Adolph Kolping vor 200 Jahren geboren / Auch Verdener in seinem Sinn aktiv

Seelsorger mit Bodenhaftung

+
Emanuel Gründl ist geistlicher Leiter der Kolpingsfamilie Verden.

Verden - „Das Christentum ist nicht bloß für die Kirche und für die Betkammern, sondern für das ganze Leben“, dieses Zitat von Adolph Kolping ist bezeichnend für die Lebenseinstellung des deutschen Theologen.

Auch heute noch steht das von ihm gegründete Kolpingwerk für praktizierte Nächstenliebe und soziale Verantwortung. In diesem Jahr feiern Kolpingsfamilien in aller Welt den 200. Geburtstag ihres Gründervaters. Auch in Verden gibt es eine Kolpingsfamilie, die sich voller Hochachtung an ihr Vorbild erinnert.

Die 1955 gegründete Gemeinschaft umfasst heute 46 Mitglieder. Emanuel Gründl und seine Frau Elisabeth gehören seit 25 Jahren dazu. Seit 2005 übernimmt Gründl in der Kolpingsfamilie die Aufgabe des pastoralen Begleiters, im vergangenen Jahr wurde er zum geistlichen Leiter ernannt, eine Funktion, die eigentlich Priestern vorbehalten war. „Heute hat sich das geändert, da es immer weniger Priester gibt“, erklärt Gründl.

Das von Kolping entwickelte Programm habe auch im 21. Jahrhundert nichts von seiner Gültigkeit verloren, sagt er. Kolping sei kein biederer Pfarrer gewesen, sondern ein „Pionier des sozialen Katholizismus, zäh und realistisch, ein Seelsorger mit Bodenhaftung“.

Dabei war dem Sohn eines Schäfers die geistliche Laufbahn keinesfalls in die Wiege gelegt. Zwar hatte er schon früh den Wunsch, einen geistlichen Beruf zu ergreifen, doch sein Vater hatte kein Geld, um ihm den Besuch einer höheren Bildungsanstalt zu ermöglichen.

So kam Adoph Kolping als 13-Jähriger zu einem Schuster in die Lehre. Doch auch nach bestandener Gesellenprüfung fand er sich nicht mit seinem Schicksal ab, war überzeugt, zu „Höherem“ berufen zu sein, gab seinen Traum nicht auf.

Ein benachbarter Pfarrer gab ihm schließlich Unterricht in Latein. Als 24-Jähriger drückte Kolping noch einmal mit zwölfjährigen Jungen die Schulbank. Unter großen Entbehrungen meisterte er sein Studium.

Sein Traum schien sich zu erfüllen, als er 1845 zum Priester geweiht wurde und in Wuppertal-Elberfeld seine erste Stelle als Kaplan antrat. Doch vor den sozialen Gegensätzen konnte er nicht die Augen verschließen. „Es schockte ihn, dass hier die Höchstleistungen des industriellen Fortschritts und das nackte Elend in den Arbeitersiedlungen unvermittelt aufeinander trafen. Er begann, sich über die frommen Phrasen mancher Prediger und das Fassadenchristentum der satten Bürger zu ärgern“, berichtet Gründl.

Schließlich machte er die Bekanntschaft des Lehrers Johann Georg Breuer, der kurz zuvor einen Gesellenverein gegründet hatte. Im Wirken für diesen Verein, dessen Präses (geistlicher Leiter) er 1847 wurde, erkannt er seine eigentliche Berufung. Denn die Handwerksgesellen litten am meisten unter den Folgen der Industrialisierung, da sie nun nicht mehr im Hause des Meisters leben konnten, sondern sich als Lohnarbeiter durchschlagen mussten.

Kolpings Ziel war, den jungen Handwerker durch so genannte Gesellenhäuser eine Heimat zu geben und ihnen berufliche Fortbildung, religiöse Bildung und die Vorbereitung auf Ehe und Familie zu ermöglichen.

1849 gründete Kolping in Köln den ersten katholischen Gesellenverein, den Vorläufer der heutigen Kolpingsfamilie. Heute hat das Kolpingwerk 380 000 Mitglieder und ist in über 60 Ländern der Erde vertreten.

Die Mitgliedschaft besteht mittlerweile aus Personen aller Berufs- und Altersgruppen. Mit zahlreichen sozialen Projekten hilft das Kolpingwerk notleidenden Menschen in aller Welt. Auch die Verdener Kolpingsfamilie bittet zum Beispiel um Kleiderspenden, um mit dem Erlös den Bau von Brunnen und Zisternen in Nordost-Brasilien zu fördern. · ahk

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Kraxeln in der Sächsischen Schweiz 

Kraxeln in der Sächsischen Schweiz 

So gelingen Einsteigern tolle Fotos

So gelingen Einsteigern tolle Fotos

Das bringen Foldables

Das bringen Foldables

Fotostrecke: Joe Bryant und sein Weserstadion aus Lego

Fotostrecke: Joe Bryant und sein Weserstadion aus Lego

Meistgelesene Artikel

Hoffest „In Rieda“ lockt zahlreiche Besucher 

Hoffest „In Rieda“ lockt zahlreiche Besucher 

Schweißtreibende Ritterkämpfe beim Mittsommerfest am Domherrenhaus

Schweißtreibende Ritterkämpfe beim Mittsommerfest am Domherrenhaus

Kommentare