Lagerstättenwasserleitung der RWE Dea: Gemeinderat verabschiedet Resolution

„Skandalös, nicht akzeptabel“

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Die Öffentlichkeit ist alarmiert. Die Bürger machten ihrem Unmut bei einer Demonstration in Völkersen bereits Luft. Auch die Gemeinde Kirchlinteln will sich positionieren. ·

Kirchlinteln - „Die Öffentlichkeit hat bisher nicht ausreichend wahrgenommen, welche Haltung wir zur Lagerstättenwasserleitung der RWE Dea haben“, so Bürgermeister Wolfgang Rodewald in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstag im Gemeindehaus Wittlohe. „Um es auf den Punkt zu bringen: Wir finden es skandalös und nicht akzeptabel, was da passiert.“ Hintergrund dieser Äußerung war ein Antrag der Grünen-Fraktion, eine Resolution zum Thema zu verabschieden.

Immer wieder ist diese Leitung in den vergangenen Wochen Thema in den Gremien und in der Verdener Aller-Zeitung gewesen. RWE Dea nutzt sie im Zusammenhang mit der Gasförderung in Völkersen von Walle durch die zur Gemeinde Kirchlinteln gehörende Gemarkung Holtum-Geest weiter nach Scharnhorst.

„Sie führt dabei durch die Wasserschutzzone III, mit überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen, ganz nahe entlang der Grenze zur Wasserschutzzone II, bis zur Stelle der Verpressung im Wasserschutzgebiet Panzenberg des Trinkwasserverbandes Verden, wo noch bis vor wenigen Wochen benzolhaltiges Lagerstättenwasser über die Polyethylen-Rohre dorthin geleitet und über Stahlrohre in die Tiefe verpresst wurde“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Frank-Peter Seemann, den Hintergrund des Antrags.

„Beim Transport des Lagerstättenwassers sind bereits Schadensfälle in Form von Diffundierungen der Rohre und des Austritts der benzolhaltigen Flüssigkeit durch die Rohrwand in das feuchte Erdreich eingetreten.“ Die größte Sorge besteht im Zusammenhang mit dem Verpressen des Lagerstättenwassers im Wasserschutzgebiet. „Die Bedeutung dieser Umweltgefahr insbesondere für den Trinkwasserschutz und auch für die heimische Landwirtschaft ist offenkundig“, so Seemann.

Einstimmig für den

Grünen-Antrag

Die Öffentlichkeit ist alarmiert, gerade kürzlich haben fast 700 Bürger in Völkersen gegen den Transport des Lagerstättenwassers und für eine Reinigung der Abwässer an der jeweiligen Bohrstelle demonstriert.

„Was wir mit der RWE Dea erlebt haben, kann einen nur fassungslos machen“, sagte Richard Eckermann, Fraktionsvorsitzender der SPD, während der Gemeinderatssitzung. Auch Günter Lühning, Fraktionsvorsitzender der CDU und nach eigener Aussage gar kein grundsätzlicher Fracking-Gegner, machte deutlich: „Was da passiert ist, ist eine Sauerei. Und sie betrifft die gesamte Region.“

Der Gemeinderat fordert in der einstimmig verabschiedeten Resolution von der RWE Dea „die in der Gemarkung Holtum (Geest) verlegten Rohrleitungen nicht etwa – wie zunächst beabsichtigt – nur zu spülen, zu molchen, an den Enden zu verschließen und im Boden zu belassen, sondern rückstandslos aus dem Boden zu entfernen und den Bodenzustand im Hinblick auf eine mögliche Schadstoffbelastung so wiederherzustellen, wie er vor der Verlegung vorhanden war.“ Zweitens: „die Rohre nicht wieder für den Transport von benzolhaltigem Lagerstättenwasser zu verwenden, sondern umweltgerecht zu entsorgen.“ Drittens: „den Antrag an das LBEG auf Zulassung der Neuverlegung einer Lagerstättenwasser-Feldleitung durch die Gemarkung Holtum (Geest) schriftlich zurückzunehmen und sich so von dem Vorhaben deutlich zu distanzieren.“ Und viertens „das Verpressen von Lagerstättenwasser im Wasserschutzgebiet Panzenberg umgehend vollständig und endgültig einzustellen und das benzolhaltige Lagerstättenwasser industriell zu entsorgen.“

„Wir Holtumer fühlen uns, offen gesagt, verarscht. Zu keinem Zeitpunkt hat uns das Unternehmen über seine Verfahren angemessen informiert“, sagte SPD-Ratsmitglied Monika Häfker am Rande der Sitzung. · rei

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