Regelmäßig Gesprächsrunden beim Caritasverband / Offenes Angebot

Seelsorge und Supervision für Flüchtlingsbegleiter

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Integrationslotsin Dr. Heidemarie Telle (l.) holt sich Rat bei Birgit Asmuß vom Caritasverband.

Verden - Rund 1000 Flüchtlinge lebten Ende 2014 im Landkreis Verden. In diesem Jahr ist die Zahl der Menschen, die hier Schutz vor den Schrecken in ihrem Heimatland suchen, weiter gestiegen. Ehrenamtliche Flüchtlingsbegleiter oder Integrationslotsen helfen den entwurzelten Menschen, sich bei uns einzuleben und ein neues Zuhause zu finden.

Es ist eine Aufgabe, die viel Kraft kostet und die Ehrenamtlichen nicht selten selbst an ihre Grenzen bringt. Seit einigen Monaten bietet Birgit Asmuß vom Caritasverband Verden daher einmal im Monat eine offene Gesprächsrunde und Beratung für ehrenamtliche Flüchtlingsbegleiter an. Nachdem im November vergangenen Jahres sehr viele Flüchtlinge aufgenommen worden seien, seien seitens der Ehrenamtlichen viele Fragen aufgetreten, erzählt Birgit Asmuß. „Viele Flüchtlinge waren von der Abschiebung bedroht, auch für die Begleiter war das eine Grenzsituation. Da wurde deutlich, dass die Ehrenamtlichen sich selbst Begleitung wünschen.“

Eine, die dieses Angebot gern annimmt, ist Dr. Heidemarie Telle. Die pensionierte Lehrerin kümmert sich schon seit 2006 um Menschen, besonders Kinder, mit Migrationshintergrund. Jahrelang war sie die Vorsitzende des Vereins Integrationslotsen Landkreis Verden. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass die Flüchtlingsbegleitung viel Kraft kostet. Das fängt schon bei den Verständigungsschwierigkeiten an. „Manchmal sind es 20 Menschen aus zehn verschiedenen Ländern, die sechs verschiedenen Sprachen sprechen, wovon ich keine einzige verstehe“, berichtet sie. Schwerer wiegen allerdings andere Probleme. „Viele können sich nicht abgrenzen und auch einmal nein sagen. Nach der Begeisterung am Anfang kommt dann schnell die Enttäuschung“, so Telle.

Die meisten Flüchtlingsbegleiter seien emotional sehr engagiert, weiß Birgit Asmuß. „Sie machen sich Sorgen um die Kinder, fragen sich, wie es den Müttern geht und ob alle gut versorgt sind. Wir verstehen uns hier auch als Seelsorger.“

Dass die Identifikation mit den Schützlingen groß ist, kann Heidemarie Telle nur bestätigen. „Wenn es Probleme mit den Flüchtlingen untereinander gibt oder sie einmal mit dem Gesetz in Konflikt kommen, denkt jeder, nein, meine Familie ist daran nicht Schuld.“

Dieses Engagement sei erfreulich und spiegele schließlich auch ein Stück der Gesellschaft wieder. Gerade weil Flüchtlinge vielerorts auf Ablehnung stoßen, sei das wichtig. Man müsse aber aufpassen, dass die Hilfsbereitschaft nicht über das Ziel hinausschieße, erklärt Asmuß. „Es ist wichtig, die eigene Rolle zu finden und die eigenen Möglichkeiten zu erkennen.“

Das ist Heidemarie Telle gelungen. „Ich habe durch das Coaching hier gelernt, mich besser abzugrenzen und die Aufgaben zu verteilen.“ So hat sie sich aus dem Vorsitz des Vereins Integrationslotsen zurückgezogen und mit Adalciza Helms eine Nachfolgerin gefunden. Durch den Rückhalt der Beratung hat sie aber weiterhin die Kraft, sich in der Flüchtlingsbegleitung zu engagieren.

Mittlerweile ist auch in Achim der Wunsch nach Supervision entstanden. „Wir sind auch für eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis offen“, betont Birgit Asmuß. Bedingt durch die Sommerferien findet das nächste Treffen beim Caritasverband, Andreaswall 11, am Montag, 5. Oktober, um 18 Uhr, statt.

ahk

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