Harry Payuta trifft bei Konzert in Fischerhude auf treue Fangemeinde

Sitar-Star in alter Heimat

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Harry Payuta gab ein viel beklatschtes Konzert in seiner Lebensabschnittsheimat Fischerhude. ·

Fischerhude - „Es ist kalt hier, kann mal jemand die Heizung andrehen?“, scherzte Harry Payuta am Samstagabend zum Auftakt seines Konzerts in der Fischerhuder Galerie Dorfbuchhandlung. Die Heizung lief angesichts der Temperaturen von minus 11 Grad natürlich auf Hochtouren.

Dennoch fröstelte der Sitar-Spieler und Multi-Instrumentalist – und verzichtete entgegen seiner sonstigen Gewohnheit darauf, barfuß auf die Bühne zu treten. Frisch zurück von einem sechsjährigen Aufenthalt im mittelamerikanischen El Salvador mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad überraschte Payuta in seiner früheren Lebensabschnittsheimat Fischerhude ein kleiner Klimaschock.

Die Umstellung auf den mitteleuropäischen Winter hinderte ihn jedoch nicht, leidenschaftlich in die Saiten seiner indischen Sitar zu greifen, ganz so, wie seine zahlreichen Fans es von ihm erwarteten. Elektrisch verstärkt, spielte er sich schnell warm und ließ ein paar neue Songs hören, die er noch in El Salvador für sein 9. und 10. Album komponiert und produziert hat.

Heitere Arrangements, flüssig und rhythmisch gespielt, vermittelten dem fasziniert lauschenden Publikum eine Ahnung von der heiteren Musik, die Indien als Heimat der Sitar charakterisiert. Mal lockend, mal zirpend, dann wieder jubelnd, entlockte Payuta, der gegenwärtig weltweit zu den außergewöhnlichsten Sitar-Spielern gehört, seinem Instrument eine abwechslungsreiche Klangfülle, die orchestrale Qualitäten hat.

Mit dem elektrifizierten Sound, der der Sitar nichts von ihrer instrumentalen Klangfülle nimmt, sondern sie im Gegenteil hervorhebt, hat Harry Payuta diesem außergewöhnlichen Instrument einen neuen Platz in der westlichen Popularmusik verschafft. Songs wie „Take you home“ oder „New Rides of the furios Swampriders“, die er mit Deborah Harry (Blondie) aufnahm, spielte der Instrumentalist ganz pur, was beim Publikum große Begeisterung hervorrief.

Ein akustischer Ausflug in die indische Video- und CD-Produktion „Gavantri Mantra“ mit der indischen Popsängerin Raveena gab eine Ahnung davon, welchen Stellenwert die Sitar bei angesagten Musikern unterschiedlichster Stilrichtung hat.

In San Salvador, das er vor einigen Monaten verlassen hat, um sich in Deutschland neu zu orientieren und möglicherweise danach nach Spanien ins Baskenland aufzubrechen, hat Payuta immer wieder mit einheimischen Musikern zusammengearbeitet. Er nahm ihre typischen Einflüsse in sein Repertoire auf, verfeinerte sie und brachte dabei immer wieder die Sitar zum Einsatz, die es so in Mittelamerika nicht gibt. Großen Wert legt der Weltmusiker darauf, keine überlieferten musikalischen Klischees zu bedienen. Waren Rawi Shaluka und George Harrison auch Vorreiter in Sachen Pop-Musik mit der Sitar, so war und ist es Payuta dennoch wichtig, Rock und jazzige Anklänge einzubringen und zu einem großen Ganzen zeitgemäß zu verschmelzen und zu interpretieren. Der Applaus gab dem Musiker bei dem Konzert für seine Experimente Recht. In der Pause galt es viele Hände von Bekannten zu schütteln und Fragen nach seinen Zukunftsplänen zu beantworten. · kr

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