An das Weihnachtsfest 1945 erinnert sich Hannelore Buerhop als ein glückliches

Rotwurst – und eine Puppe

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Hannelore Buerhop erinnert sich an ihr Weihnachtsfest 1945, das sie mit ihrer Mutter und ihrer zwei Jahre älteren Schwester Elli auf dem Land bei den Großeltern in Mecklenburg feierte. Auf der Sofalehne sitzt die Puppe, die vor 67 Jahren ihr Weihnachtsgeschenk war. Das gerahmte Foto zeigt Hannelore Buerhop im Alter von 17 Jahren, als sie allein in den Westen floh. ·

Quelkhorn - Von Petra Holthusen. Die blonden Haare sitzen tadellos, die blauen Augen klimpern und die Schürze ist blütenweiß. Nur das Leder der winzigen Schuhe ist mit der Zeit speckig geworden und an der rechten Hand fehlt ein Finger.

Zarte Hinweise auf das für eine Puppe nahezu biblische Alter von bald 70 Jahren. Die Puppe nimmt im Haus von Hannelore Buerhop (74) in Quelkhorn einen Ehrenplatz ein: Sie war ihr Weihnachtsgeschenk 1945 in Mecklenburg, als sie ein kleines Mädchen von sieben Jahren war, und ist seitdem einen weiten Weg mit ihr gereist.

An das Weihnachtsfest 1945 erinnert sich Hannelore Buerhop, die damals noch Wornest hieß, als ein glückliches: „Wir hatten es warm und wir brauchten nicht zu hungern.“ Das genügte. Das war mehr, als andere hatten in diesem ersten Winter nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Es gab Rotwurst mit Rosinen – kross gebraten –, Apfelsinen aus dem Westen – und die blonde Puppe. Ihre Erinnerungen an Weihnachten 1945 zu Hause in Mecklenburg hat die 74-Jährige, die seit einem halben Jahrhundert in Quelkhorn lebt, in einer kleinen Geschichte aufgeschrieben, die nebenstehend zu lesen ist.

Hannelore Buerhop hat viele kreative Hobbies, wie allein ihre überbordende Bastel- und Nähwerkstatt verrät. Eines davon ist das autobiographische Schreiben. Zehn Jahre wirkte sie, die schon vor 22 Jahren ihren Mann verlor, bei den „Schreibenden Frauen“ in Mahndorf mit und verfasste sogar ein kleines illustriertes Buch mit eigenen Geschichten, vor allem aus ihrer Kindheit und Jugend, die im Krieg begann – und abrupt endete, als sie 1955 mit gerade mal 17 Jahren ganz allein aus der damaligen DDR über Berlin in die Bundesrepublik flüchtete. In dem „Missstaat“, wie sie ihn nennt, konnte die junge Frau nicht länger leben: „Ich bekam keine Arbeit, weil ich nicht in der Partei, sondern in der christlichen Gemeinde war.“ In der Schuhfabrik, in der sie zunächst gelernt hatte, wurde sie entlassen – wie auch andere, die sich geweigert hatten, an einem von der Sozialistischen Einheitspartei (SED) angeordneten Friedensmarsch teilzunehmen.

In Bremen, wo sie bei Verwandten unterschlüpfte, fand die 17-Jährige sofort Arbeit als Schuhverkäuferin. Erst bei Salamander, später wechselte sie zu Dodenhof nach Posthausen.

Mit ihrem Mann, einem gebürtigen Quelkhorner, baute und bezog sie 1962 das Haus am Wilstedter Kirchweg – in dem die Puppe von 1945 bis heute einen Ehrenplatz einnimmt.

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