Gasförderung: In Intschede soll ein Erkundungs-Bohrturm aufgestellt werden / RWE und Gemeinde im Dialog

Auf der Suche nach dem exakten Standort

Ein derartiger Bohrturm auf asphaltierter Fläche soll im Bereich Intschede entstehen. Der genaue Standort wird noch gesucht.
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Ein derartiger Bohrturm auf asphaltierter Fläche soll im Bereich Intschede entstehen. Der genaue Standort wird noch gesucht.

Thedinghausen - INTSCHEDE · In über 5000 Metern Tiefe wird im Bereich Daverden/Intschede ein größeres Erdgasfeld vermutet. Das will die RWE Dea, die im Bereich Völkersen bereits ein umfangreiches und lukratives Feld abschöpft, jetzt genauer erkunden.

Dazu soll eine so genannte Explorationsbohrung durchgeführt werden. Das erläuterten Vertreter der RWE Dea jetzt in einem ersten Sondierungsgespräch dem Blender Bürgermeister Axel Rott, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Reinhardt Gutjahr, Gerd Schröder (Gemeindedirektor und Thedinghauser Samtgemeindebürgermeister) sowie Roland Link (Leiter des Bauamtes).

Als Standorte für Erkundungs-Bohrtürme kämen, so die RWE, grundsätzlich drei größere Areale in Frage, wovon die „Hauptkandidaten“ in Intschede liegen – einerseits im Bereich Goselaake, andererseits im Bereich Winkel/Engenwerder. Das Gebiet in der Daverdener Marsch kommt nach ersten Einschätzungen eher nicht in Frage, da es im Hochwassergebiet liegt.

Während die Grob-Areale ausgesucht sind, muss der exakte Standort für einen Bohrturm noch ermittelt werden. Benötigt wird hierfür in etwa die Fläche eines Fußballplatzes. Diese Plattform wird dann asphaltiert. Das benötigte Areal soll vom Eigentümer angepachtet werden (die Pacht soll durchaus auskömmlich sein). Dazu Sven Burmester, Leiter RWE Dea Förderbetrieb Niedersachsen in Völkersen: „Wir suchen einen Standort, der am wenigsten Probleme macht – und zwar technisch-geologisch und naturschutzmäßig aber auch in der Akzeptanz der Bevölkerung“.

Bürgermeister Axel Rott sprach genau letzteren Aspekt an. „Wir wissen, dass wir angesichts übergeordneter Bundesgesetze quasi keine Möglichkeit haben, dieses Vorhaben zu verhindern. Wir erwarten von der RWE Dea aber eine konstruktive Zusammenarbeit mit Blick auf einen für alle akzeptablen Standort, der zu keinen größeren Belästigungen – Lärm, Licht, Optik – führt.“ Rott erntete für dieses Statement zumindest zustimmendes Kopfnicken der RWE-Vertreter. Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand zur Wohnbebauung beträgt 250 Meter, den Reinhardt Gutjahr und Axel Rott aber als zu gering erachten.

Der Blender Bürgermeister hatte gleich einen konkreten Vorschlag in der Hinterhand. „In Intschede in Engenwerder am Osterfeldweg hat vor rund 50 Jahren bereits einmal ein Ölbohrturm gestanden. Das hat damals keinen gestört und das dürfte auch heute ein geeigneter Platz sein.“

Der Erkundungsbohrturm wird übrigens rund 60 Meter hoch sein. Eventuelle Abfackelungen werden so vorgenommen, dass kein Feuerschein zu sehen ist (geschlossener Brenner). Die Bohrung wird schräg angesetzt und tief unter der Weser durch bis in 5000 Meter Tiefe in Daverdener Gebiet in die Erdschicht „Rotliegend“ getrieben, wobei besonderer Wert auf den Grundwasserschutz gelegt werden soll. RWE-Pressesprecher Derek Mösche wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die heimische Erdgasförderung ein wichtiger Baustein der nationalen Energieversorgung sei.

Bevor es zum Aufbau eines Erkundungsbohrturmes kommt, müssen zunächst umfangreiche Genehmigungs- und Prüfverfahren durchlaufen werden.

Eine Genehmigung vorausgesetzt (dagegen spricht derzeit nicht viel) soll laut RWE-Planungen im Frühjahr 2014 mit dem Bohrplatzbau begonnen werden. Der Bohrbeginn sei dann für Sommer/Herbst 2014 vorgesehen. Die eigentliche Bohrung (ohne Test) werde etwa fünf Monate dauern. Anschlussarbeiten, etwa weil eine Bohrung daneben gegangen ist, seien möglich. Anfallendes Lagerstättenwasser werde aufgefangen und zur fachgerechten Entsorgung abtransportiert.

Gemeindedirektor Gerd Schröder wies darauf hin, dass die RWE Dea für eine tragfähige Erschließung des Areals sorgen und gegebenenfalls für angerichtete Straßen/Wegeschäden haften müsse.

Nach Abschluss der Erkundungsbohrungen gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder: Es wird festgestellt, dass kein Gas vorhanden ist oder sich eine Förderung nicht lohnt. Dann wird der Bohrturm abgebaut, das Bohrloch verfüllt und das Gelände rekultiviert.

Oder: Eine Förderung lohnt sich. Der Erkundungsbohrturm wird dann ebenfalls abgebaut. Die Förderung erfolgt über eine vergleichsweise kleine (unscheinbare) Anlage. Das geförderte Gas würde über eine Pipeline abtransportiert. Die Gasförderung kann dann durchaus mehrere Jahre andauern. Ob in irgendeiner Phase das Reizwort „Fracking“ eine Rolle spielen könnte, steht noch in den Sternen, ist aber nach heutiger Planung nicht vorgesehen und müsste separat beantragt werden.

Gemeinde und RWE Dea werden, nach Abschluss der spezifischen Standortuntersuchungen die Bürger ausführlich über das Vorhaben informieren und den Dialog suchen. Finanziell profitieren wird die Kommune nicht. Der Förderzins, immerhin Millionenbeträge, fließt in die Landeskasse. · sp

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