Dörverdener Lehrer befassten sich mit Menschenrechten / Ausgrenzung am eigenen Leib erfahren

Schule macht Schritt nach vorn

Anti-Diskriminierungs-Rollenspiel: Wer zurückbleibt, hat weniger Chancen im Leben. Auf spielerische Art lernten Lehrer und einige Schüler, wie es sich anfühlt, ausgegrenzt zu werden. „Eine überraschende Erfahrung“, stellten sie fest.

Dörverden - (rei) · Welche Chancen auf persönliches Glück hat ein HIV-infizierter Elektromeister? Wird man ausgegrenzt, weil man dick ist, alt, oder kein I-Phone besitzt? Oder weil man besonders gute Noten hat? Besonders schlechte? Rollenspiele waren der Schlüssel zum Verständnis im Schulzentrum Dörverden. Dort stand eine zweitägige schulinterne Fortbildung zum Thema Menschensrechtsbildung auf dem Programm, an der die Lehrer, aber auch einige Schüler teilnahmen.

Bei dem Spiel „Ein Schritt nach vorn“ mussten die Teilnehmer zunächst ein Kärtchen ziehen, mit dem sie ihre neue Rolle zugewiesen bekamen. Diese lautete etwa so: „Sie sind ein arbeitsloser Lehrer in einem Land, dessen Amtssprache Sie nicht fließend beherrschen.“ Oder: „Sie sind die Tochter des örtlichen Bankdirektors. Sie studieren Wirtschaftswissenschaften.“ Oder: „Sie sind ein 25-jähriger Kurde und homosexuell.“

Alle stellten sich nebeneinander an der Startlinie auf. Die Referentin, Dr. Claudia Lohrenscheit, las Aussagen vor. Zum Beispiel: „Sie haben nie in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten gesteckt.“ „Sie haben keine Angst, in eine Polizeikontrolle zu geraten.“ Oder auch: „Sie können sich verlieben, in wen Sie wollen.“ Auf wen diese Aussage zutraf, der durfte einen Schritt nach vorn machen. Je größer der Abstand zwischen den Teilnehmern, desto klarer wurde: Alle sind gleich, doch manche sind gleicher als andere. In dieser Übung erfuhren die Teilnehmenden, wie es ist, „anders“ zu sein.

Eine andere Arbeitsgruppe, geleitet von Referentin Anne Thieme, beschäftigte sich derweil mit der Frage, ob Homophobie ein Thema in der Schule ist, inwieweit die sexuelle Identität bei der Integration in die Gesellschaft eine Rolle spielt.

Ein Vortrag über die Grundlagen zum Thema Menschen- und Kinderrechte, die Planung der nächsten Projektwoche und die Diskussion verschiedenener Partizipationsmöglichkeiten standen außerdem auf dem Seminarplan.

Die Förderung von Empathie mit Menschen, die nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehören, die Sensibilisierung für die ungleiche Chancenverteilung und Verständnis für die möglichen Folgen der Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Minderheiten oder kulturellen Gruppen zu wecken – solchen Aufgaben möchte sich das Schulzentrum ab sofort annehmen.

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Diesen Titel trägt die Einrichtung schon länger, und damit verbunden sind jedes Jahr Projekttage. „Aber wir erhoffen uns, zukünftig eine Schule ohne Rassismus nicht für drei Tage, sondern für das ganze Schuljahr zu werden“, erklärte Lehrer Jörg Suckow, der gemeinsam mit Regina Babovic, Julia Bunke, Sabine Quast und Jan Heitmüller zu einer Arbeitsgruppe gehört, die das Thema ab sofort verstärkt in den Schulalltag tragen will.

Einen großen Schritt nach vorn in diese Richtung machten Lehrer und Schüler mit dem Seminar, für das die Referentinnen Dr. Claudia Lohrenscheit und Anne Thieme vom Deutschen Institut für Menschenrechte extra aus Berlin angereist waren.

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