Literaturfest-Finale rund um die Stadthalle / Hochkarätiges und noch viel mehr

Die Sprache kunstvoll in Poetry Slam verpackt

Gerhard Henschel las aus seinem „Liebesroman“, Abschluss einer Triologie.

Verden - (ahk) · Den literarischen Pulsschlag der Zeit sollte das Publikum beim großen Literaturfest-Finale rund um die Stadthalle zu spüren bekommen. Zuvor hatte sich das von der VGH-Stiftung organisierte Fest bereits in rund 30 Veranstaltungen in Niedersachsen mit Musik, Lyrik und Prosa dem stilvollen Feiern der vergangenen Jahrhunderte gewidmet.

Eine große Sause sollte diese Abschlussveranstaltung werden, und die Stargäste versprachen auch einen Literaturgenuss allererster Güte. Musikalisch eingestimmt wurden die Gäste durch das Trio Sax & Schmalz, anschließend folgte eine kurze Lesung mit dem Schauspieler Henning Nöhren.

Dann teilte sich das Publikum in drei Gruppen und startete zur Wandellesung, die in der Stadtbibliothek, im kleinen Saal der Stadthalle und im Café Kult stattfand. Alle drei Gruppen konnten bei diesem Rundlauf das ganze literarische Programm erleben

In der Stadtbibliothek las der Ingeborg-Bachmann- Preisträger Tilmann Rammstedt aus seinem Debütroman „Erledigungen vor der Feier“. Brillant skizziert er ein Paar, dessen Zusammenleben sich, aus Furcht vor einer Liebesbeziehung, auf unverbindliche Rituale beschränkt. Groß ist die Irritation der beiden nach der Nacht, in der sie „aufhörten, nicht miteinander zu schlafen“.

Im kleinen Saal der Stadthalle las der ehemalige Redakteur des Satire-Magazins Titanic, Gerhard Henschel, aus seinem „Liebesroman“, der den letzten Teil der Martin-Schlosser-Trilogie bildet. „Dieser Roman ist zu 120 Prozent autobiographisch“, sagte Henschel zu Beginn. Amüsant und mit teilweise deftigen Worten beschreibt er, wie der Teenager Martin Schlosser, der in der niedersächsischen Kleinstadt Meppen zuhause ist, die teils spießige, teils traumatische goldene Hochzeit seiner Großeltern erlebt.

So richtig zur Sache ging es im Café Kult bei einem Poetry Slam mit Bas Böttcher, Franziska Holzheimer und Frank Klötgen. Die drei jungen Poeten lasen die Texte nicht nur, sondern spielten sie mit ihrem ganzen Körper. Besonders Bas Böttcher beeindruckte. Die Texte des gebürtigen Bremers erscheinen bereits in wichtigen Anthologien, wie zum Beispiel im Jahrbuch der Lyrik. Der Sprachvirtuose ließ die Silben förmlich auf seine Zuhörer prasseln. In seinem Gedicht „Nach dem Loop“, beschrieb er mit immer neu aneinander gereihten Silben die Endlosschleife des täglichen Lebens. Hier wird Sprache zur Kunst.

Im großen Saal der Stadthalle fanden sich wieder alle zur letzten Lesung des Literaturfestes zusammen. Der aus Fernsehserien wie „Der Elefant – Mord verjährt nie“ oder „Tatort“ bekannte Schauspieler Thomas Sarbacher las aus dem furiosen 20er-Jahre-Roman „Parties“ von Carl van Vechten. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme nahm Sarbacher die Zuhörer mit in das New York der „Roaring Twenties“. Er las von wilden Parties, Alkoholexzessen, mysteriösen Todesfällen und einer kauzigen deutschen Gräfin, die der Öde ihres Daseins durch die Bekanntschaft mit einem Schwarzbrenner zu entfliehen versucht.

Nach so viel hochkarätiger Literatur gaben Sax und Schmalz schließlich mit heißen Sambarhtythmen den Auftakt zu einer langen Tanznacht.

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