Niedersachsens Agrarminister Lindemann Gast in Eißeler ABL-Gesprächsrunde

„Strukturwandel bedeutet letztlich Bauernhofsterben“

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Einen kleinen Präsentkorb mit Hofprodukten durfte der Minister mit nach Hause nehmen, von links: Karin Mansholt (BDM), Martin Schulz (ABL), die Gastgeberinnen Johanna Böse-Hartje sowie Elisabeth Böse und Minister Gert Lindemann. ·

Thedinghausen - Kontroverse Standpunkte aber auch Übereinstimmungen bestimmten den Verlauf einer Diskussionsrunde auf dem Bio-Hof Böse-Hartje, an der gestern Nachmittag auch der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann teilnahm.

Lindemann weilte mit seinen Referenten auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) in Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Thedinghausen-Eißel. Beide Organisationen waren mit Vertretern aus dem ganzen Bundesland vor Ort. Thema der Runde, die in offener und konstruktiver Atmosphäre bei selbst gebackenem Butterkuchen zusammen saß, war: „Die Gestaltung der zukünftigen Agrarpolitik.“

Die Themen waren breit gestreut – ob es nun um die Problematik der Gentechnik, den Einfluss der EU auf die Agrarpolitik, den fehlende Weidegang von Kühen, das Kupieren von Schnäbeln oder Schwänzen, Kennzeichnung von Fleisch aus artgerechter Haltung oder um dem Tierschutz entsprechende Stallbauten ging.

Einleitend stellte der Minister (CDU) fest: „Fördertöpfe stehen auch Bio-Produkten offen.“ Lindemann reagierte damit auf die schwierigen Vermarktungsmöglichkeiten von Bio-Milch. Er regte auf diesem Sektor (und auch in anderen Bereichen) weitere Zusammenschlüsse an. „Auch Doppelmitgliedschaften in Erzeugerorganisationen sind durchaus ein Denkansatz.“

Die absolut befriedigende Antwort auf die formulierten Sorgen der anwesenden Bauernvertreter hatte er damit nicht gefunden. Karin Mansholt (BDM / Krummhörn): „Unser Ziel ist eine auskömmliche Milchwirtschaft. Derzeit setzen wir zu.“ Problematisiert wurde von ihr zudem, dass immer mehr Landwirte nicht mehr Herr auf dem eigenen Betrieb seien, weil von berufsfremden Investoren immer mehr Flächen gekauft würden. Gastgeberin Johanna Böse erklärte: „Der Begriff Strukturwandel bedeutet letztlich nichts anderes als Bauernhofsterben. Ich möchte aber, dass mein Sohn den Hof einmal so übernehmen kann, dass er auch eine Perspektive hat. Und dafür muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen.“

„Idealismus alleine

reicht nicht“

Minister Lindemann stimmte ihr grundsätzlich zu, machte aber auch deutlich: „Mit Idealismus alleine kann ein landwirtschaftlicher Betrieb heutzutage nicht erfolgreich ökonomisch geführt werden.“ Der Minister führte in diesem Zusammenhang auch die Weltmarktsituation und -konkurrenz für Agrarprodukte an. Das war ein Themenbereich der gegensätzlichen Standpunkte. Es konnte keine Einigkeit darüber erzielt werden, ob der Export von Milch und Milchprodukten den heimischen Produzenten eher nützt oder schadet. Lindemann: „Über den Export wird der Binnenmarkt stabilisiert.“ Johanna Böse: „Exporte, oftmals Überproduktionen, machen uns den Preis und anderen Ländern die Märkte kaputt.“

Gert Lindemann konnte aber auch Lob mit nach Hause nehmen, so von Martin Schulz (ABL / Wendland) in Sachen Tierschutzplanung. Oftmals prallten jedoch die Ansichten des Theoretikers (Lindemann ist von Haus aus Jurist) und die der Praktiker aufeinander.

Mit der Erklärung des Ministers (auf unsere Nachfrage), dass die konventionell arbeitenden Landwirte von ihren „Öko-Kollegen“ in Punkto natürlichem Umgang mit Resourcen oder bei Tierschutzhaltungsbedingungen mitunter durchaus noch etwas lernen könnten, fand die informative Veranstaltung ihr Ende. · sp

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