Kunstverein würdigt das Schaffen Helmuth Westhoffs / Starke Naturverbundenheit war der Motor seiner Kunst

Als er starb, zogen die Störche weg und kamen nie wieder

Auch Christian Modersohn ließ es sich nicht nehmen, die Westhoff-Retrospektive mit den vielen privaten Leihgaben, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind, zu genießen.

Fischerhude - (kr) · Mit einer beeindruckenden Ausstellung würdigt der Fischerhuder Kunstverein in Buthmanns Hof den unvergessenen Maler Helmuth Westhoff (1891-1977), der in seinem langen Leben in Fischerhude Spuren hinterlassen hat, die bis heute lebendig sind.

Bis zum 10. Januar sind Werke ausgestellt, die vornehmlich aus Leihgaben zu einer Bilderschau konzipiert wurden, die schon am Sonntag am Eröffnungstag ein von nah und fern angereistes Publikum begeisterte.

Insbesondere großformatige Portraits und stimmungsvolle Landschaften zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich, von denen einige noch persönlich mit dem Maler bekannt waren. Verschiedene Selbstportraits, bei denen Westhoff seinen Charakterkopf wundervoll plastisch herausarbeitete; Bilder seiner Schwester, bei denen die frappierende Ähnlichkeit zwischen den Geschwistern zu Tage trat, und Werke, in denen Westhoff seinen Lebenspartner Hellmut Müller-Celle verewigte, stehen sich in der Ausstellung gegenüber.

Nach Worten der Begrüßung durch Bürgermeister Horst Hofmann erinnerte bei der Ausstellungseröffnung Wolf-Dietmar Stock als Vorsitzender des Kunstvereins an Helmuth Westhoff, dem er wegen seines großen Naturverständnisses schamanische Sichtweisen zusprach. Stock betonte die Liebe des Künstlers zu Tieren. Auf dem strohgedeckten Haus am Speckmannweg, das die Mutter Westhoffs 1914 errichten ließ, nisteten sich nach Fertigstellung schnell Störche ein. Sie besetzten den Schornstein als Brutstätte – und legten damit die einzige Feuerstelle des Hauses lahm. Mutter Westhoff, nicht weniger naturverbunden, ließ kurzerhand einen zweiten Schornstein errichten und die Störche durften ungestört ihre Jungen aufziehen. Zur Verwunderung vieler Fischerhuder pflegte Helmuth Westhoff persönlichen Umgang mit den Störchen, die er als „Haustiere der Luft“ bezeichnete. Wie Wolf-Dietmar Stock waren auch viele andere Fischerhuder Zeuge, wie er mit den Tieren in einer geheimnisvollen Sprache sprach und diese ihm antworteten. Dieses Naturphänomen vollzog sich viele Sommer lang, bis Helmuth Westhoff 1977 starb. Da verließen die Störche das Nest und kehrten nie wieder an diesen Standort zurück.

Das Westhoffsche Haus steht noch immer. Versteckt unter riesigen Eichen, direkt am Fluss, ist es ein oft fotografiertes Zeitzeugnis einer vergangenen Malergeneration, denn dort entstanden viele Bilder, die heute in der Ausstellung zu sehen sind.

Helmuth Westhoff entstammte einer unkonventionellen Familie mit Sinn für Natur und Kunst. Die Kindheit der Westhoff-Geschwister Clara und Helmuth überschattete jedoch der tragische Tod des Vaters, als die Kinder noch klein waren. Clara studierte dann Kunst in München, ihr jüngerer Bruder tat es ihr nach und wurde Schüler bei Carl Weidemeyer und Otto Modersohn. Er folgte Otto Modersohn nach Fischerhude und griff dessen Anregung auf, sich in Berlin fortzubilden. Bei Lovis Corinth studierte er 19-jährig Akt- und Portraitmalerei, vermisste dort aber die Weite der Landschaft und den direkten Zugang zur Natur. Einem Studium an der Académie Julien in Paris gingen Lehrjahre bei Hermann Groeber in München voraus. Auch der Berliner Maler Leo von König bewirkte, dass sich die Kunst Helmuth Westhoffs vertiefte. Es enstanden Bilder voll Intensität und Tiefe, die Kunstfreunde bis heute faszinieren und berühren.

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