Stiftung Leben und Arbeiten weihte „Ambulant Betreutes Wohnen“ in Fischerhude ein / Bellmanns sind die „Pioniere“

„Sich bewähren statt bewahrt werden“

Viel Spaß und Bewegung wünschte Heimleiter Stefan Bachmann mit zwei symbolträchtigen Windrädern dem Ehepaar Monika und Christian Bellmann, das als Pioniere des „Ambulant Betreuten Wohnens“ aus dem Parzival-Hof in die erste eigene Wohnung umgezogen ist. Gestern wurde das neue Wohnbetreuungskonzept in Fischerhude feierlich eingeweiht.

Fischerhude - (pee) · Sekt, Häppchen, Blumen, klassische Musik und ein Paar inmitten einer freudig aufgeregten Gästeschar im Garten – ahnungslose Fischerhude-Bummler hätten gestern Vormittag am Buthmanns Hof auf eine Hochzeit getippt. Aber verheiratet sind Monika und Christian Bellmann schon seit zwei Jahren. Gefeiert wurde gestern der Bezug ihrer ersten eigenen Wohnung.

Die beiden Betreuten des Quelkhorner Parzival-Hofs sind umgezogen in eigene vier Wände und sie sind damit als „Wohnpioniere“ die ersten Nutzer des Angebots „Ambulant Betreutes Wohnen“ der Stiftung Leben und Arbeiten für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.

Nach zwei Jahren Vorbereitung im „stationären Trainingswohnen“ im Inselhaus des Parzival-Hofs verließen Monika (27) und Christian (36) Bellmann im Mai die behütete Rund-um-die-Uhr-Betreuung und zogen in ihre von der Stiftung Heimathaus in Fischerhude gemietete schnuckelige Dachgeschoss-Wohnung im Nachbarhaus des Buthmanns Hof.

Sie regeln ihren Alltag nun weitgehend selbstständig – mit stundenweiser Unterstützung und Begleitung durch Julie Pawel, auf dem Parzival-Hof Leiterin des „Trainingswohnens“ und des „Ambulant Betreuten Wohnens“. „Selbst einkaufen, allein zum Arzt gehen und erkennen, wann man Hilfe braucht – aber nicht bei jeder Kleinigkeit“, schilderte Monika Bellmann die Herausforderungen ihrer neuen Wohn- und Lebenssituation. „Wir sind ein Ehepaar, wir wollen allein sein und unsere Ruhe haben“, betonte sie. Eigentlich sei eine Vierer-WG geplant gewesen – aber das hätte er nicht mitgemacht, ergänzte ihr Mann Christian energisch.

Die offizielle Eröffnung des Angebots „Ambulant Betreutes Wohnen“ übernahm Stefan Bachmann, Heimleiter auf dem Parzival-Hof. Beim neuen Zauberwort „Ambulant vor stationär“ kriege der Sozialhilfe-, also der Kostenträger immer einen ganz verklärten Blick, während sich die Betreuungseinrichtung frage: „Wie sollen wir das machen?“, sagte Bachmann, der kurz Chancen und Risiken des „Ambulant betreuten Wohnens“ beleuchtete und zu dem Schluss gelangte: „Wir sind froh, dass wir das Wagnis eingegangen sind.“ Denn: „Jemand, den ich bewahre, kann sich nicht bewähren“, zitierte Bachmann. „Wir wollen, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen die Chance haben, so selbständig wie möglich zu leben – mit den notwendigen Hilfen.“ Den beiden Bellmanns überreichte Bachmann zwei symbolhafte Windräder mit Aufforderungscharakter – für selbst zu initiierende Bewegung.

„Wir gehen den Weg des begleiteten Wohnens mit“, bekräftigte Bernd Dannheisig, Leiter des Fachdienstes Soziales beim Landkreis Verden, „damit jeder so leben kann, wie er möchte und es ihm möglich ist.“

Gerhard Behrens sprach sein Grußwort nicht als Ortsbürgermeister, sondern namens der Stiftung Heimathaus eher als Vermieter: „Wir sind froh, euch beide als Mieter zu haben, und glauben, dass wir die Wohnung langfristig zwei jungen Leuten zur Verfügung stellen, die für sich in Fischerhude eine Perspektive entwickeln.“ Und das übrigens „an einem der schönsten Flecken Norddeutschlands...“.

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