Teil 3: Viel Kommerz bei Weihnachts-Riten in Kambodscha

Santa Claus besucht das Multiplex-Kino

Lena Philipp im kambodschanischen Kino mit dem „Weihnachtsmann“ und seiner Assistentin im Rentier-Look.
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Lena Philipp im kambodschanischen Kino mit dem „Weihnachtsmann“ und seiner Assistentin im Rentier-Look.

Achim / Phnom Penh - „Die Weihnachtszeit in Kambodscha fällt spärlich aus. Wenn 93 Prozent der Bevölkerung Buddhisten sind, erscheint das auch nicht weiter verwunderlich.

Dennoch verstreicht die Adventszeit nicht komplett unbemerkt.“ – Das berichtet Lena Philipp aus Achim im dritten Teil der Serie über Kambodscha. Dort ist die 20-Jährige im Hilfseinsatz für die christliche Organisation „Brot für die Welt“.

„Hier und dort stehen Weihnachtsbäume in Büros, es gibt verstärkt Werbung von Hotels, die weihnachtliche Menüs anbieten oder christliche Gemeinden, die zum Adventssingen oder Gottesdiensten zusammenkommen. Das Publikum beschränkt sich jedoch hauptsächlich auf Expats (Expatriates, also Leute, die in Kambodscha arbeiten und vorübergehend leben) und Touristen.

Doch zu den weihnachtlichsten Orten, die von einer gemischteren Gesellschaft angesteuert werden, gehören – neben internationalen Supermärkten – Kinos! Santa Claus und Engel warten dort auf Besucher, verteilen Bonbons und laden ein, Fotos mit dem üppig geschmückten Weihnachtsbaum zu machen. Die Säle mimen Winter, da sie auf gefühlte 10 Grad heruntergekühlt sind und überall riecht es nach süßen Naschereien. Allerdings sind es nicht Plätzchen oder geröstete Mandeln, sondern es ist der Duft von Toffee-Popcorn, der sich durch die fünf Stockwerke zieht.

Das Kino befindet sich in einer Shopping-Mall nach amerikanischem Vorbild, Essens-Stände reihen sich an jede Art von Verkaufstheken. Fast erscheint es, als befände man sich auf einem etwas anders arrangierten Weihnachtsmarkt in Deutschland.

Dieser Eindruck verstärkte sich noch als die Hallen Anfang Dezember mit überdurchschnittlich vielen Besuchern gefüllt waren und sich somit noch ein weiteres Kriterium erfüllte, das auf jeden bekannten Weihnachtsmarkt zutrifft: Platzmangel und Gedränge. Alles ohne Glühwein, aber dafür mit kambodschanischer Popmusik. Der Grund des Andrangs war allerdings völlig losgelöst vom Weihnachtsfest: Die Menschen kamen um eine der begehrten Eintrittskarten zum International Cambodian Filmfestival zu ergattern.

Weihnachten und Neujahr

Hochsaison für Touristen

Anders die in Kambodscha lebenden Ausländer. Besonders die Expats fliegen über die Feiertage in die Heimat oder arrangieren sich mit anderen, um dieser Zeit ein wenig Besinnlichkeit zu verleihen. Dazu gehören auch viele Freiwillige, die in Waisenhäusern, Schulen oder in Büros von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) arbeiten. Meist tun sie das ohne Bezahlung und oft sogar erst gegen Zahlung einer großen Summe Geld. Dieses geht aber nicht an die NGOs, sondern an die Vermittlungsorganisationen. Die Zeit um Weihnachten und Neujahr ist außerdem die Hochsaison für Tourismus.

Es erscheint fast wie eine Parallelgesellschaft, die sich um Touristen, Expats und Freiwillige aufgebaut hat. Hotels, Cafés, Restaurants und Bars bieten westliches Essen, Getränke und Musik. Dazu kommen Ärzte, Schulen, Fitness-Studios, Wohngebiete… und, und, und.

Für einige Deutsche ist das deutsche Kulturzentrum in Phnom Penh ein bekannter Treffpunkt. Jeden letzten Sonntag im Monat wird dort Tatort vorgeführt und es wird Beck‘s ausgeschenkt.

Die im Herbst überall zelebrierten Oktoberfeste mit Bier, Sauerkraut, Kartoffelsalat und Wurstplatte waren auch Anziehungspunkt für Einheimische. Ein ulkiges Bild: Kleine Kambodschaner in Dirndl und Lederhosen, die zu „Komm, hol‘ das Lasso raus“ Polonaise tanzten, neben sichtlich irritierten anderen, die nicht glauben wollten, dass das tatsächlich deutsche Folklore sein soll.

Fazit: Gelegentliche Rückzugsorte mit vertrauten Dingen zu finden, wenn einen doch mal das Heimweh überkommt, ist definitiv angenehm. Wer sich allerdings in einem fremden Land und neuer Kultur nur an alt Bekanntes klammert, verpasst sehr viel von dem was dort sonst passiert“, findet Lena Philipp.

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