Neuntklässler auf Oytener Schulhof krankenhausreif getreten

Schneeballschlacht artet in Gewalt aus

Oyten - (pee) · Von einem Mitschüler krankenhausreif getreten wurde auf dem Pausenhof des Schulzentrums Oyten ein 15-jähriger Neuntklässler. Der schwerwiegende Vorfall ereignete sich am vergangenen Donnerstag in der großen Pause. Vorausgegangen war offenbar eine derbe Schneeballschlacht samt Eis und Steinen, die eskalierte, bis sich bei einem Jungen ungezügelter Zorn gewalttätig Bahn brach. Mit gravierenden Folgen: Das Opfer wurde vom alarmierten Notarztwagen ins Krankenhaus Achim gebracht und mit Thoraxprellungen, Bauchtrauma und Blutergüssen mehrere Tage stationär behandelt. Seinem Angreifer droht ein Schulverweis.

Schwere Vorwürfe gegen die Schule erhebt die Mutter des Opfers, Jeannette Ghariz. Sie hat aufgrund der Schilderung ihres Sohnes drei Hauptschüler als Täter ausgemacht, gegen die sie nach ihren Worten Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt hat. Zwei davon seien Zehntklässler und ihr nicht nur namentlich bekannt: Die Jugendlichen, die der rechten Szene zuzuordnen seien, hätten ihren Sohn schon früher verbal als „Araberschwein“ traktiert und seien „für rassistische Sprüche“ bekannt, schilderte Jeannette Ghariz, alleinerziehende Mutter, die von ihrem jordanischen Mann und Vater ihrer vier Kinder getrennt in der Lindenstraße lebt.

Dass ihr 15-jähriger deutsch-jordanischer Sohn auf dem Schulhof zusammengetreten worden sei, bewertete sie als Höhepunkt rassistischer Anfeindungen. „Und die Schule tut nichts. Da hängt ein Schild: ,Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage’ – aber da merke ich nichts von“, sagte die Oytenerin. Die Jungen, gegen die sie Anzeige erstattet habe, seien nicht mal von der Schule suspendiert worden. Einer habe sogar vom Schulcomputer aus ihrem Sohn eine zynische E-Mail geschrieben: „Na, wieder fit?“ Ihr Sohn habe selbst kürzlich einen Fehler gemacht und sei wegen eines Internetvideos vom Unterricht ausgeschlossen worden – „aber diese Jungs sind in der Schule und machen einfach weiter.“ Jeannette Ghariz wirft der Schulleitung vor, die anderen Schüler nicht genügend zu schützen. Die betreffenden Jungen wolle sie gar nicht verurteilen: „Es wird ja keiner gewalttätig geboren.“ Aber die bräuchten doch Hilfen, „damit sich was ändert“.

Schulleiterin Renate Proft stellte den Sachverhalt etwas anders dar. Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen hätten die besagten Zehntklässler mit den Tritten auf dem Schulhof nichts zu tun, und die 10. Hauptschulklasse wehre sich vehement gegen die – laut Proft von der Mutter auch im Internet geäußerte – pauschale Diffamierung „rechts zu sein“.

Der Neuntklässler, der massiv getreten habe, habe das sofort zugegeben. Der Vorfall habe aber keinen ausländerfeindlichen Hintergrund, erklärte die Rektorin. Die rechte Szene sei in diesem Fall nicht relevant. Eine von den Beteiligten gemeinsam angezettelte Schneeballschlacht sei schmerzhaft ausgeartet und der Schüler sei im Zorn ausgerastet. In einem Maß, „das ich nicht dulde. Das wird Konsequenzen haben“, kündigte Renate Proft an. Die Strafanzeige laufe ja bereits, und sie selbst habe dazu bei der Polizei ausgesagt. Über das schulische Strafmaß entscheide in Kürze die Klassenkonferenz. Aufgrund der Schwere des Vorfalls sei ein Schulverweis als schärfste Sanktion möglich. Denkbar sei aber auch ein zeitlich befristeter Ausschluss vom Unterricht mit der Maßgabe, den Lehrstoff selbst zu erarbeiten und zu Klassenarbeiten zu erscheinen, verbunden mit einem Sozialdienst zur Wiedergutmachung.

Von einer sofortigen Suspendierung des Schülers habe sie abgesehen, so die Rektorin: „Er ist kein Schlägertyp, ist jeden Tag bei mir zum Gespräch und damit unter Kontrolle.“

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