Stoppok spricht vor Konzert in Achim über Veränderungen und Konstanten

„Musik muss man immer wieder neu erleben“

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Stefan Stoppok tritt am Mittwoch, 18. November, im Kasch auf.

Achim - Seit rund 40 Jahren macht Stefan Stoppok Musik – mal mit Band, mal solo, doch am liebsten auf kleinen Bühnen. Seine Texte zeigten einen „Sinn für die poetische Seite des Alltags“, sagt die Jury des Deutschen Kleinkunstpreises, mit dem er 2015 ausgezeichnet wurde. Am 18. November tritt der Rocker aus dem Ruhrpott im Achimer Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) auf. Unsere Redakteurin Lisa Duncan sprach mit ihm unter anderem über Massengeschmack und Inspirationsquellen.

Gerade hat in Deutschland die Karnevalszeit begonnen. Wie begehen Sie als Ruhrpott-Gewächs dieses Fest?

Stefan Stoppok: Für Außenstehende werden Köln und das Ruhrgebiet immer noch zusammengebracht. Dabei hat das Ruhrgebiet an sich, und speziell Essen, wo ich aufgewachsen bin, nichts mit Karnevalskultur zu tun. Nee, war mir gar nicht bewusst, dass das jetzt angefangen hat.

Sie spielen ja nicht zum ersten Mal im Kasch. Wie gut ist Ihnen der vorherige Auftritt (im Herbst 2013) im Gedächtnis geblieben?

Stefan Stoppok: Da kann ich mich noch gut dran erinnern – und deswegen komme ich auch wieder. Auch vom Publikum her ist es sehr angenehm. Wobei mein Publikum immer toll ist (lacht). Da sind wir in der glücklichen Lage, uns die Konzertsäle aussuchen zu können. Und im Kasch macht es schon besonderen Spaß, ist auch ein nettes Team. Das Haus steht natürlich in Konkurrenz zur Music Hall Worpswede und dem Schlachthof in Bremen, wo ich auch gerne spiele. Aber in Achim ist es schon besonders, weil es klein und speziell ist.

Sie gelten als eher spontaner Live-Musiker. Können Sie trotzdem schon etwas vom Programm verraten?

Stoppok: Es ist Tourstart und deswegen werde ich mich, wenn‘s hoch kommt, nächsten Montag damit beschäftigen. Natürlich mache ich mir vorher einen groben Plan. Ich hab nicht jeden meiner Songs parat, muss mich auch vorher hinsetzen und üben. Tourstart hat immer etwas ganz spezielles. Einerseits perlen die Songs besser, wenn sie ein paarmal gespielt wurden. Aber der Anfang einer Tour hat auch einen besonderen Reiz, weil noch sehr viel mehr spontanes passieren kann.

In einem Ihrer Songtexte heißt es: „Ich hab den neuesten Trend mal wieder verpennt“. Sind Sie ein altmodischer Mensch? Etwa im Kleidungsstil oder Ihren Songtexten?

Stoppok: Im Laufe der Zeit hat sich natürlich viel geändert, auch wenn die geschmackliche Tendenz gleich bleibt. Man passt sich an, ich habe mich mit meiner Kleidung dem Umstand angeglichen, dass der Körper sich verändert. Sonst sieht‘s irgendwann affig aus. Es gibt ja Leute, die im Alter einen dicken Bauch bekommen haben und sich immer noch in enge Hemden hineinzwängen. Wenn man aber geschmacklich gut dabei ist, dann verbessert sich mit der Zeit das Verhältnis zum eigenen Körper. Das ist in der Musik ganz ähnlich: Die kann man nicht stumpf wiederholen, sondern muss sie immer wieder neu erleben.

Nach 40 Jahren als Liedermacher haben Sie schon einige Themen durch. Haben sich die Schwerpunkte verändert oder sind Sie da konstant geblieben?

Stoppok: Da mache ich mir gar nicht so viele Gedanken drum. Was bleibt, ist vielleicht die Unangepasstheit, der Anspruch, nicht Everybody‘s Darling zu sein.

Wo nehmen Sie Ihre Inspiration für Texte her?

Stoppok: Die Situationen, in denen ich Ideen habe, sind sehr unterschiedlich. Ich bleibe wach, beobachte Dinge. Dabei bleibt der Witz erhalten, den ich vielleicht schneller erkenne als andere. Aber ich laufe nicht fünfmal um einen Baum herum, um Ideen zu bekommen (lacht).

Im Februar 2015 haben Sie den Deutschen Kleinkunstpreis erhalten, wie zuvor schon andere renommierte Künstler – von Hannes Wader bis Reinald Grebe. In welcher Tradition sehen Sie sich da?

Stoppok: Ja, mit Hannes Wader kann ich mich schon identifizieren. Vielleicht am ehesten vergleichbar ist das Lied „Learning by Burning“, das ich als einen vorwärts treibenden Blues geschrieben habe. Aber sonst ist das musikalisch natürlich etwas ganz anderes. „Kleinkunst“ klingt ja leicht etwas abfällig, aber auf solchen Bühnen waren ja meine ersten Auftritte. Und ich mag auch heute nicht in Stadien spielen, da fehlt mir der Kontakt zum Publikum.

Wo steht der Preis?

Stoppok: Der ist noch nicht ausgepackt, denn ich bin gerade umgezogen. Und vor der Tour habe ich es noch nicht geschafft, die Kartons auszupacken.

Welches sind aktuelle Projekte?

Stoppok: Gerade vor drei Wochen war ich in Kalkutta, wo ich meine dritte Platte mit dem Bandprojekt „Tagore & We“ aufgenommen habe. Anschließend habe ich in Los Angeles bei einem Projekt mit internationalen Musikern Tonaufnahmen gemacht. Wir setzen uns gemeinsam gegen die Privatisierung von Wasser ein, was in den nächsten Jahren noch zum großen Problem für die armen Bevölkerungsschichten auf der Welt werden wird. Und dann will ich nach meiner Tour in der Vorweihnachtszeit mit meiner Band eine neue Platte aufnehmen, die wahrscheinlich schon Mitte nächsten Jahres erscheinen soll.

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