Kleinbahn: Vom Heideexpress für Schüler zum Transportmittel für Holz

Die schon fast verrosteten Schienen glänzen wieder

Am ehemaligen Benzer Bahnhof: Hier hält heute kein Zug mehr.

Landkreis - Wer kennt ihn noch, den Heideexpress, den feurigen Elias , den Schienenzep?

Güterzug mit Holzfracht am Holliger Bahnhof. ·

Und damit sind nur ein paar der Synonyme für die Verden-Walsroder Kleinbahn genannt, die in den 50er Jahren vor allem Schüler aus Böhme, Altenboitzen, Hollige und Benzen zur „Aufbauschule“, dem Vorläufer des Gymnasiums, oder zur Mittelschule nach Walsrode beförderte. Der Zug war so langsam, dass man keine beschrankten Bahnübergänge brauchte. Bei Kreuzungen mit Wirtschaftswegen genügte ein akustisches Signal und man wusste, das busähnliche Gebilde mit Motoren hinten und vorne war im Heranrollen. Vor den Bahnübergängen warnten Schilder: „Halt, wenn das Läutewerk der Lokomotive ertönt oder die Annäherung eines Zuges anderweitig erkennbar wird.“ Böse Zungen behaupten gar, man hätte vorne abspringen, gemächlich einen Strauß Wildblumen pflücken und hinten wieder aufspringen können.

Glaubhaft versichert wird, dass es einmal zwischen dem Vorwalsroder Bahnhof und dem „Hauptbahnhof“, etwa auf Höhe des Klostersees (schwarzer Winkel) mächtig zu qualmen anfing. Der Zugführer – hier scheiden sich die Geister, ob er Gärtner oder Pascheberg hieß – scheuchte alle Passagiere aus dem Vehikel und robbte unter die Kühlerhaube Richtung Motor. Unmengen zusammengeknüllter Zeitungen kamen zum Vorschein, die wahrscheinlich zur Dämmung oder Isolierung dort verstaut worden waren. „Ich mag gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn das Zeug Feuer gefangen hätte“, gesteht ein ehemaliger Fahrgast.

Doch nach und nach wurde es still um die Kleinbahn. Die Verkehrsanbindung von Rethem nach Walsrode per Bus wurde besser, und immer mehr Leute hatten nun eigene Autos. Der Betrieb zwischen den „Böhmestädten“ kam zum Erliegen.

Die Bahnstrecke schien in einem Dornröschenschlaf zu versinken. Nur ab und zu rollte ein Zug mit Touristen über die Gleise. Das blieb so, bis in der Ahrensheide größere Mengen Öl gefördert wurden. Da reihte sich plötzlich Tankwagen an Tankwagen auf dem Holliger Bahnhof. Doch dann geriet die Station erneut in Vergessenheit, um jetzt wieder zu neuem Leben zu erwachen. Im vergangenen Winter wurde im Waldgebiet zwischen Altenwahlingen und Böhme, aber auch in Teilen der Ahrensheide wieder mehr Holz geschlagen. Nun sieht man die Laster Richtung Hollige fahren, wo das Holz auf Güterwagen verladen wird.

Die schon fast verrosteten Schienen glänzen wieder, ein Güterzug nach dem anderen rollt Richtung Walsrode und von dort weiter nach Osten. Stendal und Wismar heißen die Bestimmungsorte, wo es große Zellstofffabriken gibt. Auch zum Bau von Paletten wird der Rohstoff verwandt. ·

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