Woche. „Das war mir aber vorher klar.“ Den Samstag nutzt sie oft, um in Ruhe ohne Termine Dinge ab- und sich in Themen einzuarbeiten, wie aktuell die Haushalts-Eckdaten. „Meine Leute wundern sich dann, wenn sie montags früh eine E-Mail vom Samstag in ihrem Postfach haben.“

Hinzu kommen die hausinternen Besprechungen. Neben den Dienstrunden beruft Anke Fahrenholz alle vier Wochen einen Zukunftsworkshop mit ihren Bereichsleitern und -leiterinnen ein, in dem Themen besprochen werden, die umgesetzt werden sollen. Dort ist zum Beispiel zur Sprache gekommen, wie der Empfang am neuen Haupteingang besetzt werden soll und ob es mehr wird als ein reiner Empfang, zum Beispiel eine Art Servicebüro, wo die Bürgerinnen und Bürger schon Formulare bekommen können, um dann nicht mehr durchs Rathaus zu den einzelnen Dienstzimmern laufen zu müssen.

In ihrer fünfeinhalbjährigen Zeit beim Landkreis hat die neue Verwaltungschefin den Digitalisierungsprozess bereits begleitet und auch vollzogen. So soll zum Beispiel die E-Akte kommen. In der Poststelle würden alle eingehenden Schriftstücke gescannt und dann als Datei zu den zuständigen Stellen weitergeleitet. So können zu den Vorgängen Akten ohne Zettelwirtschaft angelegt werden.

Stichwort Digitalisierung: Nachholbedarf hat das Thedinghauser Rathaus Fahrenholz zufolge auch beim Thema Home Office. „Das war hier bisher nicht so gut möglich.“ Ziel sei, mit der Heimarbeit ein Höchstmaß an Verwaltungstätigkeit zu ermöglichen, wenn es – wie in Zeiten der Pandemie mit ihren hohen Inzidenzen – Ausfälle in den kommunalen Einrichtungen gibt. Die frühere Angehörige der niedersächsischen Feuerwehrführungsebene hat einen Notfallplan auf den Weg gebracht, damit die kritischen Bereiche wie Klärwerk, Sozialstation und Standesamt möglichst handlungsfähig bleiben. Warum auch das Standesamt? „Ja, wenn da niemand säße, könnte man die Toten nicht unter die Erde bringen.“

Der Rathausumbau geht in seine letzte Phase. In dieser Woche wurden sanitäre Anlagen ausgetauscht.
Der Rathausumbau geht in seine letzte Phase. In dieser Woche wurden sanitäre Anlagen ausgetauscht. © Köster

Darum könnte von jetzt auf gleich ein Schichtdienstmodell greifen. Und physische Kontakte sollen so gering wie möglich gehalten werden. „Es gibt keine großen Versammlungen mehr. Auch keine Frühstücksrunden bei den Bauhöfen und im Rathaus.“

In ihren ersten 100 Tagen im Amt hat Anke Fahrenholz viel „tolle Unterstützung“ erfahren, worüber sie sich sehr freut. Fachbereichsleiter würden sie für die Expertise in Ratssitzungen begleiten oder bei der Ausarbeitung von arbeitsaufwendigen Projekten wie dem „Leader“-Programm helfen.

Das gelte auch für die Politik. „Die CDU-Mehrheit in den vier Räten bemerke ich gar nicht“, sagt die Sozialdemokratin. Das betreffe alle Bürgermeister und Stellvertreter. „Die sind uns total positiv gegenüber eingestellt und wollen das Beste für ihre Gemeinden und für die Samtgemeinde.“ Es gebe auch keine Animositäten vonseiten ihrer ehemaligen Mitbewerber und Mitbewerberin um das Amt der Samtgemeindebürgermeisterin.

Trotz des Arbeitsaufkommens hängt auch der Haussegen mit Anke Fahrenholz’ Lebensgefährten noch nicht schief, versichert sie. Ihr Partner, mit dem sie eine Wochenendbeziehung führt, habe gewusst, dass der Job zeitintensiv sei. Und die vielen Veranstaltungen, die eine repräsentative wirksame Samtgemeindebürgermeisterin verlangen, kommen nach Corona ja erst noch, wie der Feuerwehrtag, Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Samtgemeinde und ein Tag der offenen Tür nach erfolgtem Rathausumbau. Der sollte übrigens schon längst fertig sein, noch unter Vorgänger Harald Hesse. Immerhin ist der vierte und letzte Abschnitt im Gange. Ende April soll es so weit sein, habe der Architekt versichert. Immerhin ist Anke Fahrenholz’ Büro schon fertig eingerichtet. Jedenfalls so gut wie.

Von Philipp Köster

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