Fortsetzung im Totschlagsprozess gegen Dirk K. aus Schwarmstedt

Skeptische Mantrailing-Expertin

Verden - (wb) · Nach zweiwöchiger Verhandlungspause wurde gestern am Landgericht Verden der Totschlagsprozess gegen Dirk K. aus Schwarmstedt fortgesetzt. Gehört wurde eine Sachverständige aus der Schweiz. Dr.

Melanie Zähner gilt als Expertin für das Mantrailing, die Menschensuche mit speziell ausgebildeten Hunden. Diese war vielfach erfolgreich. Im Fall Simone Müller sollen die Hunde die Spur der Getöteten und die des Angeklagten zwei Jahren nach der Tat nachverfolgt haben. Ist das möglich?

Die Sachverständige hält das für unwahrscheinlich. Zu Beginn des ersten Verhandlungstages nach der Entlassung von Dirk K. aus der Untersuchungshaft hatte man ihr ein Video von der Spurensuche in Wunstorf und Hannover gezeigt. Was man sah, war für die Expertin wenig überzeugend.

„Ein gut ausgebildeter Mantrailer läuft zielstrebig“, so die Schweizerin. Er habe die Nase am Boden, seine Körperhaltung zeige, dass er eine Spur verfolge, der Hundeführer halte den Hund an einer straffen Leine. Eine Belohnung gebe es nie zwischendrin. Sie nannte viele solcher Kriterien, die jedoch nicht dem entsprachen, was in dem Video zu sehen war. „Das wirkte mehr wie ein Spaziergang“, fand auch der Staatsanwalt.

Man geht davon aus, dass die Hunde die Spur über Hautschuppen finden. Diese sollen sich während der Fahrt vom angenommenen Tatort in Hannover zum Fundort der Leiche in Wunstorf über die Lüftungsanlage des Autos verteilt haben. Ob es gesicherte Kenntnisse über die Langlebigkeit von Geruchsspuren gibt, wollte der Staatsanwalt wissen. Nein, das sei von Umweltfaktoren abhängig. „Meine älteste Fährte war drei Wochen alt“, so Zähner, die in den USA von Polizeihunde-Profis ausgebildet wurde und 1995 das Mantrailing nach Europa brachte.

Keineswegs überzeugend war für sie die „Mützen-Spur“. Man hatte einem Hund den Duftstoff einer Kappe des Angeklagten als Spur vorgegeben. Gestartet wurde einen Kilometer entfernt vom Fundort der Leiche, auf der Strecke, die andere Hunde auf Grund des Duftes der Getöteten gefunden hatten. „Wir wissen nicht, wann der Angeklagte dort war, zwei Jahre oder einen Tag zuvor“, so die Sachverständige. Ein Ermittler der Polizei warf ein, dass der Angeklagte in drei Vernehmungen geleugnet hatte, jemals dort gewesen zu sein.

Das Gericht wirkte wenig überzeugt von den Mantrailing-Spuren. Es musste sich außerdem wegen der Entlassung des Angeklagten aus der Untersuchungshaft Kritik vom Nebenklage-Anwalt anhören. Die Entlassung war damit begründet worden, dass nach der bisherigen Beweisaufnahme kein dringender Tatverdacht mehr bestehe. Rechtsanwalt Matthias Waldraff bezeichnete die Bewertung durch das Gericht als „einseitig und höchst selektiv“ zu Gunsten des Angeklagten.

Er beantragte die Ladung weiterer Zeugen. Darunter die getrennt lebende Ehefrau des 39-Jährigen. Diese könne von seiner Neigung, „exzessive Gewalt auszuüben“ berichten. Sie sei von ihm gewürgt und geschlagen worden. Eine weitere Frau soll 1994 von dem Angeklagten vergewaltigt worden sein. Das Gericht hat über die Anträge noch nicht entschieden. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

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