Bahnhofssanierung startet / Aus Unterführung via Rampe zum Mittelbahnsteig

Stufenfrei dank Tunnelstich

Gezählt sind die Tage der steilen Treppe zum Mittelbahnsteig des Ottersberger Bahnhofs, die Reisende mit eingeschränkter Mobilität vom Bahnfahren ausschließt. Im Frühjahr startet der barrierefreie Umbau des Bahnhofs. · Archivfoto: Holthusen
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Gezählt sind die Tage der steilen Treppe zum Mittelbahnsteig des Ottersberger Bahnhofs, die Reisende mit eingeschränkter Mobilität vom Bahnfahren ausschließt. Im Frühjahr startet der barrierefreie Umbau des Bahnhofs. · Archivfoto: Holthusen

Ottersberg - Von Petra HolthusenDie Tage der hinderlichen stufenreichen Fußgängerbrücke über die Gleise sind endlich gezählt. Im Frühjahr legt die Deutsche Bahn AG mit der in Ottersberg lange ersehnten barrierefreien Umgestaltung und Modernisierung des Bahnhofs los. Das bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung Bahn-Pressesprecherin Sabine Brunkhorst. Kostenpunkt: rund 4 Millionen Euro.

Baubeginn soll möglichst im März sein – je nach Witterung und Eingang der noch laufenden planungsrechtlichen Genehmigung.

Die Sanierung des Ottersberger Bahnhofs erfolgt im Rahmen der 2. Auflage des Förderprogramms „Niedersachsen ist am Zug“, finanziert von Land, Bund und Deutscher Bahn AG.

Die Pläne sehen die Erhöhung von Hausbahnsteig und Mittelbahnsteig auf 76 Zentimeter vor, um den Fahrgästen das Ein- und Aussteigen auf Zugtürenniveau zu ermöglichen.

Clou der Planung ist ein „Tunnelstich“: Die bestehende fußläufige Bahnhofsunterführung wird zum Mittelbahnsteig hin aufgebrochen. In den so neu geschaffenen Tunnelzugang wird vom Bahnsteig aus eine rollstuhlgerechte Rampe gebaut. Danach ist der Mittelbahnsteig stufenlos erreichbar – und damit erstmals auch zugänglich für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte und Reisende mit Kinderwagen. Für sie stellen bislang die steilen Treppen der Fußgängerbrücke zu den hinteren Gleisen ein unüberwindliches Hindernis dar, was ihnen die Nutzung der Bahn so gut wie unmöglich macht. Nach dem Ausbau sollen alle Bahnsteige von allen Seiten des Bahnhofs aus barrierefrei erreichbar sein.

Zu den Erleichterungen für Menschen mit Behinderung gehören künftig auch Blindenleitstreifen auf den Bahnsteigen. Und darüber hinaus „machen wir natürlich alles ein bisschen hübscher“, sagt Bahn-Sprecherin Brunkhorst. Neue Wetterschutzhäuschen, Vitrinen, Fahrgastinformationen und Beleuchtungsanlagen sollen Optik und Benutzerfreundlichkeit der Bahnstation aufwerten, die dank der Berufspendler und der an der örtlichen Hochschule Studierenden zwischen 800 und 1000 Ein- und Ausstiegen am Tag verzeichnet.

Sind die Arbeiten auf den Bahnsteigen erledigt, wird zuletzt die alte Fußgängerbrücke abgerissen. Beginnen soll die Bahnhofssanierung im Frühjahr mit der Anpassung der Oberleitungsanlage. Auch Gleisverschwenkungen werden für die Verbreiterung und Verlängerung des Mittelbahnsteigs erforderlich. Nach Worten von Brunkhorst rechnet die Bahn mit einer Bauzeit von „gut einem Jahr“ und dem Abschluss bis zum Frühsommer 2015.

„Endlich! Das wird eine Riesenbaustelle werden“, frohlockt Jürgen Buthmann-von Schwartz, Vize-Chef der Gemeindeverwaltung. Seit Jahrzehnten setzen sich Ortspolitik und Verwaltung für einen barrierefreien Bahnhofsausbau ein. Oft wurde die Gemeinde von der Bahn vertröstet. Die jetzigen Pläne sind laut Buthmann-von Schwartz mit der Gemeinde abgestimmt – insbesondere mit Ingo Lange, Beauftragter für Menschen mit Behinderung.

Sind Tunnelstich und Gleisverschwenkung erledigt, eröffnet die Gemeinde gegen Ende des Jahres ihre eigene Baustelle auf der Südseite des Bahnhofs, um eine neue Park-&-Ride- sowie Bike-&-Ride-Anlage zu schaffen. Für 510 000 Euro sollen 60 Autostellplätze entstehen sowie 60 sichere Fahrradparkplätze in einem „Gemeinschaftskäfig“ und abschließbaren Einzelboxen. 75 % der Investitionssumme erhofft sich die Gemeinde als Zuschuss vom Land, täglich erwartet Buthmann-von Schwartz den Förderbescheid der Landesnahverkehrsgesellschaft.

Im Zuge dieses Projekts will der Flecken auch eine separate Treppenanlage vom Fahrradparkplatz in den Tunnel bauen – sowie einen langen Sicherheitszaun zwischen Parkanlage und Gleisen, damit das verbotene lebensgefährliche Überqueren der Gleise an dieser Stelle ein Ende hat.

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