Laienschauspieler des TB Uphusen boten Schwank / „Wi goot mit de Tiet, aber wi goot in uus Tempo“

Sechsmal restlos ausverkauft

Die Geschwister Gerhard und Brigitte Wittenbrock lassen sich hier von Rentner Borgelt unterhalten.

Achim - UPHUSEN (cwa) · Sechsmal führten die Laienschauspieler des TB Uphusen in den vergangenen Tagen in Haberkamps großem Saal den plattdeutschen Schwank „Unwedder över Flakenbrook“ auf. Sechsmal waren die Aufführungen wie am Sonntag restlos ausverkauft.

Da braut sich was zusammen. Die Flakenbrooker, und vor allem Tante Emma, sind in heller Aufregung, weil Bauer Feldmann seinen Hof an die Firma „Bestkauf“ veräußern will, die dort ein Einkaufsparadies entstehen lassen will. Da Emma allerdings mit ihrem kleinen Dorf-Laden der Meinung ist: „De Infrastruktur von Flakenbrook bün ick!“, schmiedet sie Pläne für eine listige Intrige gegen das Einkaufszentrum.

Die Zuschauermassen waren begeistert von Szenenhumor, schauspielerischer Leistung, unvorhergesehenen Wendungen und dem Improvisationstalent der Schauspieler. Als am Sonntag die dreijährige Enkeltochter Sarah von Schauspieler Heinz Dieckmann, der den verschrobenen Rentner Borgelt spielt, im ersten von drei Akten ohne Scheu und offensichtlich neugierig einfach auf die Bühne lief, nahm sie Dieckmann prompt auf den Schoß und das Stück hatte für kurze Zeit einen weiteren Charakter. „Niemand weeß warum, aber Borgelt hett nu auch nen Enkel“, stellte Schulmeister Gerhard Wittenbrock, gespielt von Herfried Meyer, trocken fest. „Wir sind aus Köln angereist und sehen uns heute das Stück an“, erklärte Sarahs Mutter in der Pause. „Und da ist es natürlich richtig aufregend für sie zu sehen, was Opa da auf der Bühne macht. Das wollte sie wohl mal aus der Nähe sehen“, schmunzelte sie.

Weiter ging der Schwank, in dem es so einige Verstrickungen, Intrigen und Gerüchte um die Charaktere gab. Neben Tante Emma (Ute Meyer), Borgelt und Lehrer Wittenbrock traten noch Brigitte, die kleine Schwester des Lehrers (Silja Bischoff), Bäuerin Klara Feldmann (Elsbeth Heidmann), deren Sohn Werner Feldmann (Jens Placke) sowie Bundestagsabgeordneter Friedrich Karl Schreyvogel (Karl-Heinz Schumacher) und Rechtsanwältin Dr. Veronika Willrich (Christine Duhnenkamp-Lewetz) in Erscheinung. Vor allem die beiden letztgenannten Figuren trieben die Geschichte voran, denn MdB Schreyvogel setzte sich für ein Naherholungs- und Vogelschutzgebiet um das verschlafene Dorf Flakenbrook ein, während Anwältin Willrich die Interessen der Firma „Bestkauf“ durchzusetzen suchte.

Immer wieder sorgten trocken hervorgebrachte Floskeln für Lacher im Publikum, ob von Gerhard Wittenbrock, der zurzeit eine Dorfchronik schreibt: „Wie weit sünd se denn?“ – „Beim 30-jährigen Krieg.“ – Oder von Tante Emma, die Schreyvogel Pralinen verkaufen soll: „Solls wat Besseret sin oder is dat för de Fru Gemohlin?“

Schließlich legte sich jedoch der große Streit um Feldmanns Hof und das Einkaufszentrum, als bei einem Unwetter durch Blitzschlag die dortige Scheune Feuer fing und gemeinsam gelöscht wurde. Borgelt demonstrierte Schreyvogel später noch einmal die Funktionsweise der Feuerwehr, was dem MdB ein nasses Hemd und einen Kleiderwechsel in Tante Emmas Schlafstube bescherte. Brigitte und Werner verloben sich und auch Dr. Willrich lässt von ihrem Auftrag ab und schlägt mit in die Tourismus-Kerbe. Zum Schluss sind sich alle einig: „Wi goot mit de Tiet, aber wi goot in uus Tempo!“

„Wir freuen uns über die große und positive Resonanz. Wir bekommen immer wieder gesagt, man merke uns die Spielfreude an, und das freut uns“, sagt Regisseurin Antje Lühr. Und Schauspieler-Urgestein Heinz Dieckmann ergänzt: „Es ist immer wieder eine schöne, aber auch harte Zeit, wenn wir ein neues Stück einstudieren. Drei Monate, wo es Harmonie und Kameradschaft, aber auch Reibungspunkte gibt. Wenn es dann nach den Aufführungen erst einmal wieder vorbei ist, fehlt immer etwas.“

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