Kabarettisten-Duo ließ es krachen / Am Ende aber war die Kost leicht verdaulich

Ranz & May: Intelligent, bissig und (zu)treffend

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„Ranz und May“ ganz in ihrem Element. ·

Verden - Sie ließen es krachen: die Potsdamer Kabarettisten „Ranz & May“, die am Sonnabend dem Verdener Publikum verbal und musikalisch einheizten. Im Schlagabtausch zündete das Duo ein Pointenfeuerwerk, das sich jederzeit sehen und hören lassen konnte: intelligent, bissig und in der Regel (zu)treffend haben sie den Beweis erbracht, dass man selbst „Quatsch“ noch niveauvoll präsentieren kann. Von Beginn an gab es herzhafte Lacher, die in den folgenden zwei Stunden nicht mehr abreißen sollten.

„Nackig – Tugend ist aller Laster Anfang“ so lautete der Titel des Programms, das das Duo als eine Hommage an menschliche Affinitäten zelebrierte und in dem es – im übertragenen Sinne – die Hosen runter ließ. Dass die Reflektion auf die eigenen Lebensläufe dabei einen Schwerpunkt bildete, versteht sich von selbst. Doch das Duo beließ es nicht dabei, indem es sie in eine Reihe mit Evolutionserkenntnissen, Kindheits- und Jugenderinnerungen, Freikörperkultur, Unwetterwarnungen und politischen Ereignissen stellte. Genüsslich wurde an den Stellschrauben der Sprache gedreht und es war eine Freude zuzuhören.

„Ranz & May“ brachten ihre Sammlung vom Alltag und den dazugehörenden Figuren, in denen sich das Publikum teils mühelos wiederfinden konnte, auf die Bühne, was bei aller Skurrilität deutlichen Realitätsbezug besaß: Knigge-fernes Verhalten, Cyber-Generation oder schwuler Himmels- beziehungsweise Höllenkandidat, wobei sich Edgar am E-Piano stets als pfiffiger Stichwortgeber und verlässliche Begleitung erwiesen hat.

Ranz in feinem Zwirn und mit Krawatte leistete allerdings die Schwerstarbeit. Er gab den Nummernboy, dessen musikalisches Können, sein tief dringender Bass und sein schier unglaubliches (Ver)Wandlungspotenzial die verlässlichen Stützen waren. Enorm wandelbar sind seine Körpersprache, Stimme und Mimik wenn er mit verdrehten Augen oder mit tuntigen Gesten parodiert. „Haben Sie noch Sex. Nun mal ehrlich und die Hände hoch, wer noch hat! Keiner, na das habe ich mir gedacht“, stellte Michael Ranz mit einem frechen Grinsen fest. Auf dem Piano begleitet von Partner Edgar May, beschrieb er singend in schönstem sächsisch Benimmfloskeln, intonierte seine Gedanken zur Arschkriecherei oder fütterte das Publikum mit der Erkenntnis, dass es nur eine Beziehungskiste gibt, die von Dauer sei: der Sarg.

In Zeiten platter Unterhaltung hat das Duo dem Publikum zwar leicht verdauliche, aber doch höchst schmackhafte Unterhaltungskost serviert.· nie

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