In der Region nichts Neues

Wollhandkrabben: Phänomen kehrt alle paar Jahre wieder

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Nicht schön und nicht selten: eine Wollhandkrabbe bei Werder.

Das massive Auftreten der Wollhandkrabben in Werder und umzu hat ein großes überregionales Echo hervorgerufen. Dass in der Berichterstattung zuweilen über die Wege gerätselt wurde, die die Tiere einschlagen, kann Gerd Schröder nicht verstehen.

Thedinghausen - Für den ehemaligen Thedinghauser Samtgemeindebürgermeister und heutigen Vorsitzenden der Weser-Aller-Fischereigenossenschaft ist die Wanderschaft der Tiere nichts Ungewöhnliches, allenfalls in der Häufigkeit. Schröder erinnert sich an viele Exemplare in der Gegend vor acht oder neun Jahren. Im Ahser Grund seien es damals auch Tausende gewesen.

„Ich bin an der Eyter aufgewachsen. Ich kenne die Wollhandkrabben seit meiner Kindheit.“ Sie treten seinen Beobachtungen zufolge in diesem Jahr vornehmlich in der Nähe des Klärwerks auf und wollen über den Marschgraben Richtung Weser abwandern. Weil der Graben wegen der Trockenheit kein Wasser mehr führt, nehmen die Tiere den Weg über Land. Dazu queren sie vor dem Deichschart die Landesstraße, um zur Weser zu gelangen. In dem Strom schwimmen sie flussabwärts und dann über das Weserwehr in Bremen weiter Richtung Nordsee. Im Übergang von Brack- und Salzwasser laichen sie, berichtet Schröder.

Hunderte Krabben in nahe gelegene Gewässern

Auf der Verbindung von Eißel über das Klärwerk bis hin zur Landesstraße beim Deichschart ist es in den vergangenen Tagen ruhiger geworden. Nur vereinzelt liegen plattgefahrene Krabbenkadaver auf dem Weg. Doch Schröder hat sie noch am Wochenende zu Hunderten in nahe gelegenen Gewässern entdeckt. „Wenn es dämmert, krabbeln sie an den Seerosenstängeln empor und setzen sich sogar auf die Seerosenblätter“ – für Schröder ein schauriges Schauspiel, das er auch noch nicht gesehen hat.

In den Reusen finden er und die anderen Fischereikollegen bis zu 150 Exemplare dieser invasiven Art, teilweise mit imposanter Größe. Sonst sind es um die 20.

Fischbruten fallen Wollhandkrabben zum Opfer

Die Häufigkeit des Auftretens ist auch für den früheren Verwaltungschef ungewöhnlich, zumal „sie alles angreifen und fressen, was sie finden können“. Ganze Fischbruten fielen den Anfang des vergangenen Jahrhunderts nach Norddeutschland eingewanderten Wollhandkrabben zum Opfer. Dass Eriocheir sinensis, so der wissenschaftliche Name, und seine Artgenossen ihrerseits unliebsame Bekanntschaft mit den motorisierten Fortbewegungsmitteln des homo sapiens machen, rührt Schröder nicht zu Tränen. Im Gegenteil: „Man hätte da mit einer Walze rüberfahren sollen.“ Zu groß sei schließlich der Schaden, den die Tiere anrichteten.

Warum fangen er und seine Fischereikollegen die Krabben nicht einfach? In China, dort wo die Tiere ursprünglich verbreitet waren, sind sie immerhin eine Delikatesse. „Ich esse gerne Fisch, aber ich finde diese Krabben eklig. Den Verzehr überlasse ich den Chinesen“, sagt Schröder und lacht.

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