SPD-Landtagskandidatin Dörte Liebetruth besucht Krankenhaus

Schwieriger Kampf der Klinik um ihre Existenz

Auf der einladenden Terrasse der neuen Krankenhaus-Cafeteria. Dörte Liebetruth (3.v.li.) und Parteifreunde informierten sich bei der Leitung und dem Betriebsrat der Aller-Weser-Klinik; Dritte von rechts die Klinik-Geschäftsführerin Marianne Baehr. ·

Achim - Von Manfred Brodt. Mit der Bahn, dem Rad, zu Fuß und immer dem roten Rucksack auf dem Rücken erkundet die SPD-Landtagskandidatin Dr. Dörte Liebetruth in diesen Tagen den Wahlkreis Achim-Verden. Gestern startete sie in der Weserstadt ihre Tour, und hatte sich mit dem Achimer Krankenhaus ein besonderes Sorgenkind ausgesucht.

Marianne Baehr, Geschäftsführerin der Aller- Weser-Klinik, vermittelte der Wahlkreisbewerberin und ihren Achimer Parteifreunden ein ungeschminktes Bild der Kliniken in Achim und Verden, die trotz aller Anstrengungen ums Überleben kämpfen und Sanierungsfälle sind. Fünf Millionen Euro Miese hat die Klinik im letzten Jahr gemacht. Fünf Prozent Ausgabensteigerung standen zuletzt 0,5 Prozent mehr Einnahmen gegenüber. Die Klinik-Chefin weiß, dass das nicht drei Jahre wiederholt werden darf.

Die finanzielle Misere der kleineren Krankenhäuser ist jedoch keine Achimer und Verdener Spezialität, sondern ein bundesweites Phänomen aufgrund der vermehrten und teureren Leistungen dieser Krankenhäuser für die älter werdenden Patienten und gleichzeitig ihrer schlechteren Finanzausstattung.

Marianne Baehr erläuterte, dass alle Investitionen des Krankenhauses über eine Pauschale des Landes finanziert werden müssten. Bei einem Jahresbetrag von 250 000 Euro gehe allein für nötige neue Operationstische mehr als die Hälfte des Betrages weg.

Alle sonstigen Sach- und Personalausgaben bei der Behandlung der Kranken und Verletzten müssen über die Krankenkassen finanziert werden, doch die decken nicht die Kosten. „Früher setzten wir älteren Menschen keine neuen Kniegelenke, keine künstliche Hüfte ein“, veranschaulichte die Klinik-Geschäftsführerin Ursachen der Kostensteigerungen. Durch 30 Änderungen der Krankenhausfinanzierung in 40 Jahren habe der Gesetzgeber vergeblich versucht, das in den Griff zu bekommen. Die Fallpauschale für verschiedene medizinische Eingriffe ist zuletzt zehn Mal vom Bund geändert worden und noch immer nicht kostendeckend. Hätten Niedersachsens Krankenhäuser mit den Krankenkassen die Vereinbarung Bremer Kliniken, bekäme die Aller-Weser-Klinik in Achim und Verden im Jahr 1,5 Millionen Euro mehr.

Bringt das Krankenhaus mehr Leistungen als geplant, bekommt es diese Mehrleistungen in einem Jahr zu 35, in zwei Jahren zu 70 und erst in drei Jahren zu 100 Prozent ersetzt.

Ein schwieriger Existenzkampf vor Ort unter diesen Rahmenbedingungen. Das Achimer Krankenhaus soll durch Spezialisierung zu einer Art Fachklinik mit den Schwerpunkten Hand- und Fußchirurgie, Plastische Chirurgie, Minimal invasive Chirurgie, ambulantes Operieren, HNO und auch Akut-geriatrie werden und bald schwarze Zahlen schreiben. Die Urologie wandert möglicherweise nach Verden.

Wie berichtet, steuern aus Kostengründen die Krankenwagen das Achimer Haus von 19 bis 7 Uhr nicht mehr an.

Statt 50 will man nun 30 Stellen ohne Kündigungen einsparen. Eva-Maria Hibbeler und Martina Allhusen vom Betriebsrat berichteten so von Unruhe unter den 650 Beschäftigten, die wieder voll bezahlt werden, aber einem Personalkarussell Verden-Achim ausgesetzt seien.

Während Achims ratsvorsitzender Hans-Jürgen Wächter auf kommunaler Ebene der Klinik jede Unterstützung zusagte, will sich die Landtagsabgeordnete in spe dafür einsetzen, dass die Kürzung der niedersächsischen Landesmittel für Krankenhäuser von 120 auf 35 Millionen Euro schnellstens rückgängig gemacht wird.

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