Ehemalige Wache der Wasserschutzpolizei: Land zahlt noch bis Februar 2021 Miete

Schleuse Langwedel: Zehn Jahre Leerstand

Absolut ein schmuckes Haus hat Hartmut Firleke (oben) der Wasserschutzpolizei da gebaut. Die Küche (re.) sieht aus, wie gerade erst verlassen. Nur wird das Haus schon lange nicht mehr genutzt. Zum Februar 2021 läuft der Mietvertrag mit dem Land Niedersachsen aus. Was dann kommt, ist ungewiss. Foto: Wenck
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Absolut ein schmuckes Haus hat Hartmut Firleke (oben) der Wasserschutzpolizei da gebaut. Die Küche (re.) sieht aus, wie gerade erst verlassen. Nur wird das Haus schon lange nicht mehr genutzt. Zum Februar 2021 läuft der Mietvertrag mit dem Land Niedersachsen aus. Was dann kommt, ist ungewiss. Foto: Wenck
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Etelsen – 2019 wurde noch ein neuer Stromanschluss zum Haus Schleusenstraße 15 gelegt. „2500 Euro“, sagt Hartmut Firleke zu den Kosten. „Vorher kam der Strom noch von der Schleuse.“ 2006 erst wurde das Gebäude an der Schleuse in Etelsen gebaut. Die Dachpfannen, die Klinker, die ganzen Kommunikationsleitungen... „Alles vom Feinsten“, sagt Firleke. Es gibt eine Küche, Dusche, zwei Toiletten, eine kleine Terrasse mit Blick auf die Marsch. Es ist sogar ein Energiesparhaus – und seit fast zehn Jahren steht alles leer. Im Frühjahr 2011 hat der letzte Beamte der Wasserschutzpolizei die quasi nagelneue Wache an der Schleuse verlassen.

Seitdem kümmert sich immer jemand regelmäßig darum, dass es im Haus sauber und trocken bleibt, dass die Leitungen in Stand bleiben. Für das insgesamt 500 Quadratmeter große Grundstück wurde ein Gärtner engagiert. All die Jahre hat das Land Niedersachsen Miete für das Haus gezahlt. Schließlich gab es einen Vertrag über 15 Jahre.

Aber was passiert ab Februar 2021? Ein Schleusencafé war mal im Gespräch. Könnte man da auch gut machen, ist Hartmut Firleke überzeugt. Er selbst mag sich da aber nicht mehr engagieren. Er ist längst im Ruhestand – und möchte am liebsten verkaufen. Es gab auch schon mal jemanden, der sich die Immobilie angeguckt hat. „Das wäre wohl ein Saisongeschäft.“ Jetzt im Moment sind viele Arbeiter vom Kanalausbau vor Ort. Radfahrer sowieso. Im Sommer kommen immer viele Leute, die den Schiffen beim Schleusen zugucken. Im Winter ist weniger los.

Wohnraum kann man aus der ehemaligen Polizeiwache nicht machen. Dafür gibt es keinen Bebauungsplan und auch nichts, was sich einfach genehmigen ließe.

„Streusiedlung im Außenbereich. Schwierig“, sagt Langwedels Bauamtsleiter Bernhard Goldmann. Das Gelände, die Straßen rund um das Grundstück gehören dem Bund und werden wie jetzt vom Wasser- und Schifffahrtsamt für Bauverkehr oder Instandsetzungen an der Schleuse genutzt. Eine Übernahme der Wege und die damit verbundenen Folgekosten hat der Flecken Langwedel in der Vergangenheit schon dankend abgelehnt.

Ja, es gibt Häuser und Wohnungen auf dem Schleusengelände. Die Häuser waren in den 50er Jahren als Dienstwohnungen gebaut worden. Nur tut seit Jahren niemand mehr Dienst auf der Schleuse. Sie wird schon seit 2010 fernüberwacht und ferngesteuert. 2011 noch fürchteten die Bewohner der Schleusenhäuser, sie müssten ausziehen. Ein Abriss stand in der Diskussion.

Der ursprüngliche Nutzungszweck sei verloren gegangen, argumentierte damals der Landkreis Verden. Auf den Erlass einer Außenbereichssatzung durch den Flecken Langwedel wollte man sich beim Kreis nicht einlassen. Immerhin gab es eine Duldung für die Schleusenhäuser, sie dürfen „ausgewohnt“ werden. Soll heißen, die Bewohner dürfen bis zu ihrem Lebensende bleiben.

Der Landkreis Verden lehnte vor zehn Jahren sogar eine vom Land Niedersachsen beantragte Nutzungsänderung für die ehemalige Polizeiwache ab, und zwar aus „rechtlichen Gründen“.

Wie und warum hat Hartmut Firleke das Haus überhaupt bauen, das Grundstück kaufen können?

Er hat selbst 35 Jahre auf der Schleuse gearbeitet. Als Schleusenwärter. „Die letzten zehn Jahre im Ein-Mann-Betrieb.“ Im Schleusenturm hatte auch die Wasserschutzpolizei ihr Kabuff. Pardon: ihre Diensträume. Wer zusammen jahrzehntelang auf der Schleuse arbeitet, der soll sich wohl kennen.

„Du kannst uns hier ja mal was Anständiges hinbauen“, soll dann ein Polizeibeamter zu Firleke gesagt haben. Es folgten die Verträge mit dem Land Niedersachsen und eine nigelnagelneue Wache für die Wapo. Die dann wenige Jahre später im Zuge einer Polizeireform nach Nienburg abgezogen wurde. „Früher kamen die mit ihrem Boot, heute kommen sie mit ihrem Bulli“, sagt Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt. Eine schnelle Lösung für die Schleusenwache hat er auch nicht.

Von Jens Wenck

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