Beringung bringt erste Bilanz im Kreis / Fischerhuder Jungvögel entwickeln sich gut

Ein schlechtes Jahr für Störche

Diesen Winzling holte Frank Erdtmann in Uesen aus dem Nest und brachte ihn zur Storchenstation Dauelsen. ·

Ottersberg / Oyten · „Irgendwie ist es wie verhext. Entweder es ist vom Wetter her so trocken, dass die Störche keine Nahrung finden, oder ein anderes Jahr regnet es ständig, so dass die Jungen in den Nestern quasi ersaufen.

Und in diesem Jahr ist es in den Nächten so kalt, dass die Population ebenfalls als sehr zurückgefahren zu bezeichnen ist. In 2012 haben wir tatsächlich ein so schlechtes Storchenjahr, dass wir gerade mal auf 75 Jungvögel im Landkreis kommen, wenn alles gut geht.“ Frank Erdtmann, Storchenbetreuer des Landkreises Verden, ist dieser Tage pausenlos unterwegs, um die Storchennester im Kreis zu betreuen und den Nachwuchs zu beringen.

Dazu müssen die Jungvögel eine bestimmte Größe und ein bestimmtes Alter haben. Sind die Kleinen noch zu winzig, geht es nicht, und wenn sie schon zu groß sind, besteht die Gefahr, dass sie aus dem Nest springen, wenn Erdtmann mittels Steiger der Straßenmeisterei ans Nest kommt. In Fischerhude, wo vor vier Wochen ein kümmerliches Junges in einer Notbergung aus dem Nest geholt wurde, sind die beiden anderen Jungstörche wohlauf. Sie konnten am Mittwoch beringt und kurz untersucht werden. Die Prognose, dass sie im August ausgewachsen sein werden, ist günstig.

Wie Erdtmann berichtete, sehe es auf anderen Horsten im Kreis keineswegs so gut aus. In Daverden musste er zwei tote Jungstörche aus dem Nest holen, in Uesen sammelte er einen Kümmerling ein, und auf einem anderen Horst saß die Störchin sogar noch auf den Eiern. Aus dem neu belegten Horst in Ottersberg holte er das einzige Jungtier vor ein paar Wochen aus dem Nest, weil ein Altstorch verschwunden war. Selbst an einem seit Jahren erfolgreichen Standort wie am Sagehorner Lüttjen Bruch konnten nur zwei Junge beringt werden. „Dort hatten wir sonst immer ein volles Nest, immerhin legen die Altstörche fünf bis sechs Eier, wenn sie ihr Brutgeschäft beginnen. Aber wenigstens waren diese Jungstörche voll entwickelt“, sagte Frank Erdtmann.

Er wünscht sich für den Erhalt der Störche in unserer Region eine stärkere Lobby: Anwohner und interessierte Naturschützer, die vermehrt ein Augenmerk auf die Horste haben. „Wenn man täglich ein- bis zweimal schaut und die Entwicklung beobachtet, wäre den Störchen schon geholfen. Es gibt untrügliche Anzeichen für Gefahr im Verzug“, informierte der Storchenbetreuer, der den Großteil seiner sommerlichen Freizeit ehrenamtlich den Störchen widmet. Jungstörche, die erst nach der 3. bis 4. Lebenswoche die Schnäbel über den Nestrand streckten, seien meistens unterentwickelt, so Erdtmann. Wenn die Storcheneltern die Kleinen schon nach der 4. Woche während der Nahrungssuche allein ließen, sei das ebenfalls ein Zeichen für Gefahr: „Bis zur 7. Woche sollte immer ein Altstorch auf dem Nest stehen, um die Kleinen vor Sonne oder Regen zu schützen.“

Wer die Störche gerne auf seinem Horst halten wolle und bereit sei, ihnen zu helfen, wenn sich Nahrungsknappheit abzeichne, könne mit Eintagsküken aus einer Brüterei eine verlässliche zweite Nahrungsquelle bieten. Störche seien in der Regel sehr neugierig und würden schnell ein solches Angebot entdecken und auch annehmen, informierte Frank Erdtmann, der unter 04205-2675 jederzeit telefonisch erreichbar ist, wenn es um das Wohl der Störche geht. · kr

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