Geschichts-AG des Gymnasiums am Markt spielt Dienstag und Mittwoch im Kasch: „Sarah – Die Liebe und der Rassenwahn“

Rassenhass überschattet erste Liebe

Die Jüdin Sarah (Katharina Görtz) wird vom Rassearzt (Robin Gramse) auf der Suche nach arischen Merkmalen vermessen. Sie lässt die erniedrigende Prozedur über sich ergehen.
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Die Jüdin Sarah (Katharina Görtz) wird vom Rassearzt (Robin Gramse) auf der Suche nach arischen Merkmalen vermessen. Sie lässt die erniedrigende Prozedur über sich ergehen.

Achim - Von Lisa DuncanDer Matrosenaufstand, die DDR, die RAF und nun die Nazizeit: Ihr viertes Theaterprojekt präsentiert die Geschichts-AG des Gymnasiums am Markt (GamMa) am 4. und 5. Juni im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch). „Sarah – Die Liebe und der Rassenwahn“ heißt das Stück, das die Schüler gemeinsam mit dem Geschichtslehrer Michael Müller geschrieben haben.

Das Skript stammt aus der Feder von Michael Müller, basiert aber auf Ideen der Schüler. Auf der Bühne zu agieren bringe den Jugendlichen mehr, als nur historische Daten und Fakten zu büffeln, meint Müller: „Geschichte wird so lebendig“.

Im Theaterstück treffen Juden und selbst ernannte „Arier“ aufeinander. Als roter Faden dient die Geschichte von Sarah (Katharina Görtz) und Paul (Torben Schumacher), die eigentlich ein ganz normales Liebespaar sein könnten, wäre da nicht ein Problem: Sarah ist Jüdin im von Hitler regierten Nazi-Deutschland, als Menschen wegen ihrer Herkunft oder Religion verurteilt und zur Ermordung ins Konzentrationslager geschickt wurden.

Paul weiß von Sarahs Herkunft, doch es spielt für ihn keine Rolle. Um ihn in der Öffentlichkeit nicht zu brüskieren, gerät Sarah in Situationen, in denen sie ihre Religion verleugnet. „Einmal lädt Paul Sarah zu einer Bratwurst ein“, erzählt Müller. „Da sie als Jüdin natürlich kein Schweinefleisch isst, gibt sie vor, nicht hungrig zu sein und schenkt die Wurst einem Bettler.“ Eine etwas peinliche, jedoch letztlich harmlose Situation.

Nach und nach nimmt das Versteckspiel andere Dimensionen an. Einmal wird Sarah um ein Haar enttarnt: Kurz vor einer Bücherverbrennung kommen NSDAP-Mitglieder in dem Buchladen vorbei, in dem das Mädchen arbeitet – und nehmen dann doch nicht sie, sondern nur einige Bücher verfemter Autoren mit. Um nicht im Konzentrationslager zu enden, beschließt Sarah, sich einem Arier-Test zu unterziehen. In einer quälenden Prozedur wird sie von einem Rassearzt vermessen. Doch Gefahr droht Sarah nicht nur von Nazi-Ideologen, sondern auch von skrupellosen Geschäftemachern: Annette (Jule Loevenich), scheint bereits etwas zu ahnen. Gleichzeitig gieren NSDAP-Funktionäre auf noch von Juden bewohnte Häuser.

Viele der Akteure wirkten auch in den vergangenen Theaterproduktionen am GamMa mit. Jule Loevenich etwa spielte im RAF-Stück bereits Gudrun Ensslin. In weiteren Rollen sind zu sehen: Robin Gramse (Rassearzt), Fabian Nolte (Biologielehrer) und Saskia Zwilling (Hannah).

Wie in den vorigen Jahren gab es auch für „Sarah“ Vorlagen. „Während wir bisher alte Zeitungsartikel herangezogen haben, dienten diesmal Roman- und Filmfiguren als Inspirationsquelle“, sagt Müller. So seien einige Handlungsstränge aus „Schindler‘s Liste“, „Holocaust“ und „Ein Stück Himmel“ entlehnt.

Nach der Aufführung unternimmt die Geschichts-AG immer eine gemeinsame Theaterreise. Diesmal geht es nach Weimar (mit Besuch im KZ Buchenwald) und Erfurt („Dort ist viel über Juden dokumentiert, die früher dort gelebt haben“). Es gehe aber auch um das Gruppenerlebnis. „Nur wenn die Schüler so zusammenhalten, macht es Spaß“, so Müller. Daneben diente die Fahrt meist dazu, Ideen für das nächste Stück zu sammeln. Auf der Rückreise der ersten Theaterfahrt nach Kiel hieß es: „Das können wir noch besser.“ Anschließend sei dann die DDR, beziehungsweise das gleichnamige Stück, entstanden.

Von „Sarah – Die Liebe und der Rassenwahn“ gibt es zwei Aufführungen: am Dienstag, 4. Juni um 19 Uhr und am Mittwoch, 5. Juni um 20 Uhr im Blauen Saal des Kasch. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.

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