800 Teilnehmer beim zweiten Bildungsstreik im Landkreis Verden / Demo durch die Innenstadt

Schüler fordern Schule für Schüler

Phantasievolle Plakate.

Verden - Von Andreas Nordenund York AlbrechtVERDEN · „Jetzt erst recht“ – unter diesem Slogan stand gestern der mittlerweile zweite Bildungsstreik im Landkreis Verden innerhalb von sieben Monaten. Bereits im Juni 2009 waren hunderte Schülerinnen und Schüler im Zuge des bundesweiten Bildungsstreiks auf die Straße gegangen, um ihrem Unmut über schlechte Lernbedingungen Luft zu machen.

Anlass für erneute Proteste sind aus Sicht der Veranstalter die mangelnden Erfolge beim jüngsten Versuch, das Bildungssystem umzukrempeln. Auf die Frage, was sich seit dem vergangenen Sommer verändert habe, antwortete eine Sprecherin der Organisationsgruppe: „Ungefähr genau gar nichts.“ Deshalb sollte den Forderungen mit einem zweiten Anlauf Nachdruck verliehen werden.

Damals wie heute, sprechen sich die Jugendlichen für mehr Mitgestaltungsrechte in der Schule aus. „Schule für die Schüler“ sei dabei der wichtigste Hintergedanke. Um mehr Individualität und eine angemessene Betreuung für jeden Lernenden zu ermöglichen, müsse man dafür sorgen, dass der Lehrermangel ausgeglichen und die Klassen auf maximal 20 Schüler verkleinert werden. Unterricht, der nur auf sinnlosem Auswendiglernen basiere, sei zudem nicht mehr zeitgemäß. Des weiteren dürfe es keine Bevorzugungen für Schüler mit finanziell stärkeren Eltern geben. Bei der Bildung müsse jeder gleiche Chancen haben, egal ob arm oder reich. Auch das Abitur nach zwölf Jahren lieferte den Demonstranten erneut genug „Munition“ für Protestrufe und Plakate. So sorge der durch das Turbo-Abitur verstärkte Leistungsdruck dafür, dass die größte Motivationsquelle, der Spaß am Lernen, immer mehr verloren gehe.

Mit dem Ziel, wieder Freude in die Bildungsanstalten Deutschlands zu bringen, versammelten sich die Demonstranten um 10 Uhr am Verdener Bahnhof. Die aufgebrachten Schülerinnen und Schüler kamen aus dem gesamten Landkreis und waren teilweise mit dem Zug angereist, wie die Organisatoren des „Schülerstreik-Komitees“ verlauten ließen. Ihr Weg führte sie vorbei am Gymnasium am Wall, über den Nikolai- beziehungsweise Andreaswall und durch die Grüne Straße. Dort passierte die Gruppe das Domgymnasium, begleitet von lautstarken Parolen. Unter der Obhut der Polizei marschierten die Jugendlichen durch die Verdener Fußgängerzone. Nach kurzem Innehalten am Rathaus begann die letzte Etappe in Richtung Jugendzentrum.

Dort wartete zunächst ein warmes Essen, das gegen die klirrende Kälte helfen sollte. Danach wurden diverse Workshops besucht. Der bei dem Streik federführende Gymnasiast, Jason Best, zog eine positive Bilanz. Die Teilnehmerzahl schätzte er, trotz der schlechten Wetterbedingungen, auf etwa 800. Ob der Streik von Erfolg gekrönt war, müsse sich jedoch erst noch zeigen.

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