Generalleutnant Korff, früher Uesen, streifte beim Traditionsverband auch die Lage in Afghanistan

Taliban – und gute Mopedfahrer

Generalleutnant Rainer Korff (links) ist seit Dezember 2009 Kommandierender General des „Multinationalen Korps Nordost“ im polnischen Stettin. Bei seinem Vortrag in der Desma-Kantine erkannte er viele Zuhörer wieder. Von 1993 bis 1995 war der heute 55-Jährige nämlich Kommandeur des Panzerflugabwehrkanonenregiments 11 in der Ueser Steuben-Kaserne.

Achim - (la) · Gute und böse Mopedfahrer gebe es aus Sicht der Bundeswehr in Afghanistan. Wenn jemand mit einem solchen Gefährt und bewaffnet unterwegs sei, müsse das nicht ein Taliban sein. Es könne sich auch um ein Mitglied örtlicher Milizen handeln, die entschieden gegen die Taliban kämpfen – und damit Verbündete der Bundeswehr sind.

Auf diese diffizile Lage für Soldaten vor Ort wies Generalleutnant Rainer Korff unter anderem bei seinem Vortrag im Casino der Achimer Firma Desma hin.

Viele Besucher dieser Veranstaltung des Traditionsverbands Steuben-Kaserne erkannte der hochrangige Referent auf Anhieb wieder. Als Oberstleutnant nämlich war Korff von 1993 bis 1995 Kommandeur des in Achim-Uesen stationierten Panzerflugabwehrraketenregiments 11 gewesen.

Danach verlief die Karriere des 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz Ausgezeichneten weiter nach oben. So bewährte er sich bei der Aufgabe, die zuvor nach Heer, Luftwaffe und Marine aufgeteilte Bundeswehr-Stammdienststelle für Personalführung kostensparend am Standort Köln zu einer einzigen zusammenzuführen.

Seit Dezember 2009 ist er nun Kommandierender General des „Multinational Corps Northeast“ (MNC) in Stettin. Dies ist laut Korff ein aus politischen Gründen entstandenes Korps mit dem Ziel, vor allem Militärs aus neuen NATO-Staaten ins Bündnis zu integrieren. Bewusst sei der Standort in Polen auf dem Boden des früheren Warschauer Pakts gewählt worden. Elf Nationalitäten – auch die USA – sind in diesem gut 200 Mann starken Korps vereinigt. Geübt werden die Landesverteidigung, aber auch Einsätze im Norden und Süden Afghanistan, auf dem Balkan sowie in Katastrophenfällen. Viel Fachkenntnis fließe mit ein, und auch die Vertreter der neuen NATO-Nationen seien sehr motiviert, so Korff.

Im Zusammenleben mit der Stettiner Bevölkerung gebe es keine Probleme. Ressentiments gegenüber Deutschen habe er mit seiner Familie nie erlebt. Die Polen hätten im Übrigen aufgrund ihrer speziellen Geschichte zu ihren Soldaten ein völlig anderes Verhältnis als etwa die Deutschen. Dass eine uniformierte Abordnung an Feiertagen im Stechschritt vor dem Bischof her in die Kirche einmarschiert, sei nichts Ungewöhnliches.

Viermal war Korff bereits in Afghanistan - allerdings „ohne Führungsverantwortung“. Beim ersten Mal im Jahr 2004 sei er mit Kameraden ungeschützt über den Markt in Kabul geschlendert: „Kriegsähnliche Zustände gab es damals noch nicht“.

Ob und welche politischen Fehler zur jetzigen Lage geführt hätten, wolle er nicht beurteilen. Es sei nun mal so gekommen, wie es ist.

Schon aufgrund des riesigen Raums mit unterschiedlichsten Landschaften und Aberhunderten Ortschaften sei es Streitkräften von außerhalb jedoch gar nicht möglich, das Land flächendeckend zu kontrollieren. Eine wirksame Stabilisierung sei nur mit Unterstützung der Bevölkerung zu erreichen.

Dem diene auch die neue Strategie des „Partnering“ mit verstärkten Kontakten zu Einwohnern und manchmal wochenlangen gemeinsamen Einsätzen von afghanischen und NATO-Kräften.

Es gehe hier nicht darum, einen Krieg zu gewinnen, sondern darum, den Menschen in Afghanistan zu ermöglichen, eigenverantwortlich für die innere Sicherheit zu sorgen, betonte Korff abschließend. Er erinnerte auch daran, dass die US-Regierung nach wie vor schon 2011 den Abzug von Truppen einleiten möchte.

Generalleutnant Rainer Korff hat nach längerer Zeit seinen erneuten, dann fünften Einsatz in Afghanistan noch vor sich.

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