Sandstein-Figuren „bewachen“ den neuen Carl-Hatzky-Weg / Ein Stück Stadtgeschichte

Die Ritter sind wieder da

Die beiden Ritter des Syndikatshofes schmücken jetzt den Carl-Hatzky-Weg.

Verden - (koy) · „Die Ritter kommen zurück“ hatte diese Zeitung am 28. August getitelt. Jetzt sind sie da. Gestern wurden die Sandstein-Figuren an dem künftigen Carl-Hatzky-Weg aufgestellt. Verden ist um eine Attraktion reicher.

Das findet auch Bürgermeister Lutz Brockmann, der zusammen mit den zuständigen Fachleuten des Rathauses den Weg, der vom Rathausvorplatz zur Unteren Straße in Richtung Aller führt, inspizierte. Er dokumentiert zugleich ein Stück lebendige Stadtgeschichte. „Der Weg hat eine lange Geschichte“, verdeutlichte folgerichtig auch der Verwaltungschef.

Das war in gewisser Weise das Stichwort für den Verden-Experten Jürgen Siemers, der unlängst den VAZ-Beitrag formuliert hatte. Darin war der lange und mühsame Weg der beiden Ritter, der schließlich auf den Bauhöfen der Stadt endete, beschrieben worden. Nun kommen die rund 1,5 Tonnen schweren Figuren zu neuen Ehren. Nachdem alle Grundstücksangelegenheiten geklärt worden waren, dürfte der 65 Meter lange barrierefreie Weg nicht nur Touristen besonderen Spaß bieten.

Wie Dipl.-Ing. Oliver Camin erläuterte, sei ein Großteil der mit 85 000 Euro bezifferten Gesamtkosten durch EU-Fördermittel bestritten worden, exakt 58 700 Euro. Eine beidseitige Buchenhecke gibt dem Ganzen die naturbelassene Würze. Da auch der Denkmalspfleger keine Einwände gehabt habe, so Camin, sei das Projekt angepackt worden.

Im Mittelpunkt aber stehen die Ritter, über die niemand weiß, woher sie stammen, wie alt sie sind und welche Positionen sie in Verden eingenommen haben. Laut Jürgen Siemers sei die Ritterstraße 1740 zum erstenmal erwähnt worden. Die Ritter könnten ein 1476 gegründetes Augustinerinnenkloster „bewacht“ haben. Eine gesicherte Erkenntnis dafür fehlt aber. Vielleicht sind sie erst beim Bau des Syndikatshauses (1592) aufgestellt worden. „Eines der letzten Geheimnisse Verdens“, kommentierte Bürgermeister Brockmann.

Sicher dagegen ist das Alter der Stadtmauer, die ebenfalls quasi als Druchbruch des Carl-Hatzky-Weges bewundert werden kann. „1210 wurde sie gebaut“, kam es bei Jürgen Siemers wie aus der Pistole geschossen. Ursprünglich sei sie sechs Meter hoch gewesen. Durch Straßenaufschüttungen sei sie immer niedriger geworden.

Der alte Durchgang am Stadtkirchenzentrum werde nun wieder dicht gemacht, berichtete Oliver Camin. Die Ritter werden künftig durch Bodenstrahler in einem neuen Licht erscheinen. In den kommenden Wochen muss der Mörtel, der die einzelnen Segmente verbindet, noch hart werden. Solange erhalten die Ritter eine schützende Plane.

Carl Hatzky, der Namensgeber des Weges, hätte sich sicherlich gefreut über die „Bewachung“ des neuen Weges. Der bei der SPD engagierte Hatzky war 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates, war bereits vorher schon Tabakarbeiter und hatte ein sehr gutes Verhältnis zum Magistrat. „Er war quasi Vorsprecher der Bürger“, wusste Brockmann zu berichten.

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