150 Oldtimer rollten gestern durch Achim

„Sitzt wie auf einem Sofa . . .“

Kreiszeitung Syke

Achim - ACHIM. „Sie sehen so amtlich aus. Wissen Sie, wo es hier eine Toilette gibt?“, eine Frau, sicherlich soeben einem Oldtimer entschlüpft, steht vor Hans Busch.

Der noch amtierende Schützenkönig Achims wartet mit seiner in der Sonne blitzenden Königskette um den Hals vor dem Rathaus. Er ist einer von neun Fahrern, die gestern spontan an der Rallye „Bremer Oldtimer Classics“ teilnehmen durften. Mit seinem 220er Mercedes, Baujahr 1952, und der Damenkönigin Elfriede Wegner nutzt er die Gelegenheit, um ein wenig Werbung zu machen für seinen Schützenverein.

Auf dem Platz vor der Stadtbibliothek stimmt derweil Andreas Schamayan auf die „Bremer Oldtimer Classics“ ein. Der Moderator von Radio Bremen eins führt ein kurzes Interview mit Christine Galle von der Stadt Achim und Marktmeister Manfred Masanek. Beide haben den Stopp zur letzten Etappe der rund 150 Oldtimer vor der Weiterfahrt nach Bremen organisiert.

Der Mann vom Radio erklärt, was auf die Zuschauer zurollt. Ein Zeitmessen – fünfzig Meter in zehn Sekunden sollen der Alfa Romeo 1750 GS Kompressor aus dem Jahre 1933, der Ford A 40 anno 1927, die zahlreichen MGs, die Porsches verschiedener Baureihen und die anderen Ü-30-Modelle möglichst genau zurücklegen, bevor sie eine Lichtschranke passieren. Später, im „Park Hotel“ in Bremen, würden die Ergebnisse per Computer ermittelt. „Da geht es um Zehntelsekunden und Pokale“, weiß Andreas Schamayan.

Die Achimer Feuerwehr leitet die Fahrer in die Fußgängerzone. „Geht das da vorne nicht schneller? Wir haben schon einen Stau, der bis an die Uesener Kreuzung reicht“, sagt die junge Feuerwehrfrau gerade in ein Sprechfunkgerät. In der Tat, in der Fußgängerzone stehen die Oldtimer Stoßstange an Stoßstange, bevor sie an der Reihe sind, um die erste Zeitschranke zu durchfahren. Es knattert und dröhnt, manchmal kommt es zu einer Verpuffung. Es riecht nach Öl. Dahinten holt jemand einen Benzinkanister hervor, um seinen alten Schluckspecht aus Chrom zu füttern.

In der Menge ist der Tatra 603 von Uwe Engberts zu entdecken. Auch Johann Bruno, der die Rallye-Fahrt gewonnen hatte und der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Bernd Junker, machen einen zufriedenen Eindruck. „Man sitzt im Tatra wie auf einem Sofa in der guten Stube“, beschreibt Gewinner Johann Bruno sein Rallye-Erlebnis, das ihn auch durch Oyten und Thedinghausen führte. Irgendwann passiert auch er an diesem Nachmittag im 1960 erbauten Auto die Lichtschranke, um die letzten 40 Kilometer in die Hansestadt unter die Räder zu nehmen. Zu dieser Zeit hat Hans Busch schon lange die schwere Königskette abgenommen.

Von Anke Ullrich

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