Geschichtswerkstatt zeichnet Weg von Gastarbeitern nach

Als Runken türkische Näherinnen anwarb

Drucker Werner Esdohr, Edith Bielefeld und Mehmet Ates zeigen das neue „Geschichts-Heft“.

Achim - (mm) · Auch in der Textilfabrik Runken an der Bremer Straße in Achim hatte sich ein gutes Jahrzehnt nach dem Krieg das viel gepriesene „Wirtschaftswunder“ eingestellt, händeringend suchte das boomende Unternehmen in den 1960er Jahren nach Näherinnen. Schon bald beseitigten in der Türkei angeworbene Frauen den Mangel. Über die ersten Gastarbeiter, die vom Bosporus nach Achim kamen, haben Edith Bielefeld und Mehmet Ates einen Beitrag für die neueste Ausgabe der Achimer Geschichts-Hefte, dem regionalhistorischen Magazin Nummer 16 der Geschichtswerkstatt Achim, geschrieben.

„Das Thema hat mich schon immer interessiert“, verrät die Sozialdemokratin und frühere Hauptschullehrerin Bielefeld, die Anfang der „60er“ von Bremen nach Achim zog und bald darauf die fremdländischen Frauen und auch Männer in der Stadt wahrnahm. „Meine Motivation war, dass diese Geschichte nicht verloren geht“, erklärt der türkischstämmige Sozialarbeiter Ates, der seit fast 25 Jahren im Bürgerzentrum im „Schmelztiegel“ Achim-Nord tätig ist und schon früher Interviews mit türkischen Frauen geführt hatte.

Das 1961 zwischen Deutschland und der Türkei geschlossene Abkommen zur Anwerbung von Arbeitskräften markierte den Anfang des Zuzugs von Menschen aus Anatolien. Firmenvertreter, auch von Runken, hätten vor allem in Istanbul nach gesunden jungen Frauen gesucht, die für ein Jahr fern der Heimat arbeiten wollten, berichtet Bielefeld.

1966 habe Nesrin S., eine verwitwete Lehrerin, einen Tross von rund 80 Türkinnen angeführt, die mit dem Zug nach Achim gekommen seien. „Frauen waren die ersten Gastarbeiter hier“, hat das Mitglied der Geschichtswerkstatt herausgefunden.

Und auch, dass viele von ihnen in einem von dem Unternehmen erworbenen Bauernhaus an der Langenstraße wohnten, dort zum Teil in Sechs-Bett-Zimmern hausten. Aber sie erhielten den gleichen Lohn wie die deutschen Näherinnen, wisse sie aus Gesprächen mit Hansjürgen Buhr, lange Prokurist bei Runken.

Weil ihnen in der Firma lediglich ein Sprachlexikon in die Hand gedrückt worden sei und zudem eine Dolmetscherin im Betrieb zur Verfügung gestanden habe, hätten sie kaum Deutsch gelernt. „Sie lebten sehr isoliert.“ Von den Einheimischen habe sich allein das in der Langenstraße wohnende Rentner-Ehepaar Placke um die oft unter Heimweh leidenden jungen Frauen gekümmert. „Dabei waren die damals ziemlich modern gekleidet und trugen auch kein Kopftuch“, merkt Mehmet Ates an.

Als nach einem Jahr der Arbeitsvertrag abgelaufen war, hätten die meisten über Mund-zu-Mund-Propaganda einen neuen Job und auch eine neue Bleibe gefunden. „Viele siedelten sich in den 70er Jahren im neu entstehenden NWDS-Gebiet in Achim-Nord an und ließen ihre Familien nachkommen“, weiß Bielefeld.

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