40 Kinder absolvieren Selbstbehauptungskurs im ev. Kindergarten Ottersberg

„Stopp! Ich wehre mich!“

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Ganz praktisch und sehr effektiv lernten die Ottersberger Kindergartenkinder bei Frank Henning, wie sie sich gegen mögliche Angreifer wehren können. ·

Ottersberg - Ein Albtraum, der immer wieder Realität wird: Kinder werden von unbekannten Männern angesprochen, damit sie zu ihnen ins Auto steigen. Im evangelischen Kindergarten Ottersberg haben in den vergangenen zwei Monaten 40 Kinder in dem Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurs „Stopp! Ich wehre mich!“ gelernt, wie sie sich in solch einem Fall zu verhalten haben.

Nachdem der Pädagoge Frank Henning vom Verein Sai-Fon der Kampfsystemschule Nienburg/Weser die Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren in zwei Gruppen eingeteilt hatte, schulte er die beiden Teams je einmal die Woche im Bewegungsraum des ev. Kindergartens der Christophorus-Kirchengemeinde. Der Unterricht enthielt sowohl praktische als auch theoretische Elemente.

So wissen die Kindergartenkinder und ihre älteren Geschwister jetzt, wie sie sich effektiv gegen gleichaltrige, aber auch gegen erwachsene Angreifer wehren können. „Die Kleinen sollen sich mit dem Täter nicht prügeln. Daher habe ich ihnen verletzungsfreie Selbstverteidigungstechniken beigebracht“, erklärte Henning beim Projektabschluss am Montagabend. Nebenbei lernten die Kinder, wie sie sich gegenüber Hunden zu verhalten haben. „Ein gesunder Vierbeiner kann so schnell rennen, wie ein Auto in der Stadt fahren darf. Es ist also völliger Quatsch, vor dem Tier wegzurennen“, informierte der Experte. Es sei angebrachter, still stehen zu bleiben.

Beim letzten Kurstermin erhielten nicht nur die Teilnehmer, sondern auch ihre Mütter und Väter wertvolle Tipps. Henning impfte den Eltern zum Beispiel ein, niemals Namen und Adressen auf Schulranzen oder Jacken-Etiketten zu schreiben: „Wenn ich etwas Negatives vorhabe, weiß ich sofort, wie das Kind heißt und wo es wohnt. Das macht es für mich einfach, mein potenzielles Opfer anzusprechen, beziehungsweise es auf dem Nachhauseweg abzufangen“, erklärte Henning. Es sei besser, nur die Telefonnummer anzugeben. Finder könnten dann, wenn sie die Sachen zurückgeben wollten, anrufen.

Zudem sollten die Kleinen immer helle Klamotten tragen, stets den gleichen Schulweg zurücklegen und nie ohne Bescheid zu sagen zu Freunden mitgehen. So könnten Eltern in Notfallsituationen schnell herausfinden, ob ihre Kinder tatsächlich verschwunden seien und vermisst würden oder ob sie nur getrödelt hätten, empfahl Henning.

Um herauszufinden, ob die eigenen Kinder an Ängsten leiden oder sich bedroht fühlen, riet der Fachmann den Müttern und Vätern, sich Zeit für Gespräche zu nehmen. „Reden Sie jeden Tag mindestens fünfzehn Minuten unter vier Augen mit Ihren Sprösslingen“, appellierte Henning an die Eltern. Dabei solle darauf geachtet werden, ob das Kind es vermeide, über bestimmte Situationen oder Personen zu sprechen.

Der Selbstbehauptungskurs fand auf Initiative der zweifachen Mutter Ute Witkowski statt, deren jüngstes Kind demnächst in die Schule kommt. Die Lokale Arbeitsgemeinschaft Ottersberg des Jugendportals im Landkreis Verden und der Förderverein der ev. Christophorus-Kirchengemeinde haben die Teilnehmer finanziell unterstützt. · as

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