Puhdys gaben in der ausverkauften Stadthalle alles / Rockballaden kamen besonders gut

Aus Sitz-Session wurde Steh-Party

Verden - (nie) · Ost-Rock scheint rundum wirksam bei Winterdepressionen: Bei frostigen Außentemperaturen heizte die legendäre Kultband Puhdys ihrem Publikum mächtig ein, und in der Verdener Stadthalle ging ganz gewaltig die Post ab.

Die ersten Fans formierten sich schnell zum Tanz zwischen den Stuhlreihen, denn wie sangen die da oben doch später?: „Das Leben ist kurz“, wie auch ein Puhdys-Konzert.

Sonnabend, 20.08 Uhr. Der erste Song, „Königin“, war gespielt, da rief einer der dienstältesten Rocker Deutschlands, Dieter „Maschine“ Birr, „Hallo Verden. Es ist schön, dass wir hier bei euch sind“, in die rappelvollen Zuschauerränge und kitzelte auch prompt die erste Begeisterungswelle heraus. Nun erklärte „Maschine“, weshalb die Bühne nur spärlich – für Verdener Verhältnisse war selbst das noch gigantisch – mit Technikmaterial ausgestattet war und warum die Musiker wie Hühner auf der Stange nebeneinander auf Barhockern saßen.

Maschine, Quaster und Co. sind auf Unplugged-Tour. „Wir haben nur unser Folklore-Besteck mit“, hieß es, was angesichts von halbakustischen Gitarren, E-Bass, Keyboards, meterlangen dicken Kabelsträngen und einer wummernden Verstärkeranlage natürlich maßlos untertrieben war. Sei's drum. Das Publikum scherte derlei „Peanuts“ wenig, viel wichtiger, dass die Klänge der Ur-Puhdys Dieter Birr (Gesang, Gitarre), Dieter „Quaster“ Hertrampf (Gitarre, Gesang), Peter „Eingehängt“ Meyer (Keyboard, Saxophon), Klaus Scharfschwerdt (Puhdy seit 1979) und Peter „Bimbo“ sowie der beiden Nesthäkchen Konrad und Florian trotzdem rüber kamen. Unplugged im Geiste quasi.

An den Seiten und hinter der letzten Sitzreihe drängten sich die Dauertänzer,

▪ Ost-Rock gegen

▪ Winterdepression

während die älteste Boygroup der Republik mit spürbarer Begeisterung am eigenen Tun durch den Abend rockte. Ganz nah dran am Publikum, aber niemals distanzlos, spielten sie sich quer Beet durch ihre Alben der vergangenen Jahrzehnte, spielten Ohrwürmer, aktuelle Lieder und auch ein paar Songs, die erst 2011 auf einer neuen CD erscheinen.

Zwischendurch unterhielt „Maschine“ das Publikum mit schnoddrigem Berliner Charme. Wie es kommt, dass das Publikum manchmal glaubte, die Puhdys gäbe es erst seit zehn Jahren? „Die Leute urteilen halt nach dem Aussehen.“ Dann die musikalische Verbeugung vor den Fans, mit dem Titelsong „Abenteuer“ vom gleichnamigen Album. „Wir wollen uns nicht fügen, immer noch nicht erwachsen sein. Wir wollen die Zeit betrügen und immer wieder mit euch zusammen sein.“ Die Puhdys sangen von alltäglichen Freuden und Sorgen, von Liebe und Sehnsucht, geplatzten Träumen und manchmal von Wut im Bauch. Sie machten aus ihrem Herzen keine Mördergrube und erreichten so die Gefühle der Menschen. Geradezu, schonungslos und echt, so dass sich das in großer Seelengemeinschaft anfühlte.

Besonders dann, wenn Feuerzeuge aufblitzten und sich alle im Takt zu den Kulthits bewegten. Die Kontraste hätten kaum krasser sein können: Rockballaden wie „Hiroshima“ oder „Das Buch“ gingen schließlich tief unter die Haut, doch als die Puhdys gar ihren alten „Drachen“ steigen ließen, gab es kein Halten mehr. Aus der für viele Fans ungewohnten Sitz-Session wurde schlagartig eine Steh-Party. Jetzt kochte die Halle. Ohne Zugaben wurden die Berliner natürlich nicht von der Bühne gelassen. Das Publikum verfolgt seine Band schließlich „Auf Lebenszeit“, und vielleicht sogar noch darüber hinaus. Ein bedenkenswerter Abend in der ausverkauften Stadthalle.

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