Trio Limusin setzte „Scrooge“ schauspielerisch und musikalisch auf besondere Weise in Szene

Richtig unheimlich und verwoben

Benedikt Vermeer, Ihno Tjark Folkerts und Suren Anisonyan interpretierten „Scrooge“ auf ihre besondere Weise.

Verden - Das Trio Limusin hat schon eine richtige Fangemeinde in Verden, und so war der Abend am ersten Adventssonntag in der Aula des Domgymnasiums auch bestens besucht. Und bestens unterhalten wurde das Publikum auch.

Es ist immer eine lockere Stimmung bei den Aufführungen. Jetzt waren Ihno Tjark Folkerts, Violine, Suren Anisonyan, Violoncello, und der Schauspieler Benedikt Vermeer mit „Scrooge“, eine der berühmtesten Weihnachtsgeschichten der Welt, aus der Feder von Charles Dickens, in Verden zu Gast.

Die Geschichte des miesen Geizhalses Scrooge und seine Begegnung mit dem Geist seines einzigen, kürzlich verstorbenen Freundes Marley ist bekannt. Auf der Reise mit dem unheimlichen Geist wird Scrooge mit seinen eigenen Wesenszügen, seiner Menschenverachtung und seinem furchtbaren Geiz und seiner mangelnden Hilfsbereitschaft konfrontiert und gelobt Besserung.

Erstes Zeichen: Er zahlt die Arztkosten für den Sohn seines armen Mitarbeiters. Und wie das in Szene gesetzt wurde. Die Musiker kamen gut beschirmt in den dunklen Raum, nur eine Kerze brannte vor drei aufgespannten Stoffplanen, ein Glas Wein stand dort. Man wartete auf den Rezitator, von hinten schien ein Kauz zu mauzen, alles war so düster. So begann man mit Musik von Ludwig van Beethoven, dem „Allegro sostenuto“ aus dem Duo B-Dur, dieses der Stimmung angemessen richtig unheimlich und in sich verwoben.

Benedikt Vermeer erzählte stimmgewaltig und mit großartiger Mimik vom alten Scrooge. Alleine, wie er schon diesen Namen heraus schrie, ihn in die Länge zog, das war gekonnt und fesselte. Und ein Türnagel wurde klirrend kalt und gekonnt mit dem Auszug aus Vivaldis „Winter“ untermalt.

Das Andantino con moto aus dem Beethoven-Duo ist wie ein sich die Bälle Zuwerfen und läuft virtuos. Johann Sebastian Bach passte perfekt zu der Geschichte, sei es das Adagio aus der Orgel-Toccata C-Dur, die aus dem Nebel auftauchte, das Gespenstische enorm plastisch untermalte, Inventionen, die im atemberaubenden Tempo liefen und die Unrast unterstrichen, kratzten, schabten, im Glissando winselten als phonetische Textuntermalung, großartig. Ruhe trat ein in der Meditation aus „Thais“ von Jules Massenet, in der Ihno Folkerts einen herrlich kantablen Ton entwickelte.

Sehr bewegt die durchdachte Interpretation der Arie „Erbarme dich“ von Bach, und mit dem Schluss chor aus dessen Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ „Jesus bleibet meine Freude“ setzten die Musiker einen sehr versöhnlichen Schlusspunkt unter diese dichte Ausgestaltung.

Immer wieder faszinierte Benedikt Vermeer durch seine Erzähl- und große Schauspielkunst, durch die Wandlungsfähigkeit seiner Stimme vom unheimlichen Grollen, Zürnen bis zur piepsigen Kinderstimme und der gläsernen des Geistes. Eine großartige Gemeinschaftsdarbietung aus Literatur und Musik, die mit langem Beifall belohnt wurde. Und natürlich durfte dann eine Zugabe nicht fehlen, auch diese musikalisch gekonnt. Mit dem Poem „Das Jahr kennt seinen letzten Tag“ beendet. Die Künstler wünschten damit eine schöne Adventszeit, und sie begann durch diesen Abend sehr besonders.

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