„De arme Ridder“ war ein Volltreffer

Spezielle Charaktere mit Kalauern

Paula (Birte Kretschmer) und Ludwig (Wilfried Dziallas) im Zwiegespräch.

Verden - VERDEN (nie) · Zwei Stunden exzellente Unterhaltung, teils prustendes Gelächter, aber auch nachdenkliche Gesichter und am Ende verdienter Applaus von den Zuschauerrängen der Verdener Stadthalle. Das Ohnsorg-Theater landete mit „De arme Ridder“, der plattdeutschen Variante von Stefan Vögels Komödie „Der arme Ritter“, einen Volltreffer.

Das von Adelheid Müther teils turbulent, teils melancholisch inszenierte Stück, wurde vom Ohnsorg-Theater für die aktuelle Tournee gewählt, die das Ensemble auf Einladung von „De Plattdütschen in'n Kreis Veern“ in die Allerstadt geführt hatte.

Wie es aussieht, bedürfen die gängigen Vorstellungen vom Leben im Altersheim dringend der Überprüfung. Womöglich dämmern dort keineswegs senile Senioren apathisch vor sich hin. In der Residenz „Freudenau“ jedenfalls geht es teils höchst vital-rappend zu, wo man doch vermuten möchte, dass sich die Bewohner beim Kamillentee abgestandene Animositäten zuraunen.

Der verarmte Ritter Ludwig Bernhard Freiherr von Schwitters-Elblingen (Wilfried Dziallas), ehemaliger Leiter einer Eliteschule, verlebt seine alten Tage nicht im Schloss seiner Ahnen, sondern in der Seniorenresidenz „Freudenau“, wo er Mitbewohner wie Personal kräftig auf Trab hält. Abwechslung ins tägliche Einerlei der Altersresidenz bringt der Sonntag, wenn sich Elisabeth (Uta Stammer), Norbert (Peter Wohlert) und Franz (Mogens von Gadow) im Zimmer des ehemaligen Schlossbesitzers und Vorstehers einer Eliteschule treffen und sich bei einer launigen Partie „Trivial Persuit“ die Zeit vertreiben. Natürlich hat jeder von ihnen seine Eigenheiten, was gelegentlich zu kleinen Nörgeleien und Streitigkeiten führt, der innigen Freundschaft des Quartetts aber keinen Abbruch tut.

Immer wieder sonntags gönnt sich der überaus gebildete Ritter Ludwig außerdem einen besonderen Luxus: Er lässt sich sein Mittagessen aus dem Gasthof anliefern. Auch mit dem Lieferjungen, einem Medizinstudenten, der für ihn manch privaten Botengang erledigt – hat Ludwig im Laufe der Zeit Freundschaft geschlossen. Wie groß ist daher seine Enttäuschung, als ihm an diesem Sonntag eine leicht verwahrlost wirkende Frau sein Essen bringt. Die Botin jedoch lässt sich von Ludwigs unfreundlicher, abweisender Art nicht abschrecken. Und nach und nach findet auch der Ritter großen Gefallen an der äußerst wissbegierigen und lernfreudigen Paula (Birte Kretschmer) ...

Dieser „De arme Ridder“ ist Volkstheater auf höchstem Niveau und – obwohl es viele Lacher und allerlei Nonsens bietet – frei von jeglicher Tumbheit. Den Schauspielern ist ein Theaterstück gelungen, mit dem sie virtuos die Waage zwischen Poesie, alltäglicher Tragik und bittersüßer Situationskomik halten. Gezeigt werden sechs sehr spezielle Charaktere, die an den intelligent verwobenen Handlungssträngen ziehen. Mit vielen Kalauern und Wortverdrehereien wurden darüber hinaus die Lachmuskeln der Zuschauer strapaziert.

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