Samtgemeinderat verabschiedet Gebührenanhebung für zentrale und dezentrale Entsorgung

Abwasser wird in Thedinghausen deutlich teurer

Notwendige Investitionen, wie aktuell der Bau eines neuen Faulturms, spielen bei der Kostenermittlung der Abwassergebühren auch eine Rolle.
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Notwendige Investitionen, wie aktuell der Bau eines neuen Faulturms, spielen bei der Kostenermittlung der Abwassergebühren auch eine Rolle.

Samtgemeinde – Nach rund 30 Jahren hebt die Samtgemeinde die Gebühren für die Abwasserbeseitigung an. Was unlängst schon bei der Sitzung des Abwasserzweckverbands im Raum stand, hat der Samtgemeinderat auf seiner Zusammenkunft am Dienstagabend in der Gustav-England-Halle in Thedinghausen beschlossen. Besonders die Erhöhung bei der dezentralen Entsorgung der Fäkalien aus Hauskläranklagen fällt von 19,22 Euro auf 51,34 Euro kernig aus.

Aber auch die vielen Haushalte, die an den Kanal angeschlossen sind, müssen für die zentrale Abwasserbeseitigung ab dem kommenden Jahr 2,85 Euro pro Kubikmeter zahlen – immerhin 60 Cent mehr als in den Vorjahren. Das sei aber immer noch als moderat zu bezeichnen, erläuterte Mathias Kossyk von der K+W Wirtschaftsberatung aus Kiel. Der Geschäftsführer ist Experte für die Kalkulation von Gebühren und Entgelten nach kommunalabgabenrechtlichen Vorschriften. Viele seiner Kundinnen, also andere Kommunen, seien zuweilen schon bei 6 Euro pro Kubikmeter angekommen.

Kossyk dröselte dem Gremium seine Berechnungen auf. So hatte es in den Jahren 2019 und 2020 bei der zentralen Entsorgung eine Unterdeckung von knapp 365 000 Euro gegeben. Die darf die Samtgemeinde aber nicht etwa nachträglich von ihren Bürgerinnen und Bürgern einfordern, da es vorab schlichtweg keine Kalkulation für die Jahre 2018 bis 2020 gegeben hatte. „Hat das die Verwaltung also laufen lassen?“, wollte Heinz von Hollen wissen. Kossyk: „Es ist einfach nicht gemacht worden, warum, weiß ich nicht, ich will dazu auch nichts sagen“, hielt sich der Berater, der schließlich vom Rathaus bezahlt wird, bedeckt.

Andererseits muss die Samtgemeinde aber die Überdeckung, also das Bilanzplus aus dem Jahr 2018, an die Bürgerinnen und Bürger „auskehren“, wie es im Fachjargon heißt, immerhin 38 000 Euro. Diese Summe wird mit der künftig zu zahlenden Gebühr verrechnet,

Die satte Anhebung bei den Hauskläranlagen um 267 Prozent resultiert Kossyk zufolge aus dem Kostenerstattungsbedarf in Höhe von kalkuliert 13 400 Euro bezogen auf die prognostizierte Schmutzwassermenge von 261 Kubikmetern. Referenzdaten stammen wie auch bei der zentralen Entsorgung aus den vergangenen drei Jahren. Auch die theoretisch vorzunehmende Erhöhung von 5,47 auf 25,57 Euro (467 Prozent mehr!) pro Kubikmeter bei den abflusslosen Sammelgruben würde so manchem den Weihnachtsbraten vermiesen.

Ob diese beiden Gruppen nicht entlastet werden könnten, indem die große Mehrheit der an die zentrale Beseitigung angeschlossenen Bürgerinnen und Bürger nur einen Bruchteil mehr zahlt, wollte Samtgemeindebürgermeisterin Anke Fahrenholz wissen. „Nein, das dürfen Sie nicht.“ Jede Abwasserart sei für sich zu betrachten, so der Kieler Gast.

Immerhin gibt es bei den dezentralen Entsorgungsarten zwei Einschränkungen: Bei Hauskläranlagen wird nur die tatsächlich abgefahrene Fäkalschlammenge berechnet. „Die Gebühr ist immer noch relativ günstig“, konstatierte Dieter Mensen (Grüne Liste). Und bei den Sammelgruben hatte der Erste Gemeinderat Roland Link eine Erhöhung nur auf 7 statt auf 25,57 Euro vorgeschlagen. Der Rest würde aus der Samtgemeindekasse bezahlt, denn die Hauseigentümer mit abflusslosen Gruben wohnen meist in Überschwemmungsgebieten ohne Kanal. Dort sind auch Hauskläranlagen nicht ohne Weiteres zu installieren. Mensen: „Die sind gekniffen“.

Am Ende war sich das Gremium nahezu einig, dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu folgen und die Gebührensätze entsprechend der Kalkulation von Kossyk anzuheben, mit der Ausnahme der Sammelgruben.

Nur Andreas Klein (CDU) stimmte dagegen. Er hatte ins Spiel gebracht, die Gebühren nicht zu scharf zu erhöhen, sondern eine periodische Anhebung zu verabschieden. Doch der Fachberater warnte: „Wenn Sie zum Beispiel eine Unterdeckung von 35 Cent haben in einem Jahr, kriegen Sie das nicht wieder.“

Deutlich wurde: Das System der Kostenkalkulation für das Monopol Abwasserbeseitigung steht mitunter auf tönernen Füßen, weil die Samtgemeinde keine Gewinne erwirtschaften darf und andererseits zu viel eingefordertes Geld an die Leute zurückzahlen muss. Kossyk empfahl entsprechend, nur jährliche Kalkulationen vorzunehmen, schon das sei ein „Blick in die Glaskugel“.

Am System der rein verbrauchsabhängigen Berechnung der Gebühren wollte der Samtgemeinderat jedenfalls nicht rütteln. Rainer Klukowski (Unabhängige Bürgerliste) hatte gefragt, ob ein Mischmodell (Grundgebühr und Verbrauch) nicht gerechter sei. Das komme immer auf die Betrachtung an, so Mathias Kossyk. Der Sparsame werde einen Grundgebühranteil der Kosten von zum Beispiel 80 Prozent nicht gutheißen, gab er zu bedenken.

Von Philipp Köster

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