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Reh und Stuka - beides unvollendet

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Von: Heiner Albrecht

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Kind seiner Zeit: Lehrling Hans Worthmann arbeitete an einem Sturzkampfflieger, einer Stuka.
Kind seiner Zeit: Lehrling Hans Worthmann arbeitete an einem Sturzkampfflieger, einer Stuka. © Albrecht

Thedinghausen – Wäre schweres Gerät zu Abbruch und Sanierung der alten Werkstatt angerückt, hätte Heimatvereinsmitglied Horst Wendt aus Thedinghausen bestimmt nicht die Schnitzerei unter einem Fußbodenbelag gefunden. So aber kam nach mehr als 80 Jahren zum Vorschein, was dort einmal versteckt, gelagert oder hinterlassen wurde: Unter den Fußbodenbrettern fanden sich drei Holzteile.

Die waren an der Stelle eigentlich nichts besonders. Hatte doch Christian Hampe, seines Zeichens Tischlermeister im Haus Nummer 82 in Thedinghausen an der Blankenburger Straße 3, eine Niederlassung oder Werkstatt. Die Teile, die ans Tageslicht kamen, waren ein geschnitztes Reh, ein Flugzeug des Typs Ju 87, ein Sturzkampfflieger (Stuka) im Zweiten Weltkrieg, und ein Brettchen.

Diese kleine Entdeckung überreichte Horst Wendt dem Heimatverein der Samtgemeinde Thedinghausen. Dessen Vorsitzender Klaus-Dieter Schneider, gleichzeitig Gemeindearchivar, recherchierte, woher diese Stücke stammen könnten. Schneider stellte Vermutungen an, von denen sich auch einige bestätigten. Denn auf dem Brettchen steht mit Bleistift geschrieben: „Hans Worthmann aus Fintel 195. Ich habe von 1936 bis 1940 in Thedinghausen gearbeitet.“ Und mit der Botschaft: „Ich habe es nicht gut gehabt bei acht Reichsmark Lohn.“

Wie Horst Wendt bestätigen kann, soll der damalige Chef Christian Hampe cholerisch und streng gewesen sein, einer, der seine Angestellten sehr ausnutzte. Was Klaus-Dieter Schneider noch herausfinden konnte, war, dass Hans Worthmann den Krieg überlebt hat.

Er wurde 1922 in Fintel (Landkreis Rotenburg) geboren und zog am 10. September 1936 nach Thedinghausen. Hier absolvierte er eine Tischlerlehre. Aufgrund des geringen Lohns vermutet Klaus-Dieter Schneider, dass Worthmann bei seinem Lehrherren wohl Kost und Logis bekam. „Das war damals so üblich“, sagt Schneider. Denn Tischlerlehrlinge verdienten sonst zu damaliger Zeit mehr Geld.

Worthmanns biografische Notiz, mit Bleistift auf Holz geschrieben.
Worthmanns biografische Notiz, mit Bleistift auf Holz geschrieben. © Albrecht

Dann fand Schneider noch heraus, dass Hans Worthmanns Weg am 14. September 1940 nach Ottersberg führte und er danach wieder in Fintel gemeldet war. Er hat einen Sohn, der 1953 geboren wurde, der wohl noch lebt, aber bisher nicht auffindbar war. „Vielleicht kennt ja jemand jemanden, der jemanden kennt, der wiederum die Worthmanns in Fintel kennt. Denn beim Einwohnermeldeamt konnten mir keine Daten mitgeteilt werden. Und aus zeitlichen Gründen habe ich dann vor ein paar Monaten die Suche aufgegeben“, sagt Schneider.

Er geht auch darum mit den Fundstücken erst nach eineinhalb Jahren an die Öffentlichkeit. „Außerdem wollen wir solche Geschichten neben anderen Erzählungen und Erlebnissen in einem neuen Buch vom Heimatverein herausgegeben und veröffentlichen.“

Auch das Reh hat Hans Worthmann nicht „fertiggekriegt“.
Auch das Reh hat Hans Worthmann nicht „fertiggekriegt“. © Albrecht

Schneider stellt sich weitere Fragen zu den Fundstücken. „Warum musste Worthmann die Stücke zurücklassen?“ Das Flugzeug war nicht ganz vollendet.

Diese Vermutung bestätigt Worthmann selbst, der unter dem Sockel des Rehs mit Bleistift schrieb: „H. Worthmann, beides habe ich nicht mehr fertiggekriegt.“

Fragen kann man den Schnitzer nicht mehr. Höchstens in einem Gespräch mit den Nachfahren mehr über den Tischlerlehrling aus Thedinghausen erfahren, der von 1936 bis 1940 diesen Beruf erlernte.

Von Heiner Albrecht

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