Kreisfrauenrat über Unfallverhütung

Schutzengel dürfen auch Männer sein

Prävention rettet Leben finden: (hinten, v. l.) Polizeikommissar Christopher Broecker, Dr. Christina Neumann, Gudrun Schenk, Christine Borchers sowie (vorn, v. l.) Polizeikommissarin Anika Wrede, Brigitte Schwier, Karin Labinsky-Meyer, Marlise Münchau und Heidemarie Norte.

Verden - (ahk) · Was kann man tun, um das erhöhte Unfallrisiko junger Menschen unter 24 zu senken? Diese Frage war bei der Sitzung des Kreisfrauenrats am Donnerstag das zentrale Thema. Im Mittelpunkt stand hierbei das Unfallverhütungsprogramm „Schutzengel“.

Die jungen Schutzengel sollen durch gezielte Ansprache ihre Freunde und Bekannten davon abhalten, unter Drogen- oder Alkoholeinfluss Auto zu fahren. Gastreferentinnen aus den Landkreisen Soltau-Fallingbostel, Cloppenburg und Celle berichteten über ihre Erfahrungen mit dem Programm. Diskutiert wurde auch die Frage, ob Schutzengel ausschließlich weiblich sein sollten.

Im Landkreis Soltau-Fallingbostel läuft das Programm bereits seit 2004. Es werden nur junge Mädchen als Schutzengel angeworben. Gudrun Schenk, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, hielt dieses für sinnvoll, da 95 Prozent der Unfallopfer junge Männer seien. Sie vertrat die Meinung, dass die jungen Männer eher den Argumenten weiblicher Engel, als denen ihrer Geschlechtsgenossen zugänglich seien. Die Mädchen bekommen Ausweise zugeschickt und werden gebeten, als Schutzengel aktiv zu werden. Als Anreiz gibt es Rabatte beim Friseur, bei der Kosmetikerin oder auch bei Mc Donald´s.

Die ausschließlich weibliche Ausrichtung des Schutzengelprogramms in Soltau-Fallingbostel sorgte für reichlich Diskussionsstoff. Die Festlegung der jungen Frauen auf die klassische Geschlechterrolle wurde heftig kritisiert. Ein weiterer Kritikpunkt war auch, dass die jungen Mädchen nicht für ihre Aufgabe qualifiziert würden und dadurch mit ihrer Aufgabe auch psychisch überfordert sein könnten.

Diese Bedenken teilte man auch im Landkreis Cloppenburg und entwickelte das Programm daher weiter. „Die Emotionalität der Mädchen soll nicht ausgenutzt werden, Zivilcourage betrifft beide Geschlechter“, stellte Dr. Christina Neumann, Gleichstellungsbeauftragte vom Landkreis Verden, klar. Folgerichtig wendet sich das Programm, das hier seit 2005 läuft, an junge Frauen und Männer. Im Landkreis Cloppenburg können sich die jungen Helfer mit einer Reihe von Schulungen, wie zum Beispiel Sofortmaßnahmen am Unfallort, Sicherheits- und Teamtraining als Schutzengel qualifizieren. Das Programm läuft hier in enger Kooperation mit Schule, Jugendgruppen und Polizei.

Marlise Münchau, vom Frauenforum Celle, stand dem Schutzengelprogramm generell skeptisch gegenüber, überhaupt nicht akzeptieren konnte sie aber die Vorgehensweise im Landkreis Soltau-Fallingbostel. „Junge Frauen werden ausgenutzt und mit Vergünstigungen geködert“, argumentierte sie. Sollte in Celle ein derartiges Programm eingeführt werden, dann nur das „Cloppenburger Modell“.

Positiv bewertet wurde das Schutzengelprogramm auch von der Polizeikommissarin Anika Wrede und dem Polizeikommissar Christopher Broecker. „Wenn durch dieses Programm auch nur ein Leben gerettet wird, dann ist es schon sinnvoll“, meinte Broecker. Beide waren allerdings gekommen, um noch ein anderes Präventionsprojekt vorzustellen. Die Polizei kooperiert mit den Fahrschulen und erreicht auf diese Weise die Fahranfänger schon, bevor sie überhaupt den Führerschein besitzen. Gezeigt werden abschreckende Bilder von Unfällen, die sich erst kürzlich in der Region ereignet haben und von Fahranfängern, nicht selten durch Alkoholeinfluss oder nicht angepasste Geschwindigkeit, verursacht wurden. Oft haben die in der Fahrschule anwesenden Polizisten den Unfall sogar selbst aufgenommen und können ihn und die oft tragischen Folgen daher besonders eindringlich schildern.

Der Kreisfrauenrat beschloss abschließend, dem Fachausschuss Jugend die Einführung des „Schutzengel“-Prgramms nach dem Vorbild Cloppenburgs zu empfehlen.

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