Haus mit langer Tradition abgerissen

Gaststätte Scholvin-Ortmann: „Haus der Festlichkeiten“ ist Vergangenheit

Die Gaststtätte Scholvin-Ortmann, kurz bevor der komplette Abbruch begonnen hatte.
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Das „Haus der Festlichkeiten“ in Riede, die Gaststätte Scholvin-Ortmann, wurde vor dem Abriss bereits entkernt.

Die Gaststätte Scholvin-Ortmann in Riede ist Geschichte. Mit schwerem Gerät wurde das mehr als 150 Jahre alte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht.

Riede – Im vergangenen Jahr haben Frank und Heike Scholvin-Ortmann zum letzten Mal den Schlüssel herumgedreht. Im März 2020 fand die letzte Vereinsversammlung im Klubzimmer statt. Im Mai dann die Kunde, dass das Inhaber-Ehepaar den Betrieb ruhen lässt. Später dann verkaufte es das Haus an einen Investor: Die K & M Bauträger GmbH (Morsum) hat das Gelände mit dem Gasthaus erworben und will dort ein Wohn- und Geschäftshaus in Nachbarschaft zur Seniorenresidenz errichten.

Mehr als 150 Jahre bestand das „Haus der Festlichkeiten“, das weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus beliebt und bekannt war. Es stand im Mittelpunkt von Riede mit einer schmucken Haus- und Giebelfassade.

Nach und nach fielen alle Teile des Gebäudekomplexes in sich zusammen.

In diesen Wochen wurde es Stück für Stück abgebrochen und schließlich dem Erdboden gleich gemacht.

Scholvin-Ortmann war in der Region bekannt, weil es viele Möglichkeiten für jegliche Art von Feiern bot: von kleinen und großen privaten Festen bis hin zu Firmenveranstaltungen und Versammlungen. Dazu zählten auch zahlreiche Saisonangebote, vor allem im Winter die Kohlpartys mit Livemusik. Der Festsaal war einer der größten in der Umgebung.

Scholvin-Ortmann seit 1868 in Riede und umzu bekannt

Seit 1868 firmierte das Gasthaus unter dem Namen Scholvin-Ortmann. Fritz Brinkmann, der damals Anna Scholvin geheiratet hatte, eröffnete zu der Zeit das große Gebäude mitten im Ortskern von Riede. Neben der Gastwirtschaft betrieb das Paar noch einen Gemischtwarenladen und eine kleine Landwirtschaft. Auch die Post fand dort einen Raum. Das Haus galt stets als Haltepunkt für eine ausgiebige Rast, wenn die Bauern aus der Grafschaft Hoya mit Pferd und Wagen zum Markt nach Bremen fuhren, um ihre Produkte zu verkaufen.

Ein Bagger rückt der Fassade des Gasthauses immer näher. Das führte bei Umstehenden zu traurigen Gesichtern.

Die Entwicklung des Hauses ging rasch voran, 1926 eröffnete Johann Scholvin den großen neuen Festsaal. Eine Kegelbahn wurde ebenfalls in Betrieb genommen, es gründeten sich zahlreiche Kegelclubs, die ihrem Hobby in gemütlicher und geselliger Runde frönten.

Stetiger Aufschwung und Modernisierungen verändern Gasthaus

In den 1960er-Jahren ging der Aufschwung weiter: Sohn Günter hatte Traute Ortmann aus Riede geheiratet, eine gelernte Köchin. Der gesamte Gaststättenbetrieb wurde renoviert: Gaststube, Festsaal und Klubzimmer. Und die Kegelbahn verfügte nun über einen Automatikbetrieb.

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1996 heiratete Frank Scholvin-Ortmann, gelernter Koch, Heike Bartels aus Thedinghausen. Die Modernisierungen setzten sich kontinuierlich fort, darunter im Küchenbereich. Unter Ausflüglern und anderen Gästen war auch der Außenbereich ein besonderer Tipp.

Ein trauriger Anblick: Der kurzzeitig noch verbliebene Eingangsbereich des Gasthauses.

Der Festsaal mit elegantem neuen Tresenbereich und Bühne bot mit 320 Plätzen ein ganz besonderes Ambiente für große Gesellschaften,

Beliebt war auch das gemütliche Klubzimmer für mehr als 40 Personen mit offenem Kamin. Im „grünen Salon“ ließ es sich mit bis zu 24 Gästen speisen und feiern. Und in der Gaststube fanden gemütliche Zusammenkünfte „auf ein Bier“ und Klönschnack statt.

Hotelbereich von Scholvin-Ortmann umfasste sechs Gästezimmer

Das Haus war behindertengerecht zugänglich, damit jeder Gast ungehindert an den Festlichkeiten teilnehmen konnte. Für Übernachtungsgäste stand der Hotelbereich mit sechs Gästezimmern bereit.

Über allem und als guter Stern des Hauses stand die familiäre, persönliche und gediegene Atmosphäre.

Das alles ist nun Vergangenheit. Am Donnerstag gab es nachmittags einen gewaltigen Knall, eine Staubwolke stieg hoch. Der Verkehr stand still, da es keine Absperrung oder Umleitung gab. Der Abrissbagger hatte den Giebel zum Einsturz gebracht, und die Radlader begannen, den Schutt abzutransportieren.

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