Die Arbeit der Streetworker mit Jugendlichen im Verdener Stadtgebiet / Simone Köppen berichtet

Statt ins Büro auf die Straße

Auch auf der Skateranlage waren Verdener Streetworker immer wieder aktiv.

Verden - (brm) Streit mit Mitschülern, Frust bei der Ausbildungssuche, Langeweile, Stress mit den Lehrern – Redebedarf haben Kinder und Jugendliche mehr als reichlich. Wenn Eltern als Ansprechpartner nur bedingt oder auch gar nicht greifbar sind, gibt es Kinder- und Jugendtreffs, die diese Aufgabe ergänzend übernehmen.

Junge Menschen, die den Weg in eine solche Einrichtung scheuen, müssen dort angesprochen werden, wo sich ein Großteil ihrer Freizeit abspielt – auf der Straße. Die wird dreimal pro Woche zum Arbeitsplatz von Simone Köppen und ihrem Kollegen Andreas Thieme. Die beiden sind das, was im ersten Moment nach Großstadt-Bronx klingt, sich aber längst auch in Kleinstädten etabliert hat: Sie sind Streetworker. Oder, wie es im Fachjargon heißt, in aufsuchender Straßen- und Sozialarbeit tätig.

„Beliebte Treffpunkte sind Schulhöfe, Spiel- und Bolzplätze“, erzählt Köppen. Eben dort regelmäßig Präsenz zu zeigen, sei ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. „Dass jemand Interesse an ihren Sorgen und Nöten hat, ist ein Teil der Jugendlichen nicht gewohnt“, erklärt die Sozialpädagogin.

Köppen und Thieme bleiben am Ball. Mal nur beobachtend, mal aktiv – je nach Bedarf. Was nicht in der Gruppe erörtert werden soll, kann auch im Einzelgespräch im Jugendzentrum besprochen werden, wo die Streetworker ihr Büro haben.

Hat ein Jugendlicher ein akutes Problem, reicht ein Blick auf die Visitenkarte, die unter den Jugendlichen verteilt wird. Während ihrer Dienstzeit sind die Streetworker stets mobil erreichbar, um notfalls schnell vor Ort zu sein.

Doch Anrufe gehen nicht ausschließlich seitens ihrer jungen Zielgruppe ein. Auch Anwohner der festen Treffpunkte haben mittlerweile Kenntnis von Köppens und Thiemes Arbeit. Schlägt der Geräuschpegel in den Abendstunden über das geduldete Maß hinaus, müssen die beiden auch schon mal vermitteln. „Wir appellieren meistens an ihr Einfühlungsvermögen“, so Köppen. „Das hat sich ganz gut bewährt, und führt relativ schnell zu Kompromissbereitschaft.“

Um dem Bewegungsdrang der Jugendlichen gerecht zu werden, hat sich vor acht Jahren zudem ein festes wöchentliches Sportangebot aus dem Streetwork entwickelt. Treffpunkt ist die Aller-Weser-Halle. Gespielt wird, was mehrheitlich gewünscht wird. Keiner muss, aber jeder kann erscheinen, wann immer ihm nach körperlicher Aktivität ist. Einzige Voraussetzung: Hallenschuhe an den Füßen.

„Das Angebot wird bewusst offen gehalten“, erzählt Köppen. „Viele kriegen in Vereinen kein Bein an den Boden, weil sie es in ihrer Situation nicht schaffen, einer Freizeitbeschäftigung kontinuierlich nachzugehen.“ Ein schmaler Geldbeutel sei oftmals ein weiteres Problem, und schon seien viele Kinder raus aus dem gemeinschaftlichen Sporterleben.

Neben körperlicher Ertüchtigung lernen die Jugendlichen über das Angebot auch Konflikte selbstständiger im Gespräch und nicht durch das Gesetz des Stärkeren zu lösen. „Wenn Neue in die Gruppe kommen, kriegen die meist sehr deutliche Ansagen, was die internen Regeln betrifft“, so die Streetworkerin. „Da müssen wir gar nicht mehr viel erklären.“

Die Sportgruppe findet außer in den Sommerferien für unter 13-Jährige freitags von 14.30 bis 17 Uhr und für Jugendliche ab 13 Jahren in der Zeit von 18 bis 20 Uhr statt. Telefonisch sind Simone Köppen und ihr Kollege Andreas Thieme unter 04231/800179 zu erreichen.

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