Die Sprengung der Badener Öltanks / Lebensgefahr wegen „Guten Tag“

Riesige Rauchwolken über der Region

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Kreiszeitung Syke

Achim - Baden besaß bekanntlich das riesige Öllager mit Ölhafen der Reichsmarine vom Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Ein Wachmann im Öllager war Nazigegner. Er nahm laut Johann Grau nie den Gruß „Heil Hitler“ in den Mund. Wenn ihm einer begegnete und mit „Heil Hitler“ grüßte, sagte er grundsätzlich „Guten Tag“ oder entbot die jeweilige Tageszeit. Wenn ihn dann einer ansprach, dass er nicht richtig gegrüßt habe, erwiderte er, dass er den Gruß nicht gehört habe, und stellte sich schwerhörig. Als der Wachmann wieder einmal den Nazi-Gruß eines Leutnants nicht entsprechend erwidert hatte, soll es heftigen Streit zwischen den beiden gegeben haben und der Leutnant ihm gedroht haben, ihn beim nächsten Mal zu erschießen, zumindest aber anzuzeigen.

Johann Grau berichtet, der Betriebsleiter des Öllagers, Erich Lege, habe dann abends den Wachmann in seiner Wohnung aufgesucht und ihm geraten, nicht mehr im Öllager zu erscheinen und sich zu verstecken.

Nach dem Einmarsch der englischen Truppen wurde das Öllager von den Briten verwaltet, und sie nutzten Lege als Informanten.

Der erschien dann mit Gemeindedirektor Zickler und zwei englischen Offizieren bei dem besagten Wachmann, um ihn aufzufordern, wieder seine Arbeit aufzunehmen. Vor allen Dingen wollten die Engländer durch das große Gelände des Öllagers geführt werden, die einzelnen Gebäude und Bunker erläutert bekommen.

Neben viel Öl, Tanks, Pipelines und Bunkern soll auf dem Gelände des Öllagers auch hochprozentiger Alkohol gebunkert worden sein, der in der Gegend sehr gefragt war.

„Wenn es nach den Nazis gegangen wäre, hätte es nach dem Kriege kein Öllager mehr gegeben“, schreibt Johann Grau. Betriebsleiter Lege habe sich dem Befehl, das Öllager mit den Bunkern und allen Begebenheiten in die Luft zu sprengen, widersetzt.

Die Sprengungen hätten für Baden und Uesen sowie die umliegenden Ortschaften unabsehbare Folgen gehabt und viel Leid für die einheimische Bevölkerung gebracht, stellt Grau fest.

Etliche Anhänger des Faschismus hätten dem Betriebsleiter die Befehlsverweigerung übel genommen. Die Briten mussten Lege unter besonderen Schutz stellen.

Mit dem geretteten Öl und Treibstoff konnten nach dem Krieg bei der enormen Knappheit an Energie einige Firmen und Haushalte beliefert werden. Auch Hamburg wurde von hier aus versorgt.

Als dann später die Ölvorräte erschöpft waren, sprengten die Engländer ab 1947 alle vorhandenen Anlagen. Vorher waren die Ölpipelines und benachbarte Gerätschaften demontiert worden.

Nach den Sprengungen stand tagelang schwarzer Rauch über dem Gelände des Öllagers. Die Ölrückstände brannten und erzeugten furchtbaren Qualm und Gestank. Mit Ölrückständen auf dem Gelände hat man heute noch zu tun.

Als alles zerstört war, verwilderte das Öllager, bis zum Bau der Kasernen. Heute ist es zum beliebten Achimer Stadtwald geworden. · mb

In der nächste Folge:

Ziegen, Glocken und Sandberge.

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